Von Bernd Graff

Drei Tage mit Microsofts neuem Betriebssystem: Windows 7 läuft fehlerfrei, kann seine Gestrigkeit jedoch nicht verbergen.

Das neue Windows zwingt den Blick zurück, nicht nach vorn. Denn selbst wenn Win 7 sich eine modisch twittereske Kinderzimmer-Optik verpasst hat - man durchschaut die Camouflage: Hinter der gründlich renovierten Fassade dieses OS (Operating System) klafft ein existentielles Loch. Es fehlt ein Leben, das Verheißung, Zukunft, Versprechen wäre. Und das ist nicht einmal die Schuld von Microsoft.

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Notebook mit Windows 7: Langweiliger Rechner bleibt langweiliger Rechner (© Foto: AP)

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In Redmond ist diesmal tatsächlich ganze Arbeit geleistet worden. Windows 7 ist endlich das Betriebssystem für Personal Computer, das alle Vorgängerversionen immer sein wollten oder vorgaben zu sein. In technischer Hinsicht sind diesmal wohl keine Fehler gemacht worden. Und das will bei dem Quasimonopolisten unter den Softwarezüchtern, der immer noch über neunzig Prozent aller Desktopcomputer befehligt, schon einiges heißen.

Die Vorgängerversion zur 7 war Windows Vista. Doch der wollten Firmen- wie Privatkunden weder Leben einhauchen, noch sich das ihrige verderben lassen. Es war mehr als anspruchsvoll, ging verschwenderisch mit Rechnerleistung um und verhielt sich trotzdem bockig.

Langweilige Rechner bleiben langweilige Rechner

Vista also floppte, wie man so schlecht sagt. Die sich selbst vorantreibende Technologiespirale, nach der ressourcenhungrige Betriebssysteme den Verkauf von immer avancierter Rechnerarchitektur befördern und die kontinuierliche Hardwareaufrüstung wiederum ressourcenhungrigere Betriebssysteme zulässt - auf dass dieses Mehr an Leistung gleich wieder vom Hunger nach Leistung vernichtet wird und unter dem Stich alles beim Alten bleibt -, diese Schraube also geriet ins Stocken.

Die Menschen blieben bei ihren alten Kisten, manche unternahmen sogar die Anstrengung, das Betriebssystem zu downgraden, also auf die Vista-Vorgängerversion XP zurückzukehren. Das geschah, weil die Benutzer um die Jahrtausendwende eingesehen hatten, dass ihre langweiligen Rechner langweilige Rechner blieben und die langweilige Arbeit, die man an ihnen verrichtet, nicht dadurch spannender wird, dass man die Tapeten des langweiligen Desktops wechselt.

Ein Desktop mit Tapeten

Zumal die technischen Hakeligkeiten, die sich beim Betreiben eines PCs sowieso nach und nach einstellen, auch von den neuen Versionen nicht wirklich gelöst wurden. Am absurdesten hier die seit Windowsgenerationen durchgereichte, immer böswillig aufpoppende Fehlermeldung, dass man sich bei Bestehen eines Problems doch an seinen Systemadministrator wenden solle. Wie denn, wenn man einziger Nutzer der Maschine ist und also selber der Administrator!

Vista wurde so, gerade auch, weil so viel unangenehme Vergangenheit auf ihm lastete, zum Synonym für eine überfrachtet-unausgereifte Zwischenlösung, die keiner wollte.

Und das, obwohl Microsoft an wohl keiner seiner Windows-Ausgaben so lange gewerkelt und gebrütet hatte und sich sein Start immer wieder verzögert hatte. Was übrigens den immer stärker werdenden Konkurrenten Apple schon kurz nach der Veröffentlichung des Microsoft-OS dazu verleitete, das eigene MAC OS X spitzbübisch als "Vista 2.0" anzupreisen.

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