Laut einem Bericht der EU-Kommission gibt es in der Europäischen Union mehr Handys als Menschen - und damit wird kräftig telefoniert. Die Tarife unterscheiden sich allerdings noch heftig.

In der Europäischen Union gibt es mehr Mobiltelefone als Menschen. Das belegt der "12th Report on the Implementation of the Telecommunications Regulatory Package" der EU-Kommission. Demnach waren im vergangenen Jahr 478,4 Millionen Handys in der EU im Gebrauch, während "nur" 455,7 Millionen Menschen in den Mitgliedsstaaten leben.

(© Foto: ddp)

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Besonders groß ist dem Bericht zufolge die Handy-Dichte in Luxemburg: Statistisch gesehen besitzt jeder Luxemburger 1,7 Mobiltelefone. Am wenigsten verbreitet sind Mobiltelefone in Frankreich, wo im Oktober vergangenen Jahres 82 Prozent der Bevölkerung ein Handy nutzten.

Große Preisunterschiede

Deutlich größer sind die Unterschiede bei den Preisen. So zahlten Wenigtelefonierer (25 Anrufe und 30 SMS pro Monat) in Lettland im vergangenen Jahr monatlich nur fünf Euro, beim teuersten Anbieter in Großbritannien hingegen 30 Euro. Bei den Angeboten für Vieltelefonierer wurden die Tarife von Vodafone Deutschland als besonders hoch angeführt.

Die Grundgebühr für den Festnetzanschluss war mit 5 Euro ebenfalls in Lettland am niedrigsten, Deutschland lag mit knapp 16 Euro im oberen Mittelfeld. Mit Abstand am meisten zahlten die Iren, die monatlich allein für den Telefonanschluss gut 24 Euro auf der Rechnung hatten.

Die eigentlichen Gesprächsgebühren waren dagegen in Slowenien am niedrigsten. Mit den sonstigen Lebenshaltungskosten lässt sich die Statistik nicht unbedingt erklären: Mit am teuersten waren Anrufe im Jahr 2006 ausgerechnet in der Slowakei, einem der ärmsten EU-Staaten.

Deutlicher Preisverfall

Allerdings sind die Preise seit Beginn der Erhebung durchschnittlich erheblich gesunken. Die Kosten für ein dreiminütiges Telefongespräch im nationalen Festnetz fielen von 41,8 Cent im Jahr 2000 auf 25 Cent. Die Preise für inländische Mobilfunkdienste sind dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr um bis zu 13,9 Prozent gefallen.

Viviane Reding, die für die Telekommunikation zuständigen EU-Kommissarin, werte die Ergebnisse des Berichts als positiv: "Die Wettbewerbsöffnung der Telekommunikationsmärkte ist gewiss einer der größten Erfolge der EU, wie man an sinkenden Tarifen und verbesserten Dienstleistungen ablesen kann. Ein Wachstum von 2,3 Prozent in diesem Bereich und 5 Prozent zusätzliche Investitionen sind zwar gut, aber nicht gut genug, wenn Europas Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spiel steht."

Der Bericht der Kommission weist daher auch auf dringende offene Regulierungsfragen hin. So gäbe die politische Einflussnahme auf die Regulierungsbehörden in einigen Ländern Anlass zur Sorge, langatmige Verfahren würden zudem Entscheidungen der Behörden behindern, beispielsweise in Deutschland.

Kritik übt die EU-Kommission auch an der "ineffizienten und fragmentierten Frequenzverwaltung", durch die ein Wachstum verhindert würde. Diese und andere Problembereiche will die Kommission im Zuge der Reform der Telekommunikationsvorschriften im Sommer diesen Jahres angehen.

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(sueddeutsche.de/AP)