Interview: Lisa Sonnabend

Am Samstag diskutieren in München Frauen über das Web 2.0. Organisatorin Mirjam Mieschendahl darüber, warum es so wichtig ist, der männlichen Sichtweise etwas entgegenzusetzen.

Auf Branchenevents sind fast immer nur Männer anzutreffen. Als auf der re:pubica und andern BarCamps über die Zukunft des Web 2.0 diskutiert wurde, waren gerade mal 19 von 160 Vortragenden Frauen. Mirjam Mieschendahl, 35, hat deswegen ein BarCamp nur für Frauen organisiert - das erste weltweit. Bei einem BarCamp halten nicht ein paar Ausgewählte einen Vortrag, sondern der Ablauf und die Inhalte werden von den Teilnehmern komplett selbst bestimmt. Jeder kann seine Ideen einbringen und ist aufgefordert, selbst etwas vorzutragen oder mit zu organisieren.

BarCamp für Frauen in München

"Frauen drängen sich wahrscheinlich nicht so sehr in den Vordergrund": Mirjam Mieschendahl. (© Foto: oh)

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Auf dem BarCamp in München wird diskutiert über Themen wie Suchmaschinenoptimierung, Soziale Netzwerke und Selbstdarstellung mit Podcasts, Blogs oder Twitter. Das Ziel ist, dass sich die Teilnehmerinnen über ihre Erfahrungen mit dem Web 2.0 austauschen - und einmal den vornehmlich männlichen Meinungsführern ihre Sichtweisen entgegensetzen. Das BarCamp findet am 30. August in München statt, anmelden kann man sich unter www.groups.de/barcamp. Mieschendahl arbeitet als Marketingleiterin bei groups.de

sueddeutsche.de: Woran liegt es, dass so wenig Frauen an BarCamps teilnehmen?

Mirjam Mieschendahl: Ich denke, Frauen fühlen sich von BarCamps einfach nicht angesprochen, zumindest nicht direkt. Ich selbst beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Web 2.0, aber ich kam noch nie auf die Idee, bei einem BarCamp mitzumachen. Frauen drängen sich wahrscheinlich nicht so sehr in den Vordergrund. Bei Männerthemen reagieren sie sogar fast reflexartig mit völliger Passivität. Auffällig ist auch, dass wenn es schon zehn Sprecher zu einem Thema gibt, Frauen nicht sagen: 'Hey, ich bin die elfte.' Das hat auch viel mit Trauen zu tun. Dass es auch anders geht, habe ich vor etwa zehn Jahren an der Uni in einem Computerkurs speziell für Frauen gemerkt. Dort hatte ich überhaupt kein Problem, selbst einfachere Fragen zu stellen, zum Beispiel wie man aus Suchmaschinen vernünftige Ergebnisse herausholt. Genau die Stimmung will ich auf dem BarCamp wieder haben: Diskussionen ohne dabei das Gefühl zu haben, unqualifiziert aus der zweiten Reihe dazwischenzuquatschen.

sueddeutsche.de: Werden die Frauen auf dem BarCamp am Samstag das Web 2.0 revolutionieren?

Mieschendahl: Wir wollen herausfinden, wie Frauen das Web nutzen und was sie besonders begeistert oder kalt lässt. Mit Sicherheit werden Positionen vertreten, die man normalerweise so nicht mitbekommt. Jüngere Frauen sind als Nutzerinnen von Web-2.0-Angeboten im Kommen und überholen teilweise ihre männlichen Altersgenossen. Aber die Meinungsführer in der Internet-, Blogger-, Web-2.0-Szene bestehen zu 95 Prozent aus Männern. Das muss einfach prägend wirken! Außerdem halte ich es für einen Vorteil, dass viele der Teilnehmerinnen vorher noch nie auf BarCamps waren - sich aber durchaus mit der Thematik beschäftigen. So werden sicher Dinge angesprochen, die man nicht jeden Tag liest. Vielleicht gibt es ja eine weibliche Sichtweise auf das Web 2.0 - wir werden sehen.

sueddeutsche.de: Wie sind Sie auf die Idee zu dem BarCamp gekommen?

Mieschendahl: In meiner Firma bin ich die einzige Frau. Ich hatte Lust, mich mit anderen Frauen auszutauschen, über die Dinge, die mich im Beruf beschäftigen. Ich habe ein paar Frauen, die auch in der Internet-Branche arbeiten, angeschrieben, ob wir eine Art Stammtisch gründen. Daraus ist dann die Idee zu dem BarCamp entstanden. Denn wenn es uns so geht, dass wir den Ausstausch vermissen, dann lass uns doch ein richtiges Event machen, dachten wir uns. Wir fanden die Organisationsform des BarCamp, bei der jeder sich einbringt, ideal dafür.

sueddeutsche.de: Jeder Teilnehmer muss also etwas vortragen?

Mieschendahl: Die Vortragenden bei einem Barcamp sind gleichzeitig auch die Teilnehmerinnen. Die Stimmung wird anders sein als bei normalen Branchentreffen, weil jede weiß, sie wird auch etwas machen. Mein Vortrag dreht sich um die Frage 'Wie bewegt man eine Community? Warum eine Vision wichtig ist.' Jeder trägt etwas vor, von dem er denkt, dass es für die anderen interessant sein könnte. Inhaltliche Vorgaben gibt es keine, aber die Vortäge sollten so nah wie möglich an den eigenen Erfahrungen anknüpfen. Das macht das Treffen interessanter und persönlicher. Es herrscht aber kein Zwang zum Vortrag - man kann sich auch beteiligen, indem man zum Beispiel Fotos macht. Und am Abend steigt eine nette Party. Jeder kann dazu seinen ipod mit Playlist mitbringen und einen Gast - dann gerne auch männlich.

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(sueddeutsche.de/mri/cmat)