Baden-Württemberg Kostenfreies Wlan für Flüchtlinge

Flüchtlinge in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart

(Foto: dpa)
  • In Baden-Württemberg sollen alle Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge mit kostenlosem Wlan versorgt werden.
  • Das Internet hilft Flüchtlingen dabei, ihr Leben zu organisieren und Kontakt zu ihrer Familie zu halten. Aber Datentarife können sich viele nicht leisten.
  • Auch Mitglieder der Freifunk-Vereine helfen dabei, Flüchtlingsheime mit kostenlosem Wlan zu versorgen. Doch ein Gesetzesentwurf der Bundesregierung könnte das Ende für diese Initiative bedeuten.
Von Sara Weber

Wörterbuch, Radio, Bankfiliale, Computer, Telefon - das Smartphone ist für viele Flüchtlinge unersetzlich. Es ist oft der einzige Weg, mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben und hilft ihnen, die Flucht und den Alltag in ihrer neuen Umgebung zu organisieren. Doch Datentarife können sich viele nicht leisten und nur in den wenigsten Flüchtlingsunterkünften gibt es Wlan.

Das Land Baden-Württemberg wird freies Wlan in allen Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge bereitstellen, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums für Integration. Ein Kabinettsbeschluss wurde bereits verabschiedet, dieser soll jetzt nach und nach implementiert werden. Einen genauen Zeitplan gibt es nicht, da noch verwaltungstechnische und technische Fragen zu klären seien, heißt es aus dem Ministerium. In der Erstaufnahmeeinrichtung in Ellwangen gibt es bereits freies Wlan auf dem gesamten Gelände, mit dem die Flüchtlinge über ihre Smartphones ins Internet gehen können.

Handys sind für Flüchtlinge kein Luxus

Wer ein Smartphone hat, dem kann es nicht schlecht gehen. Klingt logisch, ist aber falsch. Je schlechter es einem Menschen geht, desto dringender braucht er ein Smartphone. Von Christoph Meyer mehr ... Platz 1 - 15 aus 2015

Nach und nach werden immer mehr Flüchtlingsheime ans Internet angeschlossen. Doch nicht immer handeln die Länder. Vielerorts stellen deshalb Freifunker Wlan in Flüchtlingsheimen zur Verfügung. Freifunk ist eine Initiative, die sich für freie Funknetzwerke einsetzt und in lokalen Vereinen organisiert ist.

In Stuttgart und Umgebung werden aktuell sechs Unterkünfte von den Freifunkern mit Wlan versorgt, erzählt Thomas Renger vom Freifunk Stuttgart. "Alle Flüchtlingsheime, die sich künftig melden, werden wir genauso unterstützen", so Renger. Auch in Augsburg, Berlin, Bonn, Dortmund, Erfurt, Hamburg, Regensburg und vielen anderen Städten. Die Kosten für die Router werden in der Regel durch Spenden finanziert.

Nur ein Rädchen im System

Wenn es in der Unterkunft schon einen Internetanschluss gibt, sorgen die Freifunker dafür, dass das Wlan auf dem gesamten Gelände verteilt wird. In Gomadingen auf der Schwäbischen Alb sind Flüchtlinge in einem ehemaligen Feriendorf untergebracht. Die Hütten sind auf dem ganzen Gelände verteilt, ein einzelner Router reicht da nicht aus. Die Freifunker haben deshalb von einem zentralen Anschluss aus ein Netz von miteinander verbundenen Routern angelegt. "Wir sind nur ein Rädchen im System", sagt Renger. "Nur Wlan ohne Geräte bringt den Leuten auch nichts. Vor ein paar Jahren wäre die Versorgung für uns deshalb noch erheblich schwieriger gewesen."

Dass viele Flüchtlinge heute bereits Smartphones besitzen, hilft: "Mobiltelefone mit Internetverbindung aus der letzten oder vorletzten Generation sind heute nicht mehr teuer, außerdem werden auch viele Geräte gespendet", sagt Renger. Smartphones machen die Flüchtlinge selbstständiger, helfen ihnen beim Übersetzen und wer schon ein wenig deutsch kann, kann einfache Alltagsfragen selbst klären. "Das entlastet auch die Flüchtlingsheime, die sich dann um größere Probleme kümmern können."