Aus für E-Mail-Verschlüssler Lavabit Snowden greift Facebook, Google und Apple an

Der E-Mail-Verschlüsselungsdienst Lavabit muss seine Tätigkeit einstellen - offenbar auf Druck der US-Regierung. Whistleblower Snowden zollt dem Lavabit-Gründer seinen Respekt - und kritisiert große IT-Unternehmen, weil sie sich nicht in ähnlicher Weise für die Bürgerrechte einsetzen.

Ein verschlüsselter E-Mail-Dienst, den der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zur Kommunikation genutzt haben soll, ist offenbar auf Druck der US-Behörden zur Schließung gezwungen worden. Der Besitzer des E-Mail-Dienstes Lavabit, Ladar Levison, sagte, er habe sich nach langer Überlegung zur Einstellung seines Dienstes entschieden. Entweder er kehre "fast zehn Jahren harter Arbeit" den Rücken oder er werde zum Komplizen "von Verbrechen gegen das amerikanische Volk", schrieb Levison.

Levison beklagt in seiner Mitteilung, er könne keine Details zu den Ursachen der Einstellung von Lavabit mitteilen. "Wie die Dinge derzeit liegen, kann ich meine Erfahrung der letzten sechs Wochen nicht teilen, obwohl ich zweimal die nötigen Anträge gestellt habe", schrieb Levison. Das US-Recht erlaubt es den Sicherheitsdiensten, Firmen zu verpflichten, dass sie die ihnen erteilten Anweisungen nicht öffentlich machen.

Edward Snowden äußerte sich inzwischen im Guardian zur Lavabit-Einstellung: Das Verhalten von Levison verdiene Achtung. Diese gebe eher sein Geschäft auf als die Bürgerrechte seiner 400.000 Benutzer zu missachten. "Amerika kann als Land nicht erfolgreich sein, wenn Einzelpersonen wie Levison ihre Tätigkeit hierzulande nicht mehr ausführen und ins Ausland abwandern müssen", sagte Snowden.

Andere große IT-Unternehmen wie Google, Facebook. Microsoft, Yahoo und Apple müssten sich angesichts der Arbeit von Lavabit fragen lassen, warum sie nicht in ähnlicher Weise für die Interessen der Bürger einträten wie die kleinen Internetfirmen. "Sie entschuldigen sich damit, dass sie Gesetze befolgen müssen, die ihnen nicht gefallen, aber wenn sie ihre Dienste abschalten würden, könnten sie an einem einzigen mehr erreichen als 100 Lavabits", sagte der Ex-Geheimdienstmitarbeiter.

USA wollten möglicherweise Snowdens Daten

Auch für Kurt Opsahl, einem Anwalt der Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation in San Francisco, ist Levisons Schritt ungewohnlich: Es sei einzigartig, dass ein US-Unternehmen lieber seine Tätigkeit einstelle, als einer Bitte von US-Behörden zur Herausgabe von Informationen nachzugeben. Ihm sei kein Fall derartiger Fall bekannt.

Lavabit hatte seinen Kunden zugesagt, dass deren E-Mails auf den Servern des Unternehmens verschlüsselt werden und dass ein Zugang zu den Mails nur mit dem Passwort des Nutzers möglich sei. Lavabits Erklärung lässt vermuten, dass die US-Behörden möglicherweise Zugang zur E-Mail-Korrespondenz von Snowden, zu anderen Informationen über ihn oder zum Schlüssel seiner Mails bekommen wollten oder sogar einen Zugang zu den Daten der Hunderttausenden anderen Lavabit-Kunden.

Gründer warnt vor Datenklau durch die Regierung

Die jüngsten Erfahrungen hätten ihm eine sehr wichtige Lektion erteilt, schrieb Levison. Er könne derzeit nur jedem dringend davon abraten, seine privaten Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das direkte Beziehungen zu den Behörden der Vereinigten Staaten habe. Das US-Justizministerium äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Ein mit Lavabit vergleichbarer E-Mail-Anbieter zog am Freitag ebenfalls Konsequenzen aus dem Überwachungsskandal. Das US-Unternehmen Silent Circle kündigte an, seine verschlüsselten Sprach-, Video- und Text-Nachrichten-Dienste einzustellen, weil die Sicherheit der Kommunikation nicht mehr gewähleistet werden könne. Allerdings handelt es sich in diesem Fall um eine präventive Maßnahme. Man selbst habe bislang keine Regierungsanfrage zur Datenherausgabe erhalten, hieß es in einer Stellungnahme.

Der konkurrierende Anbieter Lavabit war in die Schlagzeilen geraten, als bekannt worden war, dass Snowden den Dienst während der Zeit, die er auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo feststeckte, zur Kommunikation nutzte. Snowden hatte mit Enthüllungen zur flächendeckenden Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation durch den US-Geheimdienst NSA den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen. Am 1. August gewährte ihm Russland vorläufiges Asyl. Derzeit hält er sich an einem unbekannten Ort in Russland auf. Wie das Wall Street Journal berichtet, will Snowdens Vater seinen Sohn in der kommenden Woche besuchen.

Im Rahmen der von Snowden angestoßenen Enthüllungen war herausgekommen, dass die großen amerikanischen E-Mail-Anbieter wie Google und Microsoft und andere von den Behörden gedrängt wurden, die Geheimdienste bei der Ausspähung von Daten zu unterstützen.