Auktion von Funkfrequenzen Schnelles Internet für alle

Sendemast in Markt Schwaben. Funklöcher sollen bald der Vergangenheit angehören.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Von Mittwoch an können die drei deutschen Mobilfunkanbieter, Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland, wichtige Funklizenzen ersteigern.
  • Das Mindestgebot für das gesamte Spektrum liegt bei insgesamt 1,5 Milliarden Euro.
  • Für die Verbraucher steht viel auf dem Spiel. Deutschlands Internetversorgung ist im internationalen Vergleich allenfalls Mittelmaß.
  • Zwei kleine Anbieter scheiterten an der Zulassung zur Versteigerung. Eines davon, Airdata, kämpft derzeit vor Gericht darum, doch noch zugelassen zu werden.
Von Varinia Bernau, Mainz

Es ist ein unscheinbarer Ort, an dem in den nächsten Tagen die Gebote für Deutschlands Zukunft abgegeben werden: Der nüchterne Konferenzraum liegt hinter hellen Wänden in einem Wohnviertel von Mainz. Hier sollen Mitarbeiter der drei deutschen Mobilfunkanbieter von Mittwoch an im Stundentakt wertvolle Funkfrequenzen ersteigern. Wie viel sie schließlich zahlen werden, weiß niemand. Das Mindestgebot für das gesamte Spektrum liegt bei insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Deshalb haben die Deutsche Telekom, Vodafone sowie Telefónica Deutschland, vor allem unter den Marken O2 und E-Plus bekannt, die Auktion akribisch vorbereitet.

Auch für die Verbraucher steht viel auf dem Spiel. Deutschlands Internetversorgung ist im internationalen Vergleich allenfalls Mittelmaß. In den Städten können etwa 80 Prozent der Haushalte auf Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zugreifen, in dünner besiedelten Gegenden sind es nur 20 Prozent, schätzen die Marktforscher von Deloitte.

Die fünf schönsten Funklöcher

Keine E-Mails checken, keine SMS, keine Anrufe. Endlich mal abschalten. Geht das überhaupt noch? An einigen wenigen Orten stehen die Chancen gut. Fünf Vorschläge. Von Martin Wittmann, Jana Stegemann, Verena Mayer, Laura Hertreiter, Roman Deininger und Birgit Lutz mehr ...

Ein Kilometer kostet bis zu 60 000 Euro

Die Regierung hat versprochen, alle hiesigen Haushalte bis 2018 an solch ein schnelles Netz zu bringen. Mit Kabeln ist das kaum zu schaffen. Zwar gelangt das Internet am schnellsten und stabilsten durch Fasern aus Quarzglas zu den Menschen. Doch solch ein Netz zu bauen, das dauert und ist teuer. Allein die Kosten für Bagger, die die Straße aufreißen und Kabel verlegen müssen, liegen pro Kilometer bei 50 000 bis 60 000 Euro. Die Datenübertragung per Funk gilt vielen Politikern als Alternative: billiger und schneller zu stemmen.

Deshalb sind die Frequenzen, die Bund und Länder nun an die Mobilfunkanbieter versteigern, so wichtig: Besonders begehrt ist das Spektrum im niedrigen Frequenzbereich. Denn diese Funkwellen tragen weit, sodass sich große Gebiete mit wenigen Masten versorgen lassen. Bestens geeignet also für die Versorgung ländlicher Regionen. Die Kanzlerin persönlich hat die Länder im vergangenen Dezember überredet, diese Frequenzen im 700er-Megahertz-Bereich freizugeben. Sie werden bisher von den Rundfunkanstalten genutzt - zur Übertragung des terrestrischen Antennenfernsehens (DVBT). Auch viele Kulturbetriebe mit drahtlosen Mikrofonen greifen bei Konzerten, Musicals oder der Übertragung von Fußballpokalspielen darauf zu. Beide sind nicht gerade glücklich darüber, nun zugunsten der Mobilfunkanbieter ausweichen zu müssen.

Warum Vodafone in Deutschland in der Krise steckt

Die Konkurrenten ziehen vorbei, Umsatz und Gewinn gehen zurück, jetzt wirft auch noch der Geschäftsführer Schulte-Bockum hin. Doch die Probleme für Vodafone bleiben - auch die mit der Zentrale in London. Von Varinia Bernau mehr ...

Den etablierten Anbietern wird immer wieder Rosinenpickerei vorgeworfen

Die 700er-Frequenzen sollen vom Frühjahr 2016 an schrittweise freigegeben werden. Allzu schnell aber wird es wohl nicht vorangehen. Zum einen, heißt es bei den Rundfunkanstalten, fehle es an Fernsehgeräten, die mit der neuen Technik klarkommen. Und nicht jedem könne man die zusätzlichen Kosten für Kabelfernsehen oder Satellitenschüssel zumuten. Zum anderen ist Deutschland das erste Land in Europa, das diesen Schritt wagt. Die Nachbarländer nutzen diese Frequenzen noch länger für den Rundfunk - und sie könnten damit in Grenzregionen den Handy-Empfang stören. Deshalb drängt Deutschland derzeit auch anderswo zu etwas mehr Eile. In Frankreich, Polen und Tschechien mit Erfolg, heißt es aus Verhandlungskreisen. Die Mobilfunkanbieter allerdings werden sich beim Netzausbau in diesen Regionen wohl zurückhalten, solange sie sich um Störungen sorgen müssen.