Augmented Reality Diese App macht Wlan sichtbar

"Architecture of Radio" So funktioniert die App im Test

(Video: Süddeutsche Zeitung, Foto: Juuke Schoorl)
  • Der niederländische Künstler Richard Vijgen hat eine App entwickelt, die Wlan-Router, Mobilfunkmasten und Satelliten sichtbar macht.
  • "Architecture of Radio" verdeutlicht, wie engmaschig das Daten- und Signalnetz um uns geworden ist.
  • Der Blick in die "Infosphäre", wie der Künstler die unsichtbare Signallandschaft nennt, ist faszinierend. Wie genau er an der Realität ist, lässt sich aber schwer überprüfen.
Von Angela Gruber

Router, Sendemasten, Satelliten am Himmel: Wir sind umgeben von einer für uns unsichtbaren Welt der elektrischen Signale und Wellen. Sie halten uns auf dem Smartphone erreichbar und lassen uns im Internet per Wlan Seiten aufrufen. Der niederländische Künstler Richard Vijgen war so fasziniert vom Signaldschungel des Informationszeitalters, dass er mit "Architecture of Radio" eine App entwickelt hat, die diese verborgene Welt sichtbar macht.

Wer Vijgens kostenpflichtige Augmented-Reality-App benutzt und durch den Raum schwenkt, sieht das sonst unsichtbare Signaldickicht um sich herum. Die physische Umgebung findet in der App für iPhone und iPad dagegen nur als bläulich-violetter Hintergrund statt. Vijgen kehrt die Sichtbarkeit der beiden Welten um.

Ein Wald aus Funkmasten und pulsierenden Signalen

Es ist faszinierend, wie "Architecture of Radio" am Bildschirm einen Wald aus Funkmasten als weiße, senkrechte Streben sichtbar macht. Zum Funkmast im Zentrum des Bildschirms werden immer Informationen über Betreiber und Entfernung angezeigt: "Vodafone, Entfernung 531 Meter", steht dort zum Beispiel. Router werden mit einem roten Dreieck in der Landschaft verortet. Schwenkt man das Handy oder Tablet Richtung Himmel, tauchen auf dem Schirm Satelliten als Sechsecke auf, ebenfalls mit Angaben zu Namen und Betreiberland.

Die Funkquellen senden außerdem in der App in bestimmten Abständen Signale aus, visualisiert als weiße Wellen und Netze aus feinen weißen Punkten: Um uns herum pulsiert ständig Technik. Knisternde und knatternde Geräusche unterbrechen den brummenden, durchgängigen Grundton, sobald eine Signalquelle im Bild ist. Im Test funktionierte der Ton aber nicht durchgängig. Dieses Youtube-Video zeigt, wie sich die App in einer frühen Version mit Ton anhört:

"Unsere digitalen Leben hängen an diesen physischen Systemen"

"Infosphäre" nennt Vijgen die unbekannte Landschaft der Signalwellen: "Wir sind vollständig umgeben von einem unsichtbaren System an Datenleitungen und Radiosignalen, Mobilfunkmasten und Satelliten am Himmel", erklärt er. "Unsere digitalen Leben hängen an diesen physischen Systemen."

Die Installation auf iPhone und iPad funktioniert im Test noch nicht einwandfrei. Einmal zum Laufen gebracht, ist die Handhabung aber einfach und die App läuft stabil.

Daten kommen auch von der Nasa

Die App bezieht Daten aus verschiedenen Quellen. Nutzer müssen auf ihrem Gerät die Ortungsdienste aktiviert haben, per GPS wird so ihr Standort bestimmt. Danach sucht das Programm nach Mobilfunkmasten in der Nähe, basierend auf Informationen aus einer Karte im Internet, die von Nutzern auf der ganzen Welt frei bearbeitet wird.

Besonders faszinierend ist der Schwenk in den Himmel, mit dem man Satelliten orten kann. Wie genau diese Angaben sind, ist schwer zu sagen. Vijgen nutzt für diese Funktion öffentliche Daten der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa aus dem Ephemeriden-Lokalisierungssystem für Satelliten. Ephemeriden sind Positionswerte astronomischer Objekte, die sich bewegen.

So errechnet die App aus verschiedenen Positionsangaben und Karten, welche Objekte sie wo im Raum anzeigen muss. Sie verdeutlicht, wie eng das Netz von Signalquellen mittlerweile geworden ist. Keinerlei Signalquellen sieht nur, wer das Handy Richtung Boden schwenkt.

"Architecture of Radio" von Richard Vijgen, im Apple App Store für 2,99 Euro, voraussichtlich ab Januar 2016 auch für Android.