Aufregung um Online-Rollenspiel Wie WoW-Foristen einen US-Mitarbeiter büßen ließen

Die Debatte um die Anonymität trifft ins Zentrum der Faszination von World of Warcraft: Hier findet sich vom Anwalt bis zum Fließbandarbeiter eine Community aus allen Gesellschaftsschichten zusammen, die miteinander durch die virtuelle Welt zieht, kämpft und per Headset plaudert.

Findet nun ein Arbeitgeber heraus, dass sich ein Mitarbeiter in der Rollenspielwelt bewegt, könnte es dessen Ruf schaden, wird WoW doch oft im Zusammenhang mit dem Problem der Online-Sucht genannt und von vielen Außenstehenden als sinnlose Daddelei gesehen.

Zudem gehört es zum Reiz der Phantasiewelt, hinter seiner Rolle im Spiel zu verschwinden: Je mehr die Spieler übereinander herausfinden, desto weniger kann die World of Warcraft von der wirklichen Welt getrennt werden - und desto mehr verliert das virtuelle Märchenreich seinen Zauber.

Anfang vom Ende der Anonymität?

Bereits jetzt bietet Activision Blizzard in seinem Online-Spieleportal Battle.net Nutzern die Möglichkeit, unter realem Namen Freundschaften zu schließen ("Real ID"). Auch eine Facebook-Integration ist geplant, um die Freundeslisten dort mit denen in der virtuellen Welt abgleichen zu können.

Sean Brooks von der US-Bürgerrechtsgruppe Center for Democracy & Technology vermutet deshalb neue Vermarktungsmodelle hinter dem Schritt. Er merkt an, dass sich Activision Blizzard laut US-Geschäftsbedingungen vorbehält, gesammelte Informationen über seine Nutzer mit den Daten von Drittanbietern anzureichern. Dies könnte auf Geschäftsmodelle wie personalisierte Werbung deuten - und hier sind möglichst viele Informationen nicht nur virtuelles Gold wert.

In wenigen Tagen wird das Forum des Blizzard-Spiels "Starcraft II" auf Klarnamen umgestellt, das Forum von "World of Warcraft" soll später im Zuge der Veröffentlichung der dritten Erweiterung "Cataclysm" umgestellt werden. Blizzard ließ erklären, "definitiv dem Feedback der Nutzer zuzuhören" und die Reaktionen abzuwarten. Im Spiel World of Warcraft selber werden weiterhin keinerlei Klarnamen verlangt oder gegen den Willen der Nutzer angezeigt.

US-Mitarbeiter muss Telefonnummer ändern

Der Ärger der WoW-Community entlädt sich derweil an den Mitarbeitern des Unternehmens. Den Autor des Forenbeitrags mit den neuen Regeln erwischte es zuerst: Der Mann, der bislang unter dem Pseudonym "Bashiok" Beiträge im Forum schrieb, wollte mit gutem Beispiel voran gehen und veröffentlichte seinen echten Namen.

Innerhalb weniger Minuten ließen ihn Mitglieder des Forums die Folgen dieses Schritts spüren: Sie veröffentlichten seinen Lebenslauf, seine Adresse und Telefonnummer, Namen und Adresse von Familienmitgliedern, die Schule seiner Kinder und ein Bild von seiner Eingangstür. All diese Informationen waren im frei zugänglich im Internet zu finden.

Der Mann hat inzwischen seine Profile in sozialen Netzwerken gelöscht und seine Telefonnummer ausgetauscht. Über diesen Schritt dürften bald auch andere Blizzard-Mitarbeiter nachdenken: Inzwischen existiert ein Blog, in dem ein anonymer Autor persönliche Informationen über weitere Angestellte veröffentlicht.

Update, 12. Juli 2010: Am Wochenende hat Blizzard auf die Kritik reagiert und den Klarnamenzwang zurückgenommen.