ARD und ZDF wollen im Internet ordentlich mitmischen - der Gebührenzahler soll dafür jedoch nicht zusätzlich zahlen. Aber wer dann?
Geld spielt immer eine Rolle, aber Ansichten ändern sich. ARD und ZDF sollen nach dem Willen der Politik künftig online vieles machen dürfen mit ihren Mediatheken und Textangeboten.
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Ganze 331,1 Millionen Euro gibt die ARD von 2005 bis 2012 für ihren Online-Auftritt aus. Beim ZDF belaufen sich die Kosten auf 86,1 Millionen. (© Foto: dpa)
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Die Öffentlich-Rechtlichen wollen mit dem neuen Rundfunkgesetz möglichst viel Vollmachten erhalten in der digitalen Welt. Wie das finanziert werden soll, ist prinzipiell auch klar: mit Gebührengeld. Doch es gibt auch Bedenken. Als kürzlich der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks über die Online-Zukunft beriet, merkte der Rundfunkratsvorsitzende Bernd Lenze sogar an, nicht alles, was man im Internet könnte, sei auch sinnvoll und überhaupt finanzierbar.
"Kostengrenze ist die Rundfunkgebühr"
Grenze sei stets, so warnte der Geschäftsführer der bayerischen Handwerkskammern, die öffentliche Akzeptanz der Rundfunkgebühr, falls die "durch teures Streaming auf 20 Euro hochgeht".
17,98 Euro kostet die Rundfunkgebühr vom kommenden Jahr an schon, und tatsächlich ist die Frage, wie viel Erfolg sich die öffentlich-rechtlichen Sender für ihre schönen neuen Mediatheken überhaupt leisten können. Ins Kontor schlagen die Kosten, die für den Datentransport zum Kunden an den Provider zu zahlen sind, das sogenannte Streaming.
Die Zahl der Abrufe wird steigen, denn ARD/ZDF bauen ihr Angebot erst auf. Der Gebührenkommission KEF zufolge gaben die Sender für Online-Verbreitungskosten (überwiegend Streaming) in der laufenden Gebührenperiode 2005 bis Ende 2008 45,4 (ARD) beziehungsweise 9,8 (ZDF) Millionen Euro aus. Für 2009 bis 2012 errechnet die unabhängige Gebührenkommission KEF für die ARD schon 81,3 Millionen Euro Online-Verbreitungskosten und für das ZDF 11,6 Millionen.
Zum Zeitpunkt der Bedarfsanmeldung war Senderverantwortlichen das teure Streaming schon aufgefallen. Mit dem Ausbau der Mediatheken von ARD und ZDF steigt nun die Zahl der datenintensiven Videoangebote. Nach dem vorliegenden Arbeitsentwurf zum neuen Rundfunkgesetz sollen die Anstalten außerdem bestimmte Beiträge längerfristig als Video on Demand im Internet anbieten dürfen, und zwar im Rahmen geprüfter Telemedien-Konzepte.
Anzahl der Klicks sagt nichts über Qualität
Beim ZDF will man all die vielen neuen Möglichkeiten trotzdem noch nicht mit unliebsamen Mehrkosten in Verbindung bringen. "Es gibt keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Quantität des Online-Angebots und den Abrufzahlen", sagt Sendersprecher Alexander Stock. Dass die Zugriffe auf Videoinhalte zunähmen, sei "der Effekt einer sich neu etablierenden Verbreitungsform".
Die größte Attraktivität für Abrufe aus der Mediathek besäßen aktuelle Programme, aber relevante ältere Beiträge sollen dem Publikum eben auch zugänglich bleiben, so Stock. Viktor von Oertzen, Verwaltungsdirektor des in der ARD für Online zuständigen Südwestrundfunks, sieht die Sache so: "Streamingkosten sind grundsätzlich erfolgsabhängig", sagt er. "Wer online erfolgreich ist, muss für die Verbreitung mehr zahlen."
Zum Preis des Erfolgs rechnet die Gebührenkommission KEF in ihrem jüngsten Bericht einiges vor. Die Gebührenhüter prüfen das Finanzgebaren der Anstalten auch auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit; sie kritisieren, dass die Anstalten wegen der Streamingkosten ihre Selbstbindung überzogen hätten.
Die Sender hatten sich bis Ende 2008 dazu verpflichtet, nicht mehr als 0,75 Prozent ihres Etats für Online auszugeben. ARD/ZDF erklären dagegen, die Verbreitungskosten seien nicht Bestandteil der Selbstverpflichtung gewesen.
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Dabei wäre es so leicht, die Kosten für diese Internetpräsenz auch da zu belassen , wo sie hingehört: Bei den GEZ-Zahlern. Jeder hat eine Mitgliedsnummer bei denen und damit kann man ihm dann auch den Zugang auf diese Seite gewähren.
Gleiches gilt natürlich auch für das Fernsehprogramm.
@ wetzer123: Das SZ-Abo zahlt aber nur, wer die SZ auch abonniert hat. Die GEZ-Gebühr hingegen ist eine Zwangsabgabe für alle. Selbst wenn ein Selbstständiger seinen PC nur für die Arbeit braucht, zahlt er diese Abgabe!
Das ist so, als müssten alle Besitzer eines Briefkastens automatisch die SZ-Abogebühr bezahlen!
Mich stört, daß in diesem Artikel geflissentlich übersehen wird, daß die Öffentlichrechtlichen in Verbindung mit ihrer Internetpräsenz (zu der sie von niemandem gerufen worden sind) indirekt und ganz klammheimlich bereits massiv in den Gebührentopf gegriffen haben. Es ist nämlich m. W. so, daß seit dem von allen (!) PCs, die internetfähig sind und nicht zu einem Privathaushalt gehören, in dem die GEZ schon kassiert, das heißt praktisch für alle gewerblich genutzten PCs Rundfunkgebühren verlangen dürfen. Dabei ist unerheblich, ob mit dem PC tatsächlich Sendungen empfangen werden oder ob es sich um einen Internetzugang handelt, der ganz anderen Zwecken dient. Ich empfinde dies als einen unerhörten Vorgang, weil man damit in Deutschland das weltweit frei und kostenlos zugängliche Medium Internet gebührenpflichtig macht, indem man Geld verlangt genau von denen, die mit der damit verbundenen Leistung in den wenigsten Fällen etwas am Hut haben. Dabei wäre es technisch durchaus möglich, den Zugang zu Rundfunk-und Fernsehsendungen im Internet nur denen freizuschalten, die dafür extra bezahlen. Vermutlich ist dies aber unerwünscht, weil dann offenkundig werden würde, wie gering das Interesse an dieser Leistung überhaupt ist.
Wenn man bedenkt, dass ein SZ Abo 38,4o pro Monat kostet ist dieses ganze öffentlich rechtliche Programm sehr preisgünstig, auch wenn es auf 20 steigen sollte. Überhaupt waren die Steigerungsraten bei der GEZ sehr viel niedriger als die des SZ Abos. Wenn man gute Qualität möchte, muss man auch hier bereit sein dafür etwas zu bezahlen.
Ansonsten finde ich es sehr gut, wenn ich die Beiträge, die ich mit GEZ schon bezahlt habe jederzeit noch mal wieder schauen kann.
Die Streamingkosten werden in Zukunft stark fallen. Das ist ein vorübergehendes Phänomen. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Öffentlichen Rundfunkanstalten dies mit Einsparungen aus "veralteter" Technik finanzieren sollten. Außerdem wäre zu überlegen, ob man die Rundfunkanstalten der ARD so weit wie möglich zusammenlegt (insbesondere Verwaltung) und nur die Redaktionen als Länderbüros autonom betreibt. Ich denke, es gibt massive Einsparpotentiale, aber leider keinen, der die Rundfunkanstalten unter Druck setzt. Das ist fatal. So werden die Kosten ganz einfach über die GEZ gedeckelt.