Apples neues iPhone-Betriebssystem iOS 7 Apple schmeißt das Leder weg

Der iPhone-Hersteller macht Schluss mit der Nostalgie der frühen Jahre der Smartphone-Gesellschaft und räumt das Betriebssystem iOS radikal auf. Nun passt das Design auf dem Bildschirm zum Design der Hülle - das soll den Verkauf fördern.

Von Bastian Brinkmann

Natürlich gab es wieder viel Applaus im Saal, als Apple-Chef Tim Cook und seine Manager neues Spielzeug vorstellten (hier der SZ.de-Liveblog zum Nachlesen). Doch das ist auch ein freundliches Publikum, das sich alle Karten für das Event innerhalb von 71 Sekunden gesichert hat. Dann waren sie ausverkauft.

An der Wall Street saß ebenfalls Publikum - und das hatte weniger gute Laune. Als Cook die Bühne betrat, begann der sowieso unter Druck stehende Aktienkurs von Apple zu fallen. Vielleicht sind Börsenhändler einfach sehr anspruchsvolle Menschen, die leicht zu enttäuschen sind. Vielleicht hat aber auch Apples Präsentation größtenteils nicht überzeugt. Zu kleinteilig, zu abseitig die Innovationen: Der neue High-End-Rechner Mac Pro etwa steckt jetzt in einer Hülle in Zylinderform.

Doch ein Punkt überzeugte sogar die Aktienhändler und ließ Apples Kurs zeitweilig steigen: Das neue Betriebssystem für iPhone und iPad - iOS 7 - ist ziemlich hübsch. Tim Cook sagte, im typischen, sich selbst feierndem Apple-Sprech: "iOS 7 ist die größte Veränderung von iOS seit der Vorstellung des ersten iPhones." Diesmal hat er sogar Recht.

Beispiel Kamera-App. Im alten Design eine detailgetreue Linse, mit Lichtreflexionen und Schatten. Hyperrealistisch. Das neue Design: ein schwarzes Piktogramm einer Analogkamera auf grauem Grund. Mehr nicht. Ähnlich der Kompass: früher ein feinmechanisches Bild im Steampunk-Stil, nun nur noch wenige Striche auf schwarzem Grund*.

Seit sechs Jahren gibt es nun das iPhone. Das neue Design sieht nun erstmals aus, als hätte es sich wirklich Apple ausgedacht. Einfacher, weniger verspielt, klarer. Das fordern Designer schon lange, und so gestaltet der Konzern schon lange seine Hardware: iPhones haben praktisch nur einen Knopf, die Laptops wenige Anschlüsse. Es wirkt ein bisschen, als hätte Apple seinen Kunden früher nicht zugetraut, auf das haptische Element beim iPhone zu verzichten, auf Icons, die an Leder, Papier und Mechanik erinnern. Jetzt ist Schluss mit der Nostalgie der frühen Jahre der Smartphone-Gesellschaft. Das Betriebssystem passt nun zur Hülle.

Am Ende soll das neue Design natürlich mehr iPhones verkaufen. Samsung setzt mittlerweile mehr Smartphones ab als Apple, schätzen Branchenanalysten. Die iPhones verkaufen sich offenbar bislang nicht wie geplant: Apple erwägt deswegen laut der Finanzagentur Bloomberg erstmals einen Rabatt anzubieten, wenn Kunden ihr altes Gerät im Tausch für ein neues abgeben. Vielleicht hat Tim Cook nun ein besseres Verkaufsargument präsentiert: Im Herbst soll iOS 7 verfügbar sein.

Craig Federighi präsentiert Apples neues iOS 7

(Foto: REUTERS)

*Anmerkung der Redaktion: Hier stand früher fälschlicherweise Blau statt Schwarz. Das neue Safari-Icon ist ebenfalls deutlich entschlackt und auf blauem Grund.