Apple Warum das FBI will, dass Apple sich selbst hackt

Entsperrung eines iPhones: Das FBI will eine Möglichkeit, mit der es den Passcode des Telefons wieder und wieder ausprobieren kann, ohne dass das Gerät selbst die auf ihm gespeicherten Daten löscht.

(Foto: dpa)

Apple wird verdonnert, spezielle Software zu schreiben, um das iPhone eines Terroristen zu entsperren. Die Chefs von Microsoft, Google und Whatsapp springen dem Konzern im Krypto-Krieg mit den Sicherheitsbehörden bei.

Analyse von Jannis Brühl

Als Syed Rizwan Farook mit seiner Frau 14 Menschen tötete, war er davon überzeugt, in einem Glaubenskrieg zu kämpfen. Wenige Wochen nach den Morden und nachdem Polizisten die beiden Dschihadisten in San Bernardino erschossen haben, spielt Farook posthum eine Schlüsselrolle in einer anderen, wesentlich profaneren Auseinandersetzung um verschlüsselte Daten, die amerikanische Sicherheitsbehörden mit IT-Unternehmen austragen - einem sogenannten Krypto-Krieg.

Mit der Entscheidung eines Gerichts am Dienstag, dass Apple ein spezielles Programm schreiben muss, um dem FBI den Zugriff auf Farooks verschlüsseltes iPhone zu ermöglichen, ist dieser Streit in eine neue Phase eingetreten. Das FBI will eine Möglichkeit, mit der es den Passcode des Telefons wieder und wieder ausprobieren kann, ohne dass das Gerät selbst die auf ihm gespeicherten Daten löscht oder die Sperre einschaltet, die Apple für den Fall mehrerer falscher Eingaben programmiert hat. Ein Unternehmen wird verpflichtet, sich selbst zu hacken.

Warum Apple und das FBI um das iPhone eines Terroristen streiten

Ein Richter zwingt Apple, die Sicherheitsfunktionen eines Smartphones für die Ermittler auszuschalten. Konzernchef Cook antwortet scharf. Denn es geht um viel mehr als ein einzelnes Telefon. Von Hakan Tanriverdi mehr ...

Auch wenn sich die Entscheidung auf einen Terroristen bezieht, bedeutet sie: Verschlüsselung soll kein Bürgerrecht sein. Die Krypto-Kriege toben um die Kommunikationssysteme, die wir alle in der Tasche tragen.

Es ist ein Hin und Her: Mit ihren Versuchen, standardmäßig sogenannte Hintertüren - also bewusst erzeugte Sicherheitslücken - in Smartphones einzubauen, sind US-Sicherheitspolitiker bisher gescheitert. Diese Hintertüren sind umstritten, weil sie Einfallstor nicht nur für Ermittler, sondern auch für Kriminelle sein können.

Hersteller behinderten sich selbst

Snowden zeigte, dass der Mangel an verpflichtenden Hintertüren der NSA egal war. Sie versuchte, auch auf verschlüsselte Handys zuzugreifen. Die Hersteller reagierten, indem sie sich absichtlich selbst behinderten, um dem Druck der Behörden zuvorzukommen. Sie bauten Verschlüsselungssysteme ein, die sie - nach eigenen Angaben - selbst nicht knacken können (in Googles Fall klappte das schlechter als im geschlossenen Apple-Kosmos, wegen der Vielzahl an Unternehmen, die Handys für das Android-Betriebssystem herstellen, und der schwachen Rechenleistung mancher dieser Handys ). Nur noch der Nutzer selbst soll den Schlüssel zu seinen Daten haben, für Apple und alle Schnüffler bleiben sie unlesbar.

Dieses Hindernis, sagt das Gericht nun, solle Apple doch bitteschön für das FBI umgehen und der Behörden Zugriff gewähren. Technisch wäre das wohl möglich.

Es geht um eine zentrale Frage der digitalen Gesellschaft, in der ein immer größerer Teil der immer weiter anwachsenden Kommunikation über private Konzerne läuft: Wer soll Zugang zu dem Datenhaufen haben, den wir jeden Tag produzieren? Nur die Unternehmen, auf deren Geräten und Netzen die Daten anfallen - was insbesondere in Deutschland vielen Menschen schon unheimlich genug ist? Oder soll es Ausnahmen für Regierungen geben, deren Begehrlichkeiten die Menge an Daten weckt? Aus Sicht der Bürger lautet die Frage: Privatsphäre oder - vermeintlich - größere Sicherheit gegen Verbrechen?

Der Streit zwischen Silicon Valley und Sicherheitsbehörden tobt an vielen Orten: Bald wird ein Gericht in New York entscheiden, ob Microsoft US-Ermittlern E-Mails eines Verdächtigen übergeben muss, die auf Servern des Unternehmens in Irland liegen (dabei geht es nicht um Verschlüsselung, sondern um Zugriffsrechte außerhalb der USA). In einem weiteren Verfahren muss ein Gericht entscheiden, ob Apple das iPhone eines Methamphetamin-Dealers mit älterer, leichter zu knackender Verschlüsselung entsperren muss.