Apple vs. Samsung Am Rande der Verzweiflung

Einige streng gehütete Geheimnisse sind schon gelüftet, doch Apple und Samsung zeigen sich in ihrem Patentstreit unversöhnlich. Nach den Schlussplädoyers müssen sich nun neun Geschworene auf ein Urteil einigen. Dabei geht es nicht nur um Milliarden.

Von Varinia Bernau

Nun ist es an den neun Geschworenen. Sie müssen sich durch 20 Seiten wühlen, die einem Prüfungsbogen gleichen. Sie müssen 28 verschiedene Smartphones und Tablets durch ihre Hände gleiten lassen - und per Kreuzchen im vorgedruckten Kästchen entscheiden, welches Gerät in welchem Punkt gegen welches Patent verstößt. Und schließlich wird sich die Gruppe, zu der unter anderem ein Sozialarbeiter, ein Elektroingenieur und ein arbeitsloser Videospielefreak gehören, auf ein Votum einigen müssen. Wer hat da von wem abgekupfert?

Die Antwort der Geschworenen - zwei Frauen und sieben Männer - wird mit großer Spannung erwartet. Denn der Gerichtsprozess, in dem die Anwälte der Technologieunternehmen Apple und Samsung am Dienstag ihre Schlussplädoyers gehalten haben, gilt als richtungsweisend für zahlreiche Streitigkeiten, die verschiedene High-tech-Konzerne derzeit quer über den Globus austragen.

Schließlich geht es in dem schmucklosen Gerichtsgebäude im kalifornischen San José um alles: Um Fragen des Designs, um die Entwicklung verschiedener technischer Funktionen, um Patente im Mobilfunk - und um enorme Summen. 2,5 Milliarden Dollar Schadenersatz verlangt Apple dafür, dass der südkoreanische Rivale sein iPhone und iPad kopiert habe. Immerhin noch 400 Millionen Dollar veranschlagt Samsung dafür, dass der amerikanische Konkurrent gegen Patente verstoßen habe.

In den vergangenen drei Wochen haben die Konzerne auch Einblick in sonst wohl gehütete Geheimnisse gegeben: So weiß die Welt jetzt, dass Apple insgesamt 647 Millionen Dollar in die Werbung für das iPhone gesteckt hat, seit es das Ding vor fünf Jahren in die Läden brachte; um das zwei Jahre alte iPad anzupreisen, hat der Konzern mehr als 457 Millionen Dollar ausgegeben.

Richterin fragt Anwalt, ob er Crack geraucht habe

Man weiß nun ebenfalls, dass nicht nur Apple, sondern auch Samsung ordentlich an den iPhones verdient: Denn in den Telefonen mit dem angebissenen Apfel stecken Komponenten der Südkoreaner. Mehr als ein Viertel dessen, was Apple für die Bauteile eines iPhones ausgibt, geht an Samsung. Und zusätzlich verlangen die Südkoreaner für jedes iPhone noch einmal 2,4 Prozent des Verkaufpreises an Lizenzgebühren für patentierte Mobilfunkstandards.

Die Unternehmen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Mehrfach appellierte Richterin Lucy Koh an beide Parteien, den Streit nicht von den Geschworenen entscheiden zu lassen. Und mehrfach verlor sie die Geduld: Einen Apple-Anwalt fragte sie, ob er Crack geraucht habe, weil er kurz vor Schluss noch eine lange Zeugenliste vorlegte. Ein anderes Mal stieß sie einen Seufzer aus: Sie glaube inzwischen nichts mehr von dem, was ein Anwalt in ihrem Gerichtssaal sage.

Berufungsverfahren wahrscheinlich

Kurz vor den Schlussplädoyers hatte die Richterin den Apple-Chef Tim Cook und seinen Kollegen Kwon Oh Hyun zu einer weiteren Gesprächsrunde in letzter Minute gedrängt. Doch auch dieses Gespräch blieb ohne Erfolg - wie viele ähnliche Unterhaltungen, die vorangegangen waren.

Nun ist es an den Geschworenen. Und ganz gleich, zu welchem Urteil sie gelangen: Es gilt als nahezu sicher, dass mindestens eine der beiden Seiten dagegen Berufung einlegen wird.

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