Neues iPad Unbedingt berühren

Das dritte iPad von Apple ist schneller und vor allem schärfer, aber die große Sensation ist es nicht. Trotzdem zweifelt niemand am Erfolg des neuen Tablets - denn auch wenn die Experten schon häufiger maulten, hat das die Kunden bislang nicht vom Kauf abgehalten.

Von Helmut Martin-Jung, London

Das Charismatische, ja Messianische seines Vorgängers Steve Jobs ist ihm fremd. Wenn Apple-Chef Tim Cook in seiner bedächtigen Sprechweise das Zeitalter des PCs für beendet erklärt, hat das aber kaum weniger Überzeugungskraft. Das Gerät, mit dem die Revolution gelingen soll, lässt er dann aber von Marketingchef Phil Schiller vorstellen.

Das neue, dritte iPad glänzt durch ein besseres Display, einen schnelleren Prozessor, die Ausstattung mit der schnellen Funktechnik LTE und andere Extras. Der Bildschirm zeigt nun 2048 mal 1536 Punkte an - mehr als ein hochauflösender Fernseher und mehr als vergleichbare Geräte. Dazu überarbeitete Apple auch seine kleine TV-Box. Diese zeigt nun Videos in hoher Auflösung an. Eine Spracherkennung im iPad nimmt Diktate entgegen, eine so tiefe Integration der Spracherkennung wie beim iPhone scheint aber nicht vorgesehen zu sein.

Eine echte Sensation ist damit zwar ausgeblieben. Doch dem Konzern ist es in den vergangenen Jahren immer gelungen, die Kunden zu begeistern. So hatten die Experten beispielsweise das zweite iPad und das iPhone 4S als Enttäuschung bezeichnet - den Kunden war das egal. Das iPhone 4S wurde zum erfolgreichsten Apple-Produkt überhaupt.

Auch diesmal hatte Apple die Neugier im Vorfeld geschürt: "Wir haben etwas, das sie unbedingt sehen müssen. Und berühren", hieß es auf der Einladung für den 7. März. Dass Apple beim neuen iPad auf einen besseren Bildschirm setzt, war erwartet worden. Andere Hersteller bieten bereits Tablets, deren Bildschirme eine höhere Auflösung haben als die bisherigen iPads.

Ab dem 16. März - zum gleichen Preis

Zugleich scheint Apple neue Märkte erschließen zu wollen, bei Schulbüchern und digitalen Prospekten. So wurde im Online-Ladengeschäft des Konzerns bereits eine neue Kategorie für Kataloge eingerichtet. Trotz der höheren Leistungsfähigkeit hält das neue iPad bis zu zehn Stunden mit einer Batterieladung durch, und auch die Preise bleiben gleich. In Deutschland soll es am 16. März auf den Markt kommen.

Erst ein Jahr ist es her, dass der todkranke Steve Jobs die zweite iPad-Version vorstellte. Zwar war es in Design und Technologie der Konkurrenz voraus, doch manche Beobachter meinten, damit sei der Höhepunkt von Apples Vormachtstellung erreicht, die Konkurrenz werde rasch aufholen. Doch es sieht nicht danach aus. Die Wettbewerber sind zwar näher an Apple herangerückt, drei von vier verkauften Tablets Geräten sind aber weiterhin iPads. Gegen Samsung, das einzige Unternehmen, das ähnlich dünne und leistungsfähige Tablets baut, ging Apple mit Patentrechtsklagen vor.

"Apples Momentum ist unglaublich stark", sagte Apple-Chef Tim Cook jetzt bei der Vorstellung des neuen iPads - und übertrieb damit nicht.

Apple hat bisher etwa 55 Millionen Geräte verkauft, gut 15 Millionen davon im vergangenen Quartal. Zum Vergleich: 2011 wurden weltweit 352 Millionen Computer (inklusive Laptops) verkauft, in diesem Jahr sollen es einer Schätzung des Beratungsunternehmens Gartner zufolge 404 Millionen werden.

25 Milliarden verkaufte Apps

Im Gegensatz zu den anderen Herstellern, die meist auf das von Google entwickelte Betriebssystem Android setzen, profitiert Apples iPad davon, dass die Firma Hardware und Software kontrolliert. Bei Animationen auf dem Bildschirm ist Apple der Anbieter, an dem die anderen sich messen müssen. Nach dem Erfolg der Apps auf dem iPhone, brachte Apple die Miniprogramme zum Herunterladen auch auf sein Tablet.

Inzwischen gibt es mehr als 200.000 iPad Apps, die speziell dafür geschrieben wurden, für Android-Geräte dagegen nur einen Bruchteil. Insgesamt verkaufte Apple für all seine Geräte, die mit dem mobilen Betriebssystem iOS laufen, 25 Milliarden Apps. Die Programme sind deshalb so beliebt, weil sie zwar meist nur einen Zweck erfüllen, beispielsweise den Weg weisen; das aber tun sie zuverlässig und ohne, dass Nutzer sich einarbeiten müssten.

Der Markt ist mittlerweile so attraktiv, dass ein Konzern wie Microsoft es riskiert, die neue Oberfläche seines Erfolgssystems Windows in einer Version zu präsentieren, die für die Nutzung auf Tablets gedacht ist. Wer es gewohnt ist, mit Maus und Tastatur einen PC zu bedienen, wird sich umstellen müssen.

Für die Nutzer von Tablets und internetfähigen Handys mit Berührungsbildschirm, den Smartphones, erschließt sich die Software dagegen intuitiv - viele Nutzer empfinden das als Alternative zu den mittlerweile statisch wirkenden Programm-Symbolen Apples. Zudem sind die Kacheln stets aktualisiert. Microsoft wird sein System, das erstmals auch auf Systemen mit besonderen Mobilprozessoren laufen soll, aber wohl erst im Herbst auf den Markt bringen.

"Sehvolutionär"

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