Apple-Neuheiten Lieber gut geklaut als schlecht kopiert

Schon schön, aber nicht revolutionär: Das neue Betriebssystem für iPhones bekommt von Nutzern, Bloggern und Journalisten viel Lob - doch die Ähnlichkeiten zur Konkurrenz sind nicht zu übersehen.

Von Mirjam Hauck

Das Moscone Center in San Francisco, rund 6000 Entwickler im Publikum, auf der Bühne Apple-Chef Tim Cook und seine Manager (hier die Präsentation im Liveblog zum Nachlesen). Sie zeigten eine stark veränderte Variante des mobilen Betriebssystems namens iOS 7 für das iPhone - doch wie neu sind die Neuerungen wirklich?

Designchef Jony Ive konnte nun seine Vorstellungen nach dem Rauswurf des zuvor dafür zuständigen Managers Scott Forstall ohne internen Widerstand durchziehen. Statt gezeichneter Holzregale und virtueller Ledereinbände bekommt der User nun eine minimalistische Optik zu sehen (hier Bilder von der neuen Gestaltung).

Über den neuen Look und die neuen Funktionen in iOS 7 diskutieren nun User, Blogger, Journalisten, Analysten - und Politiker. So freut sich der frühere republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain über die neue automatische Update-Funktion.

Während McCain Apple lobt, fragen sich viele, ob das alles wirklich neu sei - oder sich Apple nur clever von anderen Unternehmen habe inspirieren lassen. So sagt Jan Dawson, Analyst des Marktforschungsunternehmens Ovum, viele der Neuerungen in iOS 7 seien eher dazu gedacht, Probleme zu beseitigen, anstatt neue oder besonders clevere Funktionen hinzuzufügen.

Tatsächlich gibt es einige der neuen iOS7-Funktionen schon bei anderen Smartphone-Systemen wie Android oder Windows Phone. Dazu gehört etwa das Control Center, mit dem man einen direkten Zugriff auf Funktionen wie den Flugmodus, Wlan-Einstellungen oder die Bildschirmhelligkeit bekommt.

Aber nicht nur die Funktionen, auch die Optik wird kontrovers diskutiert. Sie gefällt nicht allen Usern.

Das Gestaltungsbüro Information Architects bemängelt, dass die neue Schriftart zu schlecht lesbar sei.

Wie sehr sich Apple bei Design von anderen inspirieren ließ, beschreibt Kevin C. Teufel vom US-Techblog GigaOm. Elemente des neuen flachen Designs habe er schon bei Microsofts Windows Phone, bei Android und sogar bei Palms WebOS gesehen. Auch die vielen "Ahhs und "Ohhs", die es bei der neuen Wetter-App von den Entwicklern gab, könne er nicht ganz nachvollziehen. HTC habe die nun für Apple-User neuen, bewegten Wetterbilder schon seit 2009 im Programm.

Picasso wusste, wie es geht

Auch wenn sich Apple wohl nun am berühmten Pablo-Picasso-Zitat "gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen" orientiert habe, sei niemand so gut wie Apple darin, alles zu einem schönen und funktionalen Ganzen zusammenzufügen.

Cliff Kuang vom US-Magazin Wired schreibt dem flachen und minimalistischen Apple-Screendesign mehr als nur eine schöne und funktionale Ebene zu. Da User immer mehr und immer komplexere Aufgaben an ihren immer größer werdenden Smartphones zu erfüllen haben, müsse nun das Design möglichst einfach sein. Das sei Apple gelungen. Geradezu in Bauhaus-Manier orientiere das Unternehmen sich nun an "Form folgt Funktion".

So sehen die neuen Logos aus

(Foto: dpa)