Apple nach dem Jobs-Rückzug Ein Geschäftsmodell, das schwer zu knacken ist

Unter dem Erfolg von Apple und dem scheidenden Steve Jobs leiden sowohl Hardware- als auch Softwarehersteller: Einzig Google scheint fest entschlossen, dem Konzern Paroli zu bieten. Doch der hat ein Geschäftsmodell, das nicht so einfach zu kopieren ist.

Von Johannes Kuhn

Der Weg zurück zur Spitze begann mit einer Demütigung: Im August 1997 rettete ausgerechnet der langjährige Rivale Microsoft Apple mit einer Investition von 150 Millionen Dollar vor der Pleite. Per Videoschaltung verkündete der damalige Microsoft-Chef Bill Gates auf einer Apple-Entwicklerkonferenz das Geschäft, während im Saal der frisch zurückgekehrte Apple-Lenker Steve Jobs das wütende Publikum beruhigen musste. "Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Apple nur gewinnen kann, wenn Microsoft verliert", sagte Jobs damals.

Fast genau 14 Jahre später ist klar: Wenn Apple weiter gewinnt, gehört Microsoft zu den großen Verlierern. Apples iPhone machte 2007 internetfähige Handys massentauglich, Microsoft hingegen versucht seitdem vergeblich, mit dem Windows-Betriebssystem im Handy-Markt Fuß zu fassen.

Obwohl der Konzern aus Redmond im US-Bundesstaat Washington geschätzte eine Milliarde Dollar in die Entwicklung des Mobil-Betriebssystems Windows Phone 7 gesteckt hat, sank der Anteil der Windows-Telefone an den Gesamtverkäufen im zweiten Quartal weltweit auf 1,6 Prozent.

Im Kampf gegen den kalifornischen Rivalen hat Microsoft mit Nokia einen Verbündeten gefunden, der ebenfalls die von Apple ausgelöste Smartphone-Revolution verpasst hat. Ende 2011 wird der finnische Konzern die ersten Alleskönnerhandys mit Microsoft-Software Vorstellen. In den vergangenen 24 Monaten ist der Nokia-Aktienkurs um mehr als die Hälfte gefallen. Dabei dominierte Nokia den Handy-Markt lange Zeit. Dann kam Apple.

Apps als Erfolgsfaktor

Ein Erfolgsfaktor von Apple sind die vielen Mini-Programme, sogenannte Apps, die es fürs iPhone gibt. Mit der Idee, über den eigenen Onlineladen iTunes auch Handy-Software zu verkaufen, brachte das Unternehmen aus Cupertino die besten Entwickler dazu, fürs iPhone Anwendungen zu entwerfen.

Noch mehr als den Smartphone-Markt dominieren die Apple-Geräte mit ihrem Betriebssystem iOS den Tablet-Bereich: Prognosen des Analysehauses IHS zufolge werden im Jahr 2011 etwa 60 Millionen dieser Flachcomputer verkauft, die ohne Tastatur auskommen und per Fingerstreich auf dem Bildschirm gesteuert werden. 74 Prozent davon sind iPads von Apple.

Der Markt für diese Geräte existiert erst seit 2010, doch es ist bereits heute schwierig, Apple einzuholen: Auf ein attraktives Tablet mit Windows-Betriebssystem warten die Kunden bislang vergeblich, der PC-Hersteller Hewlett- Packard kündigte vergangene Woche frustriert an, gar keine Tablets und Smartphones mehr herstellen zu wollen.

Google hingegen scheint finster entschlossen zu sein, den Kampf mit Apple aufzunehmen: Im zweiten Quartal 2011 gingen weltweit fast 47 Millionen Smartphones mit dem Android-Betriebssystem, das der Internetkonzern anbietet, über den Ladentisch, ein Marktanteil von 43 Prozent. Auch der Marktanteil von Android-Tablets wächst.

Software und Hardware aus einer Hand

Allerdings verdient Google an der Hardware kein Geld; das kassieren die Hersteller wie HTC oder Samsung, die das System kostenlos für ihre Smartphones und Flachcomputer nutzen. Zudem fehlt dem Android-System trotz des Markets noch ein funktionierendes Äquivalent zum Onlineladen iTunes, über den Apple allein im vorigen Quartal 1,4 Milliarden Dollar an Provisionen verdiente, wenn Kunden etwa Musik oder Software kauften und auf ihre Geräte herunterluden.

Mit hohen Gewinnmargen verkaufte Hardware wird also direkt an eine digitale Verkaufs-Plattform mit Provisionseinnahmen angegliedert - auf diesem Geschäftsmodell beruht Apples Erfolg. Davon kann die Konkurrenz bisher nur träumen.