Die Software berechnet bei Eingabe eines Rechnungsbetrages das Trinkgeld und kostet 1,59 Euro. Apple bewarb Tipulator in den USA und Großbritannien sogar in einem Fernsehspot. "Obwohl die Applikation nur etwa zehn Sekunden gezeigt und namentlich gar nicht genannt wurde, waren die Auswirkungen auf die Verkaufszahlen enorm", sagt Teutschler. Ihre Einnahmen über den App-Store schnellten auf 3000 Euro hoch - täglich.
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Der Abschied aus dem Angestelltendasein oder das schnelle Geld in kurzer Zeit: Es sind solche Geschichten, die den Mythos vom iPhone-Goldrausch nähren. Wie bei der Nuggetjagd am Klondike im 19. Jahrhundert kann auch heute jeder mitmachen - obschon Apple sich gut entlohnen lässt. Die Software, um Programme für den App-Store zu erstellen, lässt sich zunächst gratis aus dem Netz laden. "Installieren und loslegen - es ist wirklich so einfach", sagt Frank. Wer seine Ideen verkaufen will, zahlt jährlich 70 Euro an Apple. Dazu kommen noch ein iPhone oder iPod Touch zum Testen und ein Apple-Computer, denn nur auf ihm läuft die Entwicklungssoftware. Alles in allem eine Investition von günstigenfalls 1000 Euro.
Dem Erfolg tut das keinen Abbruch: Seit dem Start des App-Stores im vergangenen Juli sind fast 50.000 Anwendungen entwickelt worden. Die iPhone- und iPod-Besitzer laden im Schnitt 60 Programme pro Sekunde auf ihre Geräte, insgesamt mehr als eine Milliarde. Und an jeder gekauften App verdient Apple mit. Einzeln weist der Konzern die Erlöse nicht aus, aber in dem Bereich, in dem Verkäufe von Musik, iPod-Zubehör und App-Store-Software verbucht sind, stieg der Umsatz um 19 Prozent auf eine Milliarde Dollar, seit es den Marktplatz gibt.
Das lockt Nachahmer an: So ist gerade der Ovi-Store von Nokia gestartet. Besitzer von Google-Handys können ebenso über einen Marktplatz Software kaufen wie Blackberry-Nutzer. Microsoft, Vodafone, Palm, Samsung und Sony-Ericsson arbeiten an Eigenem. Die Konzepte gleichen dem von Apple, bis auf eines: Die Rivalen sind bisher erfolglos. Apple weidet sich daran. Auf der Entwicklerkonferenz werden Plakate hängen mit dem Motto: "Ein Jahr später. Lichtjahre voraus."
Apple schweigt, was in San Francisco genau passiert. Aber aller Voraussicht nach wird das neue Betriebssystem iPhone 3.0 in der finalen Version gezeigt. Teutschler will vor Ort sein. "Die neue Software reduziert die Entwicklungszeit und ermöglicht neue Anwendungen", sagt die Entwicklerin. Für sie und Frank wird es künftig trotzdem schwerer: Während anfangs vor allem Privatpersonen vom Goldrausch profitierten, steigen nun große Softwarehäuser ein.
Von Electronic Arts etwa, weltweit die Nummer zwei in der Computerspielebranche, kommen gerade sechs der 50 meistverkauften Programme im App-Store. "Es wird ruppiger", so Frank. Den Ausstieg aus dem Job bereut er trotzdem nicht. Als Selbständiger habe er nun mehr Zeit für seine kleine Tochter. Und ein Ende der glänzenden Verdienstchancen sei noch nicht abzusehen. "In Nischen gibt es immer noch die Goldgräberstimmung."
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(SZ vom 08.06.2009)
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