Steve Jobs baut das Unternehmen für das digitale Zeitalter um.
Steve Jobs hat das Gedächtnis eines Elefanten. Neun Jahre wartete der Chef des IT-Unternehmens Apple, bis er sich für eine Beleidigung von Michael Dell, den Gründer des gleichnamigen PC-Herstellers, rächte. Dieser Tage war es so weit: "Nach dem heutigen Börsenschlusskurs ist Apple mehr wert als Dell. Die Kurse gehen rauf und runter, doch ich dachte, diesen Moment der Reflektion sollten wir uns heute gönnen", freute sich Jobs in einer Mail an seine Mitarbeiter. Grund für die Retourkutsche: 1997 hatte Dell auf die Frage, wie es mit der krisengeschüttelten Apple Computer weitergehen könnte, geätzt: "Ich würde den Laden schließen und den Aktionären das Geld zurückgeben."
Was für ein Chef: Steve Jobs applaudiert seinen Angestellten (© Foto: dpa)
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Auch wenn die Apple-Aktie wegen des verhaltenen Ausblicks von Jobs auf das laufende Quartal am Donnerstag einen Dämpfer bekommen hat: Apple steht derzeit besser da als je. Die Abspielgeräte für digitale Musik namens iPod gehören zu den Verkaufsschlagern der Unterhaltungselektronik - lässig um den Hals getragen, sind sie modisches Statussymbol. Die Computer der US-Firma gelten als simpel zu bedienen und chic, wenn auch teuer. Jugendliche kleben sich zum Beweis ihres Zeitgeistes das Firmenlogo - einen angebissenen Apfel - auf ihre Schulmappen. Kurz: Apple ist in. Davon profitiert auch die Bilanz. Jobs kann der Finanzgemeinde ein Rekordergebnis nach dem nächsten berichten. Die Aktie notiert nahe ihrem Allzeithoch.
Der aktuelle Erfolg des US-Unternehmens lässt sich auf zwei Worte reduzieren: Steve Jobs. Mit 21 Jahren gründete er 1976 das Unternehmen zusammen mit einem Ingenieur von Hewlett-Packard, Steve Wozniak. Der charismatische Jobs galt schon damals weniger als technischer Tüftler, vielmehr trieb er die Truppe an und gab die Vision vor: ein einfach zu bedienender Computer, den sich jeder leisten kann. Und dies zu einer Zeit, als sich in erster Linie Firmen teure Rechner zulegten. Ein handelsüblicher Computer füllte damals noch problemlos das Wohnzimmer in einem Einfamilienhaus.
Die Faszination für leicht zu bedienende Computer bewegt den inzwischen 50-Jährigen noch immer. Januar 2006, Moscone Center, San Francisco. Auf der Bühne der weltgrößten Apple-Messe sitzt der Meister persönlich am Rechner und freut sich über jedes Problem, das gelöst ist. "Boom", simuliert er dann lautmalerisch eine Explosion. Traditionell demonstriert Jobs hier die neuen Produkte aus seinem Haus, mit der Begeisterung eines Computer-Narren: Das automatische Senden von Fotos über das Internet an Familienmitglieder. "Boom", es funktioniert. Das Erstellen einer eigenen Radiosendung am Computer, das anschließende Abspielen auf einem iPod. "Boom", es funktioniert. Keine Probleme, keine Abstürze, wie es Bill Gates vom Apple-Erzrivalen Microsoft hin und wieder erlebt. Jobs liebt die perfekte Show vor seiner Fan-Gemeinde, alljährlich bei der "Macworld" versammelt.
Vorreiter für das Digitalistan im Privat-Heim
Dabei mussten die Apple-Anhänger eine ganze Weile auf "His Steveness" verzichten, wie sie den Firmengründer abgöttisch nennen. Mitte der achtziger Jahre verließ Jobs das Unternehmen. Er hatte sich mit John Scully überworfen, der die kaufmännischen Geschicke von Apple leitete. Eine Machtprobe entschied der Apple-Vorstand gegen den Gründer. Jobs machte sich daraufhin selbständig mit einer Firma namens Next und der Idee, eine neue Generation von einfachen Computern zu entwickeln.
Ferner beteiligte er sich als Geldgeber an der Animationsfirma Pixar, deren Chef er wurde. Next blieb jedoch erfolglos, Apple verlor sich in der Bedeutungslosigkeit - bis er wieder gebraucht wurde: Als letzte Rettung holte sich Apple seinen Firmengründer 1997 wieder an Bord, durch Übernahme der Firma Next. Jobs fungierte zunächst als "iCEO", wie er sich selbst nannte - als Interims-Chef. In dieser Funktion krempelte er das Unternehmen um: Er straffte Vertrieb und Fertigung und legte so früh den Grundstein für den Verkauf der Macintosh-Computer über das Internet.
Zudem bewies er Mut für neues Design und stellte bunte Macintosh-Computer vor. In den Zeiten der grauen Einheits-PCs war das eine kleine Revolution. Vor sechs Jahren strich Jobs das "i" aus seiner Funktion und kehrte als dauerhafter Lenker zu dem Computer-Bauer zurück. Dort rief er umgehend - und vor den anderen Kollegen der Branche - den digitalen Lebensstil aus, die Invasion der bislang für das Büro entworfenen Computer in das Wohnzimmer. Zur Überraschung aller präsentierte er im Jahr 2001 für dieses Ziel aber keinen Rechner, sondern den ersten iPod.
Mit diesen kleinen, im typischen Apple-Stil einfach zu bedienenden Geräten hat sich das Unternehmen zum Vorreiter für das Digitalistan im Privat-Heim entwickelt. Sollte der Apple-Chef durch einen Pixar-Kauf von Walt Disney sogar in das Verwaltungsgremium des Unterhaltungskonzerns aufsteigen, wäre das die vorläufige Krönung seiner Karriere: Jobs würde vom Computer-Narren zum Medienzar aufsteigen.
(SZ vom 20.1.2006)