App-Plattform für Android Experten warnen vor Googles Webkaufhaus

Der IT-Sicherheitsfirma Sophos warnt davor, dass der App-Markt für Googles Android zur Schadsoftware-Schleuder werden könnte. Doch hinter der Kritik stecken auch kommerzielle Interessen.

Als Google in der vergangenen Woche seine Android-Version 3.0 (Honeycomb) vorstellte, ging dabei eine andere Neuerung fast unter: Ihre Apps können Nutzer des mobile Handy- und Tablet-Betriebssystems künftig auch über eine Webseite herunterladen.

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Mit dem Schritt versucht Google das Problem zu lösen, dass die bisher erschienenen Tablets mit dem Betriebssystem häufig keinen Zugang zum Android Market enthalten, der Google-Downloadplattform für Apps.

Was dem Nutzer das Leben erleichtern soll, birgt nach Ansicht der IT-Sicherheitsfirma Sophos Gefahren: Anders als im Android Market lädt der Webstore das Programm sofort herunter und fragt den Nutzer dabei nicht nach Zugriffsberechtigungen. Wird nun das Google-Passwort eines Android-Users gehackt, können Programme ohne dessen Wissen auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden.

Wie realistisch ein solches Szenario ist, bleibt allerdings umstritten: Immerhin müsste die Schad-App ihren Weg vorher in Googles Online-Kaufhaus finden. Zwar kontrolliert Google den Market nicht so streng wie Apple bei iTunes, allerdings hat das Unternehmen die Möglichkeit, bösartige Anwendungen nach deren Entdeckung auf allen Handys abzuschalten.

Auf der anderen Seite gehört das Passwort eines Google-Kontos zu den sensibelsten Daten eines Android-Nutzers. Wer es knackt, kann über die Lücke theoretisch nicht nur Programme auf dem Android-Handy installieren, sondern hat auch Zugriff auf Mails oder die Dokumente bei Google Docs.

Lukrative Geschäfte winken

Android könnte als offenes System mit rapide wachsendem Marktanteil ein ideales Ziel für Angriffe mit Schadsoftware bieten, zumal im Handy-Adressbuch weitere sensible Daten schlummern, die Eindringlinge auswerten könnten. Ob dem System ein ähnliches Virenproblem wie Microsofts Windows droht, dürfte sich schon bald zeigen: Die hohen Wachstumsraten machen Android attraktiv für Programmierer fieser Programme.

Bislang plagten Android allerdings kaum Sicherheitsprobleme. Zudem stecken hinter den Warnungen bekannter IT-Sicherheitsfirmen vor einer möglichen Anfälligkeit des Systems auch handfeste kommerzielle Interessen: Sophos, Kaspersky und Co könnten mit Antivirensoftware für Android einen neuen lukrativen Geschäftszweig aufbauen.

Das Google-System ist jüngsten Berechnungen zufolge derzeit mit 33,3 Prozent Marktanteil das am weitesten verbreitete Smartphone-OS der Welt.