Anonyme Nachrichten App Whisper sammelt heimlich Nutzerdaten

  • Die mit Anonymität werbende App "Whisper" sammelt die Standorte ihrer Nutzer, auch wenn diese das nicht wollen. Nutzerdaten werden auf unbestimmte Zeit in einer Datenbank gespeichert.
  • Populär ist der Dienst vor allem bei Mitgliedern der US-Militärs, die nicht auf Facebook und Twitter kommunizieren
  • Die App kooperiert mit dem US-Verteidigungsministerium

Whisper ist nicht so anonym, wie es vorgibt

Wenn der Chef der Firma Whisper sich mit Journalisten trifft, sagt er gerne, dass seine App eine Whistleblower-Plattform sei. Die Firma beschreibt ihr Produkt als "sicherster Ort im Netz", doch wie Recherchen des Guardian nun zeigen, dürfte beides wohl nicht stimmen. Denn der Dienst sammelt massenhaft Daten, darunter die Zeit, den ungefähren Ort und den dazugehörigen Beitrag, den ein Nutzer geteilt hat. Den Ort zu erfassen, kann einen digitalen Fußabdruck zur Folge haben. Wenn eine Person erst von seinem Büro aus Nachrichten verschickt und anschließend von zu Hause aus, wäre das eine mögliche Enttarnung. Der Ort wird laut Guardian auch dann erfasst, wenn Nutzer die Funktion ausgeschaltet haben. Allerdings sei das eine Entscheidung von Fall zu Fall.

So funktioniert der Dienst

Wer mitmacht, muss nichts hinterlassen: Keine E-Mail-Adresse, keine Telefonnummer. Es gibt weder Nutzerprofile noch Freundschaftslisten. (Mehr dazu hier) Dadurch entsteht ein Eindruck von Anonymität. Die Beiträge werden mit passenden Bildern unterlegt. Tippt ein Nutzer zum Beispiel das Wort "Liebe" ein, wird das Bild im Hintergrund kitschig sein. Es gibt mehrere Kategorien, zum Beispiel Nähe und Popularität. Bilder können mit einem Herz versehen werden, es ist auch möglich, sie zu kommentieren. Pro Tag teilen Nutzer 2,6 Millionen Nachrichten.

Beliebt bei Angehörigen des Militärs

Whisper soll vor allem bei Angehörigen des Militärs beliebt sein; da diese in aller Regel nicht in sozialen Netzwerken über ihren Job schreiben, nutzen sie anonyme Dienste. Der Guardian hat ein Bild des NSA-Geländes in Fort Meade veröffentlicht und verzeichnet, wie viele Whisper-Nachrichten von dort versendet wurden: die Gegend quillt regelrecht über vor Einträgen. An diesen Nachrichten soll auch das Verteidigungsministerium interessiert sein.

Auf einer Nachricht, die anscheinend vom Pentagon aus gesendet wurde, war das Bild einer Peitsche im Hintergrund zu sehen. Der dazugehörige Text: "Ich liebe es, ein Sadist zu sein und Frauen zu brechen". In einigen Fällen solle der Dienst Informationen an das FBI und den britischen Geheimdienst MI5 weitergegeben haben. Es sei um lebensbedrohliche Fälle gegangen.

Mitarbeiter durchforsten die Nutzer-Nachrichten

Whisper stellte vor ein paar Monaten den Journalisten Neetzan Zimmerman ein. Er gilt als Talent, Geschichten zu finden, die viral gehen, also von Lesen sehr oft geteilt werden. Vor diesem Hintergrund ist die Nachricht zu verstehen, dass Mitarbeiter von Zimmerman aktiv durch Nutzerbeiträge forsten, um interessante Beiträge zu finden. Denn die App soll für Schlagzeilen sorgen. Das geht am besten über gute Geschichten - die im Idealfall auch noch wahr sind. Bei anonymen Absendern ist der Wahrheitsgehalt einer Aussage nur schwer zu überprüfen. "Whisper hat herausgefunden, dass der genaue Ort, an dem man ist, ein großer Hinweis darauf sein kann, wer ein Nutzer wirklich ist." Ein Student sollte auch an der Uni sein.

Die Nutzungsbedingungen wurden umgeschrieben

In einem Statement gegenüber dem Guardian hieß es, das Unternehmen sei sich keiner Schuld bewusst. Die Unterstellungen seien falsch, die Privatsphäre der Nutzer werde nicht missachtet. Einige Tage später wurden die Nutzungsbedingungen geändert. Nun steht darin, dass die Identität der Nutzer enttarnt werden könnte.