Angry-Birds-Entwickler Rovio Gerupfte Vögel

Games-Erfolg "Angry Birds". Mehr als zwei Milliarden Mal wurde das Spiel bis heute heruntergeladen.

(Foto: Screenshot Google Play)
  • Mehr als zwei Milliarden Mal wurde das Spiel Angry Birds seit seiner Entstehung vor fünf Jahren heruntergeladen.
  • Mittlerweile wächst der erfolgsverwöhnte finnische Games-Entwickler Rovio aber nicht mehr.
  • Die Firma muss nun 110 ihrer 800 Arbeitsplätze abbauen und seinen zweiten Standort in Tampere schließen.
Von Silke Bigalke, Stockholm

Fünf Jahre alt sind diese schrägen Vögel gerade geworden, die Angry Birds. Ihr Erfinder Rovio hat zur Geburtstagsfeier Fotos von niedlichen Babys in roten und rosafarbenen Angry-Birds-Strampelanzügen ins Internet gestellt. Ältere Fans durften eigene Level für das Computerspiel entwerfen, bei dem es grob gesagt darum geht, grüne Schweine mit Hilfe einer Steinschleuder und einer Menge schlecht gelaunter Vögel abzuschießen. Zur Geburtstagsfeier traten dann auch noch zwei finnische Eishockeyteams aus der höchsten Liga gegeneinander an - in Angry-Birds-Trikots natürlich.

So viele gute Nachrichten auf einmal hatte es bei Rovio schon lange nicht mehr gegeben. Seit zwei Jahren dümpelt der Umsatz, die Gewinne sprudeln nicht mehr - und seit kurzem steht auch fest: der Spiele-Entwickler wird 110 der insgesamt 800 Mitarbeiter entlassen. Zudem wird der finnische Standort Tampere geschlossen, Rovio will sich auf seinen Hauptsitz in Espoo nahe Helsinki konzentrieren. "Angry Birds müssen ihr Nest verlassen", titelte das finnische Radio in seiner Online-Ausgabe und im Text war die Rede von "Flügel stutzen".

Hoffnungsträger für die finnische Wirtschaft

Dabei ist der Spielentwickler einer der großen Hoffnungsträger für die finnische Wirtschaft, die immer noch unter der Krise der Papierindustrie, dem Nokia-Niedergang und neuerdings auch noch unter den Sanktionen gegen Russland leidet. Da klafft eine große Lücke, die finnische Startups, vor allem Spiele- und App-Entwickler, füllen sollen. Ausgerechnet die bunten Vögel auf Schweinejagd wurden zum neuen Exportschlager für das nordische Land: Mehr als zwei Milliarden Mal wurde das Spiel inzwischen heruntergeladen.

Doch der Erfolg ging nicht so weiter, wie Rovio erwartet hatte. "Wir haben unser Team unter der Annahme eines schnelleren Wachstums aufgebaut, als es sich eingestellt hat", schrieb Mikael Hed, Chef des Unternehmens, im Oktober in seinem Blog. Bereits damals deutete er an, voraussichtlich bis zu 130 Stellen streichen zu müssen. Dabei hatte Rovio seine Mitarbeiterzahl erst im vergangenen Jahr von 500 auf 800 aufgestockt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma drei Jahre hinter sich, in denen sie stark wachsen konnte. Damit war dann aber plötzlich Schluss: Im Jahr 2013 war der Umsatz kaum höher als im Jahr davor, der Gewinn sank sogar um 52 Prozent auf 26,9 Millionen Euro.

"Rovio ist schnell gewachsen und hat dafür viel riskiert", sagt Koopee Hiltunen, Chef der finnischen Spieleindustrie-Organisation Neogames. "Jetzt reduzieren sie das Risiko wieder. Da ist völlig normal und nichts Dramatisches." Insgesamt gehe es der Industrie sehr gut. Hiltunen spricht von 220 Unternehmen, die 2400 Mitarbeiter beschäftigen und in diesem Jahr gemeinsam etwa eine Milliarde Euro umsetzen werden. Finnland ist nicht groß. Als Rovio im Oktober den möglichen Job-Abbau ankündigte, habe es keine 24 Stunden gedauert bis andere Firmen in den Foren der Branche 130 neue Stellenangebote gepostet hätten, erzählt Hiltunen. Wer beim Angry-Birds-Entwickler seinen Job verliert, wird also schnell einen neuen finden.

Für 2016 ist ein Kinofilm mit den Vögeln geplant

Ohnehin hat ein anderer finnischer Spielentwickler Rovio längst vom Thron gestoßen. Supercell war mit seinem Spiel "Clash of Clans" so erfolgreich, dass der japanische Telekommunikationskonzern Softbank vergangenes Jahr 1,5 Milliarden Dollar für die Mehrheit an dem Startup zahlte. "Supercells Erfolg zeigt die Möglichkeiten in der Spieleindustrie", sagte Rovio-Chef Hed im Mai dem Wall Street Journal. "Er zeigt aber auch die brutale Realität, dass nur Wenige einen Milliarden-Profit machen werden."

Ein wesentlicher Unterschied zwischen "Angry Birds" und "Clash of Clans" ist, dass die App für das Rovio-Spiel etwa 0,89 Cent kostet. Supercell verfolgt ein anderes Konzept: Die Spiele-App ist zunächst kostenlos. Wenn der Spieler jedoch zusätzliche Funktionen haben möchte, muss er dafür zahlen. Rovio stellt sein Angebot nun seit einiger Zeit auch auf dieses Kostenlos-Konzept um - doch nicht alle Fans sind davon begeistert.

Nun wird das Management ausgetauscht: Anfang Januar gibt Hed seinen Chefposten an Pekka Rantala ab, einen langjährigen Nokia-Manager. Gleichzeitig setzt Rovio alles daran, um den Erfolg seiner Angry Birds zu verlängern. Nach dem Original-Spiel hat Rovio Folge-Apps entwickelt, in denen die Vögel in Seifenkisten Rennen fahren, die Schweinejagd ins Weltall ausdehnen, als Star Wars-Helden auftreten. Der neueste Angry-Birds-Ableger heißt Stella und ist eine feminine Version des Schieß-Spiels.

Rovio verkauft auch Angry-Bird T-Shirts, Tassen, Kissen, Uhren und Angelruten. In Finnland und Russland gibt es sogar ein Angry-Bird-Getränk. Gerade hat das Unternehmen vier neue Geschmacksrichtungen für den russischen Markt angekündigt, benannt nach den Spielfiguren: Red (tropischer Geschmack), Chuck (Orange), Bomb (Cola) und Minion Pig (Apfel-Birne). Im Sommer 2016 soll dann der Angry-Birds-Kinofilm herauskommen, vertrieben von Sony Pictures. Für den Erfolg sollen John Cohen (Ich - Einfach unverbesserlich) und David Maisel (Iron Man) als Produzenten sorgen. Und natürlich Red, Chuck, Bomb und das Schwein.