Amerikanische Handelskommission Google soll Suchergebnisse bewusst verfälscht haben

Google ARCHIV - Das Logo des Internet Konzerns Google, aufgenommen am 20.05.2013 auf dem Google Campus im Silicon Valley. Foto: Ole Spata/dpa (zu dpa 'Google: Offenlegung unserer Suchformel würde Nutzern schaden') +++(c) dpa - Bildfunk+++

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  • Die amerikanische Handelskommission hat versehentlich ein 160-seitiges Gutachten aus dem Jahr 2012 herausgegeben. Es besagt, dass Google sein Monopol ausgenutzt und Suchergebnisse verfälscht haben soll.
  • Die US-Behörde stand deshalb kurz davor, Google zu verklagen, sah schließlich aber davon ab und stellte das laufende Kartellverfahren Anfang 2013 ein.
  • Google selbst hält die Vorwürfe für substanzlos.
  • Die Inhalte des Gutachtens könnten das aktuelle Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission beeinflussen.
Von Simon Hurtz

Google hat seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt, eigene Angebote bevorzugt und der Konkurrenz damit massiv geschadet. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung der amerikanischen Handelskommission (FTC) im Jahre 2012. Trotzdem wurde das damals laufende Kartellverfahren Anfang 2013 eingestellt.

Der 160-seitige Bericht wurde am Donnerstag versehentlich in einer unredigierten Fassung heausgegeben und liegt dem Wall Street Journal vor. Demnach haben Gutachter der FTC vier unterschiedliche Vorwürfe untersucht und sind in drei Fällen zum Schluss gekommen, dass Google seine Dominanz wettbewerbswidrig ausnutzt. Die Praktiken würden Nutzer benachteiligen und seien eine Bedrohung für die Innovation im Bereich der Internet-Suche. Folglich legten die Gutachter der FTC nahe, Google zu verklagen.

Normalerweise folgt die FTC solchen Empfehlungen, in diesem Fall lag jedoch ein weiterer Bericht vor. Der zeitgleich ermittelnde Wirtschaftsausschuss hatte der Handelskommission von rechtlichen Schritten abgeraten, außerdem sei Google der FTC in vielen Punkten entgegengekommen und habe Kritikpunkte von sich aus beseitigt. Deshalb verzichtete die FTC auf eine Klage und legte das Kartellverfahren wenig später endgültig ad acta. Die Entscheidung sei jedoch knapp ausgefallen und es habe auch Stimmen innerhalb der Handelskommission gegeben, die Google verklagen wollten, heißt es in dem Bericht.

Das sind die vier Vorwürfe der Gutachter:

1. Google bevorzugt eigene Dienste

Die Gutachter waren der Meinung, dass Google eigene Produkte wie die Flugsuche oder den Produktvergleich gegenüber vergleichbaren Angeboten bevorzuge. Konkurrenten würden mitunter bessere Ergebnisse liefern und öfter geklickt, müssten nach den Kriterien des Google-Algorithmus also eigentlich prominenter angezeigt werden. Trotzdem würden Google-Dienste bei entsprechenden Suchanfragen ganz oben rangieren. Damit habe Google etlichen Wettbewerbern geschadet.

2. Google bedient sich bei der Konkurrenz

Google wollte Inhalte von Unternehmen wie Yelp, Tripadvisor und Amazon in seiner eigenen Suche darstellen. Um Zugriff auf die Inhalte der Konkurrenten zu erhalten, habe Google diese unter Druck gesetzt und gedroht, deren Seiten aus dem Suchindex zu entfernen. Bei drei Mitgliedern der fünfköpfigen Handelskommission löste Googles Verhalten "starke Bedenken" aus, woraufhin Google den betroffenen Konkurrenten Zugeständnisse machte.

3. Google gängelt Anzeigenkunden

Wenn Unternehmen parallel bei Google und anderen Suchanbietern Anzeigen schalten wollten, erhöhte Google die Werbepreise. Das habe den betroffenen Unternehmen und Googles Konkurrenten geschadet. Angeblich wollte Google selbst damit aufhören, CEO Larry Page habe das jedoch verhindert. Zwei der fünf FTC-Mitglieder teilten die Ansicht der Gutachter, 2013 änderte Google schließlich von sich aus diese Praxis.

4. Google hält andere Suchanbieter klein

Webseiten, die mit konkurrierenden Suchmaschinen kooperierten, seien von Google abgestraft worden. Microsoft Bing oder Yahoo sei es dadurch erschwert worden, zu ernsthaften Wettbewerben von Google aufzusteigen - ein Verstoß gegen das Kartellrecht, so die Ansicht der Gutachter.