Amazon erlaubt Apps Spielen auf dem Kindle

Mehr als ein Lesegerät: Amazon will künftig externe Mini-Programme auf seinem E-Book-Reader erlauben - und damit der mächtigen Konkurrenz der Tablet-Computer trotzen.

Das Apple-Tablet wirft seine Schatten voraus: Noch vor der erwarteten Vorstellung des ultraflachen Multimedia-Computers am 27. Januar versucht Konkurrent Amazon, seinen E-Book-Reader Kindle attraktiver für den Kunden zu machen.

Amazons Kindle: Künftig Sudoku statt Jane Austen?

(Foto: Foto: AP)

Amazon erlaubt Entwicklern künftig, Miniprogramme für den Kindle zu programmieren und sie über den Online-Händler anzubieten. Solche Apps gelten heute als einer der Hauptargumente für den Kauf eines iPhones und sind inzwischen Bestandteil vieler internetfähiger Handys.

Amazons Kindle kann bislang nicht viel mehr, als Bücher auf seinem Schwarzweiß-Bildschirm darstellen. Tablet-Computer sollen zwar einige hundert Dollar mehr kosten, dafür jedoch das Leseerlebnis interaktiver und multimedial gestalten. In den USA stellen viele Beobachter deshalb die Frage, ob die E-Book-Reader mit solch leistungsstarken Geräten mithalten können.

Schulbücher mit interaktiven Fragen

Amazon möchte solche Zweifel zerstreuen: Der Online-Versandhändler erhofft sich von der Öffnung, für den Kindle künftig Zusatzanwendungen wie Spiele anzubieten, heißt es in einem Bericht der New York Times. Auch Schulbücher mit interaktiven Fragen oder Reiseführer, die sich am Standort des Kindle-Nutzers orientieren, seien möglich.

Derzeit dürfte allerdings die rudimentäre Steuerung des Geräts einigen dieser Ideen entgegen stehen. "Wenn Amazon den Kindle wirklich öffnen möchte",rät deshalb Erick Schonfed, Autor des Technologie-Blogs Techcrunch, "sollte es anderen Hardware- und Softwareentwicklern erlauben, ihre eigenen elektronischen Lesegeräte mit Kindle herzustellen, die mit der Kindle-Verkaufsplattform kompatibel sind." Sprich: Amazon sollte keine eigenen Geräte herstellen, sondern sich auf sein Kerngeschäft als Internet-Marktplatz konzentrieren.

Die erwartete Veröffentlichung des Apple-Tablets setzt Amazon auch an anderer Stelle unter Druck: Wie ebenfalls die New York Times berichtet, verlangen die US-Verleger vom Online-Versandhändler, ihnen einen größeren Anteil an den Einnahmen aus digitalen Büchern oder Magazinen abzugeben. Derzeit bekommen die Verlage pro Lese-Abonnement etwa 30 Prozent.

Wie die Zeitung unter Berufung auf Branchenkreise schreibt, verhandeln die Verlage seit einiger Zeit mit Apple darüber, Bücher und Magazine über iTunes für das Tablet anzubieten. Das Unternehmen haben ihnen dabei einen Anteil von bis zu 70 Prozent des Verkaufspreises angeboten habe.

Amazon hat deshalb bereits reagiert und angekündigt, Verlagen unter Autoren für Bücher unter zehn Dollar ebenfalls 70 Prozent des Verkaufspreises zu überlassen.

Beobachter erwarten, dass sich im Lauf des Jahres herauskristallisiert, ob E-Book-Reader wie der Kindle sich künftig weiter auf dem Markt behaupten oder die teureren Tablet-Computer diese Endgeräte mittelfristig verdrängen. Mit der Öffnung des Kindle dürfte sich zumindest die technische Entwicklung der E-Book-Reader weiter beschleunigen.