Seltene Erden im Handy Müllkippe statt Mine

Ausgediente Mobiltelefone

(Foto: dpa)
  • In jedem Handy stecken Seltene Erden. Doch sie zu fördern, belastet die Umwelt enorm.
  • Das Recycling von alten Handys ist nicht so einfach, da die Metalle nur in winzigen Spuren in den Geräten vorhanden sind.
  • Allerdings gibt es Ansätze, dies zu ändern.
Von Helmut Martin-Jung

Die meisten Menschen werden darauf schon herumgetrampelt sein: Seltene Erden sind weder selten, noch handelt es sich um Erde - es sind vielmehr Metalle, die an vielen Stellen der Erde zu finden zu sind. Das Problem: Sie zu fördern, belastet die Umwelt enorm. Die Metalle kommen nämlich nur in winzigen Konzentrationen vor. Um wenige Gramm davon zu gewinnen, müssen viele Tonnen Gestein bewegt, zermahlen und mit Chemikalien behandelt werden. Zurückbleiben giftige Seen, außerdem belasten Stäube, die radioaktive Elemente oder Schwermetalle enthalten, die Luft nahe den Abbauregionen.

Doch die gesamte Hochtechnologie hängt von diesen Metallen wie Tantal, Praesodym oder Neodym ab. Kein Handy würde ohne sie funktionieren, auch nicht - Ironie des Schicksals - die meisten Windkraftanlagen, die mit starken Neodym-Magneten arbeiten. Was läge also näher, als die Bemühungen zu verstärken, diese wertvollen Stoffe aus Produkten wiederzugewinnen, in denen sie stecken?

Doch das ist nicht so einfach. Die meisten Handys etwa werden gar nicht zum Recycling gegeben, sondern schlummern friedlich in Schubladen. Mehr als 100 Millionen sind es nach Zahlen des Branchenverbandes Bitkom allein in Deutschland. Bei den Handys, die an Recycling-Initiativen wie etwa handysfuerdieumwelt.de der deutschen Umwelthilfe gehen, werden bisher vor allem Gold, Silber und Kupfer wiedergewonnen. Die Seltenerd-Metalle sind nur in so winzigen Spuren in den Geräten vorhanden, dass sich ihr Recycling kaum lohnen würde.

Ansätze, die sich lohnen

Allerdings gibt es Ansätze, das zu ändern. Die Firma Novis aus Tübingen und die dortige Universität etwa haben ein Verfahren entwickelt, bei dem die Seltenerd-Metalle aus der Schlacke gewonnen werden, die bei der Verbrennung von Handys und anderen elektronischen Geräten in Müllverbrennungsanlagen entsteht. Als Helfer haben die Forscher dabei Mikroorganismen engagiert. Die Schlacke wird bei diesem Verfahren zerkleinert und in Säure gelöst. Aus dieser Mischung picken spezielle Bakterien die gewünschten Metalle heraus, indem sie sich an sie heften. Anschließend lassen sich die Stoffe chemisch ausfällen oder an Elektroden abscheiden.

Von anderen Geräten, bei denen sich das Recycling ebenfalls lohnen würde, gibt es noch zu wenig, zum Beispiel von den Magneten, wie sie in Elektro- und Hybridautos sowie in Windrädern stecken. Forscher des Fraunhofer-Institutes für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung in Dresden hätten da schon eine Idee, die bei bisherigen Versuchen gut funktioniert hat - bisher allerdings nur im Labormaßstab.

Das Problem der Recycling-Forscher: Die so unentbehrlichen Seltenerd-Metalle sind auf dem Weltmarkt zurzeit ziemlich preisgünstig zu haben, das bremst Forschung und Investitionen in diesem Bereich aus. Auch innovative Firmen wie die badische Novis müssen sich daher zunächst einmal darauf konzentrieren, die Stoffe zurückzugewinnen, die auf den Rohstoffmärkten höhere Preise erzielen.

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Langfristig, sagt Geschäftsführer Thomas Helle, könnte es so laufen, dass aus der Schlacke zunächst Edelmetalle gewonnen würden, in einem zweiten Schritt bei einem spezialisierten Recyclingbetrieb dann die Seltenerd-Metalle. Ob sich das lohnt, hängt vor allem von der Politik Chinas ab. Das Land, von dem die Welt die begehrten Stoffe fast ausschließlich bezieht, kontrolliert die Preise so, dass sich Alternativen - eigene Minen oder Recycling - kaum lohnen.