Von Hermann Unterstöger

Wer fremde Computer durch "Trojaner" ausspioniert, handelt illegal, das freilich auf historisch ehrwürdiger Basis. Man müsste solche Spitzelprogramme eigentlich Trojanische Pferde nennen, nach jenem hölzernen Pferd, mit dessen Hilfe das antike Troja der Sage nach von den Griechen erobert wurde.

Die Geschichte dieser List wird in Homers Odyssee von Demodokos so schön vorgetragen, dass Odysseus in Wehmut zerfließt, obwohl er sie bestens kennt und ihr Held ist. Sie geht so: Als der Krieg um Troja sich auch im zehnten Jahr noch unentschieden hinschleppte, baute Epeios mit Hilfe der Göttin Athene ein von Odysseus ersonnenes riesiges Holzpferd, dessen Inneres vierzig griechischen Kämpfern als Versteck diente.

Trojanisches Pferd, dpa

Ein trojanisches Pferd (© Foto: dpa)

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Dieses Pferd stellte man, als vorgebliche Weihegabe, vor die Mauer Trojas, und das Heer der Griechen zog dem Schein nach ab.

Zwar warnte Laokoon vor dem Geschenk, aber da ihn samt seinen Söhnen alsbald zwei Seeschlangen erwürgten, verloren die Trojaner ihr Misstrauen und zogen das Pferd, zu ihrem späteren Verderben, in die Stadt.

Seither gilt das Trojanische Pferd als Synonym für Strategien des feindlichen Einschleusens, und auch das unheilbringende Danaergeschenk hat hier seinen Ursprung.

Danaer ist ein anderer Name der Griechen. In Vergils Aeneis sagt Laokoon das geflügelte Wort: "Timeo Danaos et dona ferentes" (Ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen).

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(SZ vom 6.2.2007)