Akku-Technik Angst vor der Kobalt-Krise

Ein Arbeiter in einer Kobaltfabrik im Kongo

(Foto: AFP)
  • Das Metall Kobalt steckt in Lithium-Ionen-Akkus, die für iPads, Kameras oder Elektroautos benötigt werden.
  • Durch die hohe Nachfrage nach Elektroautos steigt auch der Kobalt-Bedarf.
  • Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe warnt nun davor, dass Kobalt knapp werden könnte.
Von Marvin Strathmann

Smartphones, Kameras, Elektroautos: Sie alle benötigen Strom, können aber nicht dauernd an der Steckdose hängen. Akkus sorgen für Kabelfreiheit, doch ihre Bestandteile sind zum Teil nur schwer zu bekommen. Vor allem das Metall Kobalt könnte knapp werden, warnt nun die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Kobalt wird in der Regel nicht direkt gefördert, sondern entsteht als Nebenprodukt, wenn Nickel oder Kupfer hergestellt werden. Das Metall ist ein guter Strom- und Wärmeleiter und wird für die Kathoden von Lithium-Ionen-Akkus verwendet, das Gegenstück zur Anode. Kobalt kann die Kapazität eines Akkus erhöhen.

Im April 2016 war eine Tonne des Metalls noch für etwa 23 000 Dollar zu haben. Mittlerweile hat sich der Preis vervierfacht und die Tonne Kobalt kostet mehr als 90 000 Dollar, sagt die Bundesanstalt. Verzögerungen beim Ausbau von Bergwerken und Weiterverarbeitung "können zu erheblichen Problemen in der Versorgung führen", sagt der Kobalt-Experte des BGR, Siyamend Al Barazi.

So begehrt wie Gold

Solarzellen, Glasfaserkabel, iPad: Ausgerechnet viele wichtige moderne Produkte benötigen knapper werdende Rohstoffe wie Indium, Germanium oder Kobalt. Ein Überblick in Bildern. mehr ...

Die große Nachfrage komme vor allem aus der Autoindustrie: "Wir gehen davon aus, dass sich, getrieben durch die Elektromobilität, die Nachfrage nach Kobalt bis 2026 auf rund 225 000 Tonnen verdoppeln wird", sagt Al Barazi.

"Im Akku eines Elektroautos stecken etwa zwölf Kilogramm Kobalt", sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Alternativen zu Kobalt sieht er vorerst nicht: "In den nächsten Jahren bleibt Kobalt für die Autoindustrie unersetzlich." Auch Bratzel warnt vor einer Kobalt-Knappheit, wenn die Gewinnung nicht ausgeweitet werden kann.

"Wenn in der Autoindustrie Kobalt knapp wird, sinkt der Preis von Elektroautos nicht wie erhofft. Helfen könnten Strategien von Herstellern, Akkus mit geringerer Kapazität und damit auch niedrigerer Reichweite anzubieten. Das ginge jedoch nur, wenn dichte Ladeinfrastrukturen vorhanden sind", sagt Bratzel. Das könne die Energiewende auf den Straßen beeinträchtigen. "In Zukunft könnte es sich durchsetzen, Elektroautos nur regional, etwa in der Stadt zu verwenden, während auf langen Strecken der Benziner zum Einsatz kommt."

Brisant: Kobalt-Abbau im Kongo

Laut der amerikanischen Behörde United States Geological Survey sollen noch etwa 120 Millionen Tonnen Kobalt auf dem Meeresgrund lagern: In Manganknollen und in den Krusten des Atlantiks, Pazifiks und indischen Ozeans. Manganknollen sind Klumpen aus Gestein und Metall. Momentan forschen Wissenschaftler noch an Methoden, um die Knolle effektiv zu ernten, etwa an der RWTH Aachen.

Der Großteil des Kobalts wird derzeit an Land in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut. "Das zentralafrikanische Land ist heute mit über 60 Prozent Marktanteil der größte Kobaltproduzent. Auch die größten Projekte, die derzeit neu entwickelt werden, befinden sich alle im Kongo", sagt Geologe Al Barazi. Er schätzt, dass der Marktanteil des Kongos bis 2026 auf 70 Prozent steigen wird. Auch die Hälfte der weltweiten Reserven von sieben Millionen Tonnen liegt dort.

Mitarbeiter der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sind schon länger in dem Land präsent. Vor zehn Jahren haben sie begonnen, ein Zertifizierungssystem für verantwortungsvolle Rohstofflieferketten aufzubauen. Dieses Wissen solle genutzt werden, "um mit unseren Marktanalysen die Transparenz im Kobaltmarkt zu erhöhen", sagt Ralph Watzel, der Präsident des BGR.

Der Fall Glencore: Kampf um Katanga

Rohstoffe haben die Demokratische Republik Kongo nicht so reich gemacht, wie sie sein müsste. Ein Wirtschaftskrimi aus dem Herzen Afrikas. mehr...

Die Bedingungen, unter denen im Kongo abgebaut wird, sind teils brutal. Amnesty International beklagt Kinderarbeit, Unfälle und Gesundheitsrisiken in den Minen des Landes. In einem umfangreichen Kobalt-Report wiesen die Menschenrechtler bereits 2016 darauf hin, dass die Minenarbeiter oft ohne ausreichenden Schutz mit Kobalt arbeiten würden - Handschuhe oder Masken würden fehlen.

Ein Mann gräbt in einer ehemaligen Kupfer-Kobalt-Mine in der Demokratischen Republik Kongo nach Resten des Elements.

(Foto: AFP)

"Das jüngste von Amnesty identifizierte Kind, das im Kobaltabbau arbeitete, war sieben Jahre alt", sagt Lena Rohrbach, Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International in Deutschland. "Häufig werden Kinder beschäftigt, um das abgebaute Mineral zu waschen und zu sortieren. Manche arbeiten unter Tage, viele im Freien unter hohen Temperaturen oder bei Regen." Die Kinder sollen bis zu zwölf Stunden pro Tag in den Minen arbeiten, wofür sie ein bis zwei Dollar erhalten.

Um die Situation der Arbeiter vor Ort zu verbessern, nimmt Rohrbach Berlin in die Pflicht: "Deutschland ist Heimatland zahlreicher Unternehmen, die Kobalt in ihren Produkten verwenden. Die Regierung sollte endlich ein Gesetz erlassen, das Unternehmen verbindlich dazu verpflichtet, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten umzusetzen."