5. Februar 2013 10:36 10. Safer Internet Day Wie viel Internetkonsum für Kinder gut ist

Von Katja Riedel

Schon die Kleinsten sind davon fasziniert, und doch lauern Gefahren: Das Internet stellt für Mütter und Väter eine Herausforderung dar. In welchem Alter sollen sie den Nachwuchs an den Computer lassen? Und wie hält man ihn von Schmuddel-Seiten fern?

Paul ist drei und hat eine eher seltene Neigung: Er liebt Glocken. Den ganzen Tag könnte Paul sie anschauen, wie sie schwingen, wie sie tönen, das fasziniert ihn. Schön, dass im Internet, zum Beispiel bei Youtube, viele andere Glockenfans Filmchen eingestellt haben. "Aber Glocke ist ein gefährliches Wort", sagt seine Mutter Eva Maier (Namen geändert). Denn im Deutschen ist das Wort doppeldeutig. Nur ein Erwachsener ist weitsichtig genug, den Suchbegriff etwa mit dem eindeutigen französischen Wort "Cloche" zu ersetzen, damit der Kleine nicht ungewollt nackte Brüste zu sehen bekommt.

"Man muss sich als Erwachsener im Internet gut auskennen und immer erst alles allein selbst ausprobieren", sagt Eva Maier. Sie will das Netz, das nun einmal zum Leben gehört und mit dem Kinder den Umgang lernen müssen, nicht verbieten. Sie sei aber noch lange nicht so weit, dass sie den Sohn und die sechsjährige Tochter Jana allein online gehen lasse, sagt die Mutter aus Sendling. "Ich sortiere alles vor und weiß, wie die Seiten ticken", so Maier.

Was Eva Maier macht, kostet sie viel Zeit - und Nerven. Denn wenn die Kinder etwa von den Seiten des Kinderkanals ("Kikaninchen") nicht genug kriegen können, werfen sie sich schon mal schreiend auf den Boden, sagt Maier. Sie hält deshalb wenig von schrillen bunten Kinderseiten, die Fernsehen und Netz zu einem Spiel verbinden, das niemals endet. "Der Akku meines Tablets ist dann meine Zeitsteuerung", sagt sie.

Computersucht und Mobbing im Netz

Eva Maier schaut also hin, was ihre Kinder mit Medien machen - und das empfiehlt auch die Initiative schau-hin.de. Längst nicht alle Eltern haben verstanden, dass sie selbst es sind, die die Gefahren, welche das Internet neben allen Chancen bietet, an ihre Kinder heranlassen: von der Sucht bis zu Mobbing im Netz, jugendgefährdenden Bildern, Abzocke oder der Gefahr, in Chats und sozialen Netzwerken von Pädophilen angesprochen zu werden.

Denn davor warnt unter anderem das Leibniz-Rechenzentrum in München in der Broschüre "Schattenseiten des Internet". Die Europäische Kommission macht an diesem Dienstag zum zehnten Mal mit ihrem "Safer Internet Day" auf die Gefahren des Netzes aufmerksam.

Dass viele Eltern vielleicht zu großes Vertrauen in die Vernunft ihrer Kinder haben, belegen Zahlen. Immerhin 22 Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder, die der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest 2010 in seiner viel beachtetet KIM-Studie befragte, gehen allein ins Internet. Bei den Acht- und Neunjährigen waren es 43, bei den Zehn- und Elfjährigen schon 57 Prozent. Sie suchen dort vor allem nach Hausaufgabenhilfe, Neuigkeiten über Prominente und Spielen.

91 Prozent der Kinder gaben an, dass sie vor allem Google nutzen. Spezielle Kindersuchmaschinen wie Blinde Kuh, fragFINN oder Helles Köpfchen nutzt knapp die Hälfte der Kinder - jedoch nicht ausschließlich. In diesen Seiten mit gefilterten Suchergebnissen können Kinder vor allem eines: lernen und sich über spezielle Themen kundig machen. Schwierige Themen spart die Blinde Kuh nicht aus. Wer die Suchmaschine zu Anschlägen befragt, erfährt etwas über das Attentat vom 11. September 2001 und warum es Menschen gibt, die alles zerstören wollen. Dazu gibt es einen Link zu den Kindernachrichten des ZDF, logo tivi.

Möglicherweise traumatisierende Bilder von verstümmelten Opfern, die die Bildersuche bei Google liefern würde, gibt es dort nicht. Zu der Anfrage "Nazis" findet die Kindersuchmaschine 55 Treffer, vom Lexikoneintrag über Neonazis bis zur Befreiung von Auschwitz. So wird kein Kind in rechtsextreme Netzwerke hineingezogen.

Während viele Broschüren (siehe Kasten unten links) zu solchen Seiten raten, ist Mutter Eva Maier skeptisch. Sie fürchtet, dass sich viele Eltern dadurch zu sehr in Sicherheit wiegen und die Verantwortung abgeben. "Ich glaube, dass Kinder dieses halbe Internet so mögen wie Fahrradfahren mit Stützrädern - und dann eben bei Freunden im richtigen Internet surfen, ohne dass ich dabei bin", sagt sie.

Nicht alles verteufeln

Doch Eltern handhaben das Thema Internet sehr unterschiedlich, hat Hans-Jürgen Palme erfahren. 1996 hat er den Verein "Studio im Netz" gegründet, der seitdem Eltern und Kindern den richtigen Umgang mit dem Internet vermitteln will - zum Beispiel in Computerclubs, in denen Kinder und Jugendliche das Netz konstruktiv nutzen lernen und Eltern dazu begleitend informiert werden - so auch im nächsten Kurs zum Thema Facebook.

Viele Eltern seien erschreckend wenig informiert, viele sehr vorsichtig, andere fänden es völlig okay, dass die Kinder sich allein im Internet tummeln. Das sei auch milieuabhängig, sagt Palme. Wer gebildeter ist, setzt sich intensiver mit dem Thema auseinander. "Wir sind keine Einrichtung, die alles verteufelt - uns ist wichtig, dass man den richtigen Umgang lernt", sagt Palme. Und dazu gehören auch die richtigen Vorbilder: Wenn Eltern selbst bei Facebook unvorsichtig mit ihren eigenen persönlichen Daten umgehen, ist das wenig beispielhaft.