Zwischen Populismus und Orientierungslosigkeit: Die Parteien müssen in Hessen eine Regierung bilden, die Wähler wollen nicht mehr hören, wer angeblich mit wem nicht kann. Ein Kommentar von Heribert Prantl
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Koch hat in Hessen verloren, Ypsilanti kann auch nicht regieren.
Foto: AP
Die Behauptung von einer Sozialdemokratisierung der CDU ist so oft und so lange wiederholt worden, bis sie nun endlich eintritt. Diese Sozialdemokratisierung sieht aber jetzt anders aus, als das ihre Auguren gemeint haben.
Die Christdemokratie teilt nicht das Programm, sie teilt vielmehr seit neuestem das Schicksal der Sozialdemokratie: Sie hat in Hessen mit Roland Koch eine Wahl verloren, nun verlieren sie und ihre Kanzlerin auch in den Umfragen - und sogleich fliegen der CDU allenthalben die bisher allein für die SPD reservierten Schlagzeilen-Vokabeln vom "Absturz" und vom "Niedergang" um die Ohren.
Absturz? Niedergang? Das ist Unsinn. Wahr ist: Die CDU diskutiert richtigerweise über die Fehler eines Wahlkampfes, über die Ursachen einer Wahlniederlage, über die richtige politische Linie und den richtigen politischen Stil. Das ist keine Katastrophe, sondern Normalität. Eine Katastrophe stünde der CDU aber dann ins Haus, wenn sie die "soziale Gerechtigkeit" der SPD und den Linken überließe.
Diese soziale Gerechtigkeit ist nicht hell- oder dunkelrot, sie ist auch nicht schwarz oder gelb; sie ist schlicht das Fundament für eine demokratische Gesellschaft. Eine Partei, die das Soziale als "Sozialpopulismus" diskreditiert (wie es partiell in der Union und der FDP geschieht), vernachlässigt die Basis der Politik. Sozialpolitik ist nicht "Populismus", sondern Notwendigkeit. Die Union kann froh sein, dass sie einen Seehofer hat, der einer linken eine christsoziale Sozialpolitik entgegenhalten kann.
Wann ist Politik populistisch? Man muss Stil und Inhalt unterscheiden: Oskar Lafontaines Stil ist so marktschreierisch provokant, wie der von Roland Koch auch. Man kann diesen Stil populistisch nennen und Guido Westerwelle zu diesen Stilisten hinzuzählen. Die Politik, also die Programmatik der Linken ist aber nicht populistisch, sonder sozialistisch: Die Linken propagieren einen massiven Staatsinterventionismus.
Diese Politik bekämpft man nicht mit falschen Populismus-Vorwürfen, sondern mit christsozialen oder liberalsozialen Gegenentwürfen. Doktrinärer linker Sozialismus ist nach wie vor weder populistisch noch populär. Populistisch ist einer wie Lafontaine dann, wenn er die Schuld für Probleme den Fremden in Deutschland als Sündenböcke auflädt, wie das Rechtsextremisten tun. Dann gehört er abgestraft.
Politik ist das Bohren dicker Bretter, Populismus ist das Trommeln auf diesen Brettern. Koch hat in Hessen verloren, weil er zu viel getrommelt und zu wenig gebohrt hat.
Daraus können die Parteien, auch für die Koalitionsbildung in Hessen, eine Lehre ziehen: Die Wähler wollen nicht mehr hören, wer angeblich mit wem nicht kann oder partout nicht will und das schon immer gesagt hat. Sie wollen einen Landtag sehen, der akzeptiert, dass Koch abgewählt worden ist - und der dann eine Regierung bildet, die ohne Zicken arbeitet. Der Schaden der Partei, die das ermöglicht, wird es nicht sein - auch nicht, wenn sie FDP heißt.
dann wird es wohl so sein! Nur wen interessiert hier Ihre Meinung? Schon garnicht die zu Prantl., die nun wirklich vor Arroganz und Besserwisserei strotzt. Das wollt ich Ihnen eigentlich nur mitteilen.Und damit hat es sich, endgültig!
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so sehr getroffen.?Etwas gouvernantenhaft ,Ihr Beharren auf dem Urtext!, der wohl etwas ganz anderes in der Sache meint. (kurz gefasst , nicht Dummheit ,sondern Faulheit) Wollen Sie Prantl diktieren,ob er "Dünnbrettbohrer" (im landläufigen Sinn solche, die mangels "Masse= Grips" nicht in der Lage sind "Dicke Bretter "zu bohren) im Text zu benutzen hat ? Das hört sich aber sehr nach Pauker oder Besserwisser an .Wie freundlich von Ihnen-vielleicht träfe es auf mich zu- mir nur vermutungsweise zu unterstellen, ein "Dünnbrettbohrer "zu sein!
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05.02.200810:38:51
Monikamm207:Erst denken, dann schreiben!
@ drkosel
Man könnte sagen, Sie befinden sich auf der falschen Baustelle. Es geht hier nicht um Dünn- oder Dickbrettbohrer. Vielleicht trifft Ersteres ja auf Sie zu: Dünnbrettbohrer sollen Leute sein, die immer das tun, wovon sie den geringsten persönlichen Aufwand und den besten Eindruck erhoffen, also viel heiße Luft produzieren...
H. Prantl schrieb hingegen: "Politik ist das Bohren dicker Bretter", und genau darauf bezog sich meine (sprachliche) Kritik. Das besagte Bild, das mit dem des Dünnbrettbohreres trotz ähnlicher Betätigung nichts gemein hat, wird nämlich dauernd falsch zitiert.
Also, erst denken, dann schreiben.
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05.02.200809:49:04
Robert Scholz:Warum die Ampelkoalition?
Prantls Blick scheint mir zu "parlamentarisch" ohne wirklich parlamentarisch zu sein. Koch im Amt hocken zu lassen und die Gemeinsamkeiten von SPD. Grün und Linke in Gesetzesform zu gießen - das könnte die Stunde des Parlaments sein. Gesetze zur Gemeinschaftsschule mit dem Umbau des Schulsystems nach skandinavischem Vorbild, zur Energiewende und für eine Sozialpolitik im hessischen Rahmen, die ihren Namen verdient, usw. mit dem Geltungsdatum nach der BT-Wahl und dann zugleich mit dem BT eine Neuwahl, die die Wählerschaft auffordert, einer Regierung zur Umsetzung die nötige Mehrheit zu geben - wie wär's denn damit? Keiner braucht umzufallen und die Hessen hätten die Wahl - nach einer ordentlichen inhaltlichen Diskussion, an der sich alle beteiligen können, mit einem Mindestmaß an parteipolitischer Inszenierung. Und der Koch sitzt auf seinem Stuhl und muss gegen seine Demontierung ankämpfen. Dies wäre doch einmal eine Perspektive! Aber eines gäbe ich zu: die Journalisten - vielleicht nicht Herr Prantl - könnten einer solchen Entwicklung nur überfordert gegenüber stehen.
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