Von Mirjam Hauck

Nach heftigen Protesten korrigiert das Studentenportal StudiVZ seine Vermarktungspläne und nimmt Abstand von der gezielten Werbung.

Studentenportal StudiVZ

Die Nutzer des Studentenportals hatten massenweise mit Austritt gedroht. (Foto: Screenshot)

Wenn Studenten sich früher trafen, schlagen oder trinken gingen, führte sie ihr Weg schnurstracks zu Germania, Concordia, Borussia oder anderen Verbindungen. Politisch links verortete Eleven ohne Ambitionen auf Schmisse trafen sich schlicht in der Kneipe um die Ecke. Der moderne Student, ausgerüstet mit PC und Breitbandanschluss, braucht dagegen seine Bude nicht mehr zu verlassen, um Mitglied eines Zirkels, neudeutsch: soziales Netzwerk, zu sein.

Die größte Verbindung StudiVZ hat vier Millionen Mitglieder. Zum Vergleich: Im deutschsprachigen Raum gibt es 2,3 Millionen Studenten. Doch trotz der enormen Reichweite schreibt die Firma Verluste. StudiVZ leidet an der Krankheit fast aller Internet-Communitys: Laut Branchengerüchten können die Netzwerke pro sichtbarem Online-Werbe-Banner nur 20 Prozent des üblichen Preises erzielen. Denn der Nutzer solcher Portale ist einfach zu aktiv - er klickt auf sehr viele Seiten und bekommt daher Banner gleich mehrfach zu Gesicht, was den Preis drückt.

Das dürfte vor allem den Verlags-Konzern Holtzbrinck auf Dauer nicht freuen. 50 Millionen Euro hatte der Konzern Anfang des Jahres für das Portal bezahlt. Deshalb soll nun endlich Gewinn gemacht werden. Zum Beispiel verkauft StudiVZ inzwischen Kalender mit Nacktbildern seiner schönsten Mitglieder. Und auch die persönlichen Daten der mehr als vier Millionen Nutzer sollen endlich Gewinn bringen - durch gezielte Werbung, das sogenannte Targeting.

Werbungtreibende können "in Zukunft Merkmale auswählen wie Alter, Geschlecht, Wohnort/Uni-Standort und Studienfachrichtung und ihre Werbung gemäß dieser Kriterien steuern", erklärt Geschäftsführer Marcus Riecke. Das sei notwendig, um StudiVZ weiterhin als kostenloses Portal zu betreiben. Die Nutzer wurden am Donnerstag per E-Mail darüber informiert - und reagierten prompt.

In Foren erklärten Mitglieder massenweise ihren Austritt, Datenschützer kritisierten die neuen Regelungen. Der Druck der eigenen Community war so groß, dass das Unternehmen am Wochenende zurückrudern musste. Am Samstag versuchte StudiVZ, seine Mitglieder mittels einer weiteren E-Mail zu besänftigen: "Wir haben beschlossen, die SMS- und Instant-Messenger-Werbung aus den Datenschutzerklärungen herauszunehmen. Diese Form der Werbung wird es damit bei StudiVZ auch zukünftig nicht geben."

In zwei weiteren Kritikpunkten hat das Unternehmen seine Geschäftsbedingungen geändert. Ursprünglich sollten Beiträge von Aussteigern aus dem Netzwerk weiterhin öffentlich zugänglich bleiben. Jetzt will StudiVZ alle persönlichen Daten nach der Mitgliedschaft löschen. Zudem sollen die Mitglieder nun doch nicht sofort rausfliegen, wenn sie den neuen Geschäftsbedingungen nicht bis zum 9. Januar zustimmen: "Bis zum 31. März 2008 bleiben eure Profile für alle anderen Mitglieder sichtbar."

StudiVZ tut sich trotz hoher Nutzerzahlen und großer Reichweite schwer, Geld zu verdienen - auch wenn sich kapitalkräftige Käufer und Investoren um die Web-2.0-Angebote reißen. Diese Erfahrung musste jüngst auch das amerikanische Original, die Studenten-Community Facebook machen, für die Microsoft im Oktober für einen Anteil von 1,6 Prozent 240 Millionen Dollar zahlte. Nach massiven Protesten gegen eine Werbeform, die das Nutzerverhalten auch außerhalb der Community ausspäht, räumte Facebook seinen Mitgliedern die Möglichkeit ein, diese ganz auszuschalten.

(SZ vom 17.12.2007/beu)

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Leserkommentare (1)



31.03.2008 16:50:18

carlcomma: online communitys, studiVz und andere ...

....online communitys, studiVz und andere ...

von

carlcomma to : verfasserin des o.a. artikels

- welche für ihre einleitung 100 Punke, von 100 zu vergebenden punkten erhalten sollte.

was haben die alten aegypter oder die chinesen vollbracht, um den gebildeten und ungebildeteten von der straße zu bringen ?

die pharaonen ließen steine zusammentragen und auf einander stapeln-stapeln-stapeln..

der nachwelt wurde das ergebnis als weltwunder verkauft.

die chinesen ließen eine mauer bauen - heute touristenattraktion -

und wir - wir bauten kathedralen -

unser bayernkönig sorgte mit seinen schlössern für vollbeschäftigung und durfte dafür seinen kopf hinhalten...

onlinecommunitys sind die arbeits(- freizeitbeschäftigungsmaßnahmen der neuzeit...

danke, frau m. hauck ...

herzlichst carlcomma


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