"Schockierende Ignoranz"
Film aus Überwachungsvideos
19.09.2008, 11:49
Für ihren Film "Faceless" hat die in London lebende österreichische Filmemacherin Manu Luksch nur Aufnahmen britischer Überwachungskameras verwendet. Die Menschen, die zum Schutz der Identität mit schwarzen Ovalen unkenntlich gemacht wurden, sind in ihrem Film die ahnungslosen Opfer eines totalitären Staates, der seine Bürger permanent kontrolliert.
sueddeutsche.de: Rund 20 Prozent der Überwachungskameras dieser Welt hängen in Ihrer Wahlheimat Großbritannien. Sie filmen Straßen, Bahnhöfe und Einkaufszentren. Wie empfinden Sie die omnipräsente Überwachung?
Manu Luksch: Zwei Tauchurlaube in Ägypten und ein Festivalbesuch in Israel führen dazu, dass ich am Flughafen immer besonders genau kontrolliert werde. Diese Reiseabfolge kennzeichnet mich als verdächtig und das ist in einer Datenbank gespeichert, wie mir ein Sicherheitsangesellter erklärt hat.
Die Videokameras, englisch CCTV oder Closed Circuit Television, sind nur die sichtbarste Form alltäglicher Überwachung. Nach dem 11. September 2001 hat sich der Begriff der Überwachung geändert. Es werden nicht mehr Menschen ausschließlich mit Kontrolltechnologien wie Abhörwanzen und Videoüberwachung verfolgt. Vielmehr können jetzt Staat und Wirtschaft auf digitale Spuren zurückgreifen, die durch Supermarkttreuekarten, Automaut oder Mobiltelefone entstehen.
Es besteht die Gefahr, dass der Zugang zu unseren Datenprofilen zur willkürlichen Einflussnahme auf unser Leben führt. Und diese Gefahr kann weder durch den "gesunden Menschenverstand" noch durch Gesetze gebändigt werden.
sueddeutsche.de: Jeder Brite wird durchschnittlich dreihundert Mal pro Tag gefilmt. Stören sich die Bürger daran?
Luksch: CCTV ist hier bereits seit Jahrzehnten großflächig im Einsatz, das Bewusstsein dafür ist abgestumpft. Ein einziges CCTV-Bild in den Medien, das einen Kindesentführer zeigt, zementiert in den Augen der Öffentlichkeit die Berechtigung der Kameras. Auch wenn eine aktuelle Studie des Innenministeriums besagt, dass nur drei Prozent aller kriminellen Delikte mit Hilfe der CCTV-Aufzeichnungen aufgeklärt werden und Betrieb und Wartung der Anlagen Unsummen verschlingen.
sueddeutsche.de: Was hat Sie auf die Idee gebracht, aus Überwachungsbildern einen Film zu machen?
Luksch: Als ich vor zwölf Jahren nach London gezogen bin, war ich schockiert über das Ausmaß der Videoüberwachung. Zudem wird es immer schwieriger mit der eigenen Kamera im öffentlichen Raum zu filmen. Tabu sind zum einen Stadtteile, die sich gänzlich im Besitz einer Immobilienfirma befinden wie die Docklands und auch Orte wie Spielplätze oder die Umgebung von Schulen, an denen die Angst vor Pädophilie groß ist.
Mit meinen Arbeiten will ich bewusst machen, dass wir ständig einen Kometenschweif an Daten produzieren. Ich will sie sichtbar, hörbar, einfach wahrnehmbar machen.
sueddeutsche.de: Um an die Bilder zu gelangen, haben Sie sich auf das britische Datenschutzgesetz berufen, das den Zugang zu allen Bildern erlaubt, auf denen man selbst zu sehen ist. War es schwierig, an das Material zu kommen?
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![]() 23.09.2008 16:55:23 Lars74: @iFriese: Der Gedanke ist mir auch direkt gekommen. Sollen möglichst viele Menschen auf Herausgabe des Materials bestehen, dann nimmt der Spuk ganz schnell ein Ende! ![]() ![]() Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage. |
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