Von Sarina Märschel

Nachdem bekannt geworden war, dass das Internetportal User-Daten gezielt für Werbung nutzen will, brach ein Sturm der Entrüstung los. Jetzt bemühen sich die StudiVZ-Betreiber darum, die Mitglieder zu besänftigen.

StudiVZGrossbild

Die Studentenplattform StudiVZ: "Wir werden niemals Nutzerdaten an Dritte verkaufen" (Foto: Screenshot)

Es wäre so schön gewesen: Die Mitglieder hätten einfach zwei Häkchen gesetzt und StudiVZ hätte endlich schwarze Zahlen geschrieben. Und dann sowas.

Das Studentenportal hatte geplant, ab Januar 2008 die persönlichen Daten der User gezielt für Werbung zu nutzen. Die vier Millionen User sollten den neuen Geschäftsbedingungen innerhalb von zwei Wochen zustimmen. In der elf Seiten langen Email informierte das Portal, das Anfang 2007 für 50 Millionen Euro von Holtzbrinck gekauft wurde, die Mitglieder über die Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Wer bis 9. Januar sein Häkchen nicht gesetzt hat, so die Grundidee, dem sperrt StudiVZ den Zugang zur Community.

Unter Punkt 5 der AGB sollte der Nutzer beispielsweise einwilligen, dass StudiVZ die bei der "Registrierung mitgeteilten Daten (z.B. Geschlecht und besuchte Hochschule, Studiengang/-richtung, Interessen, Clubs/Vereine, Musikrichtung/Bands, Lieblingsbücher/-filme etc.) nutzt, um gezielt personalisierte Werbung und/oder besondere Angebote und Services über das StudiVZ-Netzwerk zu präsentieren bzw. präsentieren zu lassen".

In Punkt 6 hätten die Nutzer zustimmen sollen, dass die Werbung auch auf anderen Wegen als über die Plattform zu ihnen gelangt. Die bei StudiVZ hinterlegten Informationen wie E-Mail-Adresse, Handy-Nummer und auch Instant-Messenger-Kennung sollten zum Werbeversand freigegeben werden.

Diese Geschäftsideen kamen bei den StudiVZ-Usern aber gar nicht gut an: In einer zweiten Email an die Mitglieder formulieren die Macher der Studentenplattform vorsichtig, dass sich auf die AGB-Ankündigung hin "bereits viele von euch gemeldet und uns damit ein wertvolles Feedback" gegeben hätten.

Das Internetportal rudert nun in zentralen Punkten zurück: "Wir haben beschlossen, die SMS- und Instant-Messenger-Werbung aus den Datenschutzerklärungen herauszunehmen. Diese Form der Werbung wird es damit bei studiVZ auch zukünftig nicht geben", schreiben die Betreiber in einer E-Mail an die StudiVZ-Mitglieder.

"Schutz persönlicher Daten ist das höchste Gut"

Außerdem sollen nun doch nicht alle sofort rausfliegen, die den neuen AGB nicht bis zum 9. Januar zustimmen: "Bis zum 31. März 2008 bleiben eure Profile für alle anderen Mitglieder sichtbar." Allerdings ist die Nutzung des Accounts ohne Zustimmung zu den neuen AGBs ab dem 9. Januar nicht mehr möglich.

"StudiVZ hat noch nie Nutzerdaten an Dritte verkauft und wird dies auch niemals tun", beruhigt das StudiVZ-Team in der E-Mail. Nach Angaben von Marcus Riecke, CEO von StudiVZ, war das jedoch sowieso nicht geplant: Das Netzwerk wolle keine Mitgliederdaten an andere Unternehmen verkaufen. Vielmehr führe man auf der Website das sogenannte Targeting ein: "Werbungtreibende können in Zukunft Merkmale auswählen wie Alter, Geschlecht, Wohnort/Uni-Standort und Studienfachrichtung und ihre Werbung gemäß dieser Kriterien steuern." Für die Mitglieder bedeute dies, dass "weiblichen StudiVZ-Mitgliedern zukünftig keine Werbung für Männerrasierkosmetik präsentiert wird". Die neuen Werbeformen seien deshalb notwendig, um StudiVZ weiterhin als kostenloses Portal betreiben zu können.

"Der Schutz persönlicher Daten unserer Mitglieder ist das höchste Gut unserer Community", erklärt Unternehmenssprecherin Christiane Biederlack sueddeutsche.de. "Das bringen wir durch die neuen AGB und Datenschutzregelungen ganz klar zum Ausdruck."

Für alle, die dem Portal nun trotzdem nicht mehr trauen, steht auch noch ein Satz in der Email: "Unabhängig von der Zustimmung zur Einführung der neuen AGB könnt ihr eure Profile im Übrigen jederzeit löschen, wenn ihr euch aus studiVZ exmatrikulieren wollt. Dann werden eure Daten sofort gelöscht und damit nicht weiter gespeichert".

(sueddeutsche.de/lala)

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