Von Helmut Martin-Jung

Eine kleine bayerische Firma hat einen Computer mit Tast-Oberfläche entwickelt - und macht damit Microsoft Konkurrenz.

Touchscreen, Lumin

Die bayerische Firma Lumin hat einen Computer mit Tastoberfläche entwickelt. Dieser soll vielleicht einmal in Klassenzimmern eingesetzt werden. (Foto: Lumin)

Das Schlag-Geräusch dröhnt durch das Bürogebäude wie Donner. Aus den Nachbarzimmern aber kommt niemand um zu sehen, ob es Wolfgang Herfurtner noch gut geht. Seine Mitarbeiter wissen, dass ihr Chef gerne mal mit der Faust auf eines seiner Displays drischt. Dass diese das aushalten, ist jedoch nicht einmal das Besondere an den Anzeigepulten. Die kleine bayerische Firma Lumin aus Hallbergmoos bei München hat ein Gerät mit berührungsempfindlicher Anzeige gebaut, das sich ohne Probleme von mehreren Personen gleichzeitig sehr intuitiv bedienen lässt. Dazu verträgt es auch noch problemlos Sonnenschein oder wechselnde Lichtverhältnisse. Und das ist etwas Besonderes.

Spätestens seit Apples iPhone ist das Interesse an sogenannten Multitouch-Oberflächen groß. Gemeint sind damit Bildschirme, die sich durch Bewegungen mehrerer Finger oder sogar von mehreren Personen gleichzeitig steuern lassen. Doch viele der Projekte haben Probleme wenn zu viele Finger auf der Oberfläche herumgrapschen, oder aber das System funktioniert nur in abgedunkelten Räumen mit gleichbleibendem Licht.

Darunter leidet beispielsweise das Projekt eines Dickschiffs der Branche, Microsofts Surface. Das in einen Tisch eingebaute System soll demnächst in einigen Läden des US-Telekommunikationsriesen AT&T aufgestellt werden, später sollen Hotellobbys und ähnliche kontrollierbare Umgebungen folgen. Ob es den Tisch, an dem seit 2001 ein großes Team unter großer Geheimhaltung geforscht hat, irgendwann auch für normale Kunden geben wird, das prüft der Konzern noch. Die Geräte von Lumin dagegen kann man sofort kaufen. Mit knapp 25000 Euro für ein Display mit 42-Zoll-Bildschirm sind sie zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber wesentlich billiger als vergleichbare Geräte, die der New Yorker Forscher Jeff Han über seine Firma Perceptive Pixels vertreibt.

Aufgebaut sind die Geräte alle ähnlich. Im Gehäuse stecken ein Computer, ein Videoprojektor sowie Infrarotlampen und eine oder mehrere Kameras. Durch Bewegungen der Finger auf der Bildschirmoberfläche lassen sich Objekte herumschieben, drehen, vergrößern oder verkleinern. Mit zwei Kunstgriffen umgeht Lumin die sonst störenden Einflüsse von Licht. Für das Erkennen der Hände verwendeten die Entwickler eine hochauflösende Kamera, die die Reflexionen mehrerer Infrarot-Quellen registriert. Deren Strahlung wird außerdem von einem optischen System aus Spiegeln und Filtern gelenkt.

Rahmen
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Rahmen

Lumins wichtigste Neuerung aber ist der ,,Bildschirm‘‘: Er besteht aus einer nur 50 Mikrometer starken Dünnschicht-Kunststofffolie aus optischen Polymeren, die straff über einen Rahmen gespannt wird und sehr reißfest ist.

So fest, dass sie vielleicht einmal in Klassenzimmern eingesetzt werden. Ein entsprechendes Projekt gibt es bereits. Mit einem Gerät von Lumin untersucht die University of Durham in Nordost-England, ob sich der Einsatz multimedialer Tisch-Geräte lohnen könnte. Ziel ist eine Art vernetztes Klassenzimmer, in dem der Lehrer sich jederzeit auf die Anzeige in seinem Pult holen kann, was ein oder mehrere Schüler gerade erarbeiten.

(SZ vom 09.04.08/sam)

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