Von Johan Schloemann

Google einigt sich mit amerikanischen Autoren und Verlagen: Mit 125 Millionen Dollar kauft sich die Firma von allen Urheberrechtsansprüchen frei.

Wer gedacht hätte, das Google-Universum sei nicht mehr ausdehnbar, weil es ohnehin schon die ganze Welt erfasst - der sieht sich getäuscht. Am Montag erst war bekannt geworden, dass die riesige New Yorker Verlagsgruppe Random House, die zum Gütersloher Bertelsmann-Konzern gehört, ihre Bücher nach langem Zögern der Online-Buchsuche von Google zur Verfügung stellen wird.

Das heißt nicht, dass man neue Bücher, die vom Urheberrecht geschützt sind, komplett gratis bei Google abrufen kann - aber man kann sie nach Stichworten durchsuchen und bekommt das Gesuchte dann zusammen mit einigen umgebenden Textseiten auf dem Bildschirm angezeigt. Dafür aber muss der Verlag die gesamte Textmasse der Bücher der kalifornischen Internetfirma übermitteln. Ältere Bücher aus kooperierenden Bibliotheken, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen, kann man sogar vollständig bei Google herunterladen.

Einigung mit Verlagen und Autoren

Nun haben sich nach jahrelangem Rechtsstreit in den USA Verlage, Autoren und Google auf eine erneute Erweiterung dieser neuartigen Online-Bibliothek geeinigt. Damit können Millionen zusätzlicher Bücher der beliebten Suchmaschine einverleibt werden.

Am Dienstag wurde in New York bekanntgegeben, dass die US-Autoren- vereinigung Author’s Guild, der Verlegerverband Association of American Publishers (AAP) und Google einen Vergleich geschlossen haben: Google wird an Autoren und Verlage 125 Millionen US-Dollar zahlen, ein Summe, die unter anderem der "Begleichung der bestehenden Forderungen von Autoren und Verlagen" dienen soll.

Dafür lassen die Author’s Guild und die Verlage ihre bisher anhängige Sammelklage gegen Google fallen. Diese Klage hatte der Praxis von Google gegolten, eingescannte Bücher jeweils nur dann nicht im Internet durchsuchbar zu machen, wenn der Rechte-Inhaber ausdrücklich widerspricht.

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Nichts geht ohne Google Der Daten-Moloch Rahmen
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Jetzt aber sieht die neue Vereinbarung vor, dass Google sich von den Urheberrechtsklagen gewissermaßen freikauft. Zum einen soll nun der Zugang zu nicht mehr im Buchhandel lieferbaren, aber noch dem Urheberrecht unterliegenden Büchern massiv erweitert werden. Solche Bücher sollen sämtlich in einer 20-Prozent-Vorschau einsehbar sein.

Außerdem wollen die Verlage und die Autorenvereinigung die Möglichkeit des Online-Kaufs von neuen, also urheberrechtlich geschützten Büchern, im Zuge des neuen Deals stark ausbauen. "Das bedeutet, dass eine Person ein vollständiges Buch an jedem internetfähigen Computer in den USA lesen kann, wenn sie die Zugriffsrechte für dieses Buch erworben hat‘‘, teilt Google mit.

Millionen Bücher abbonieren

Und Bildungseinrichtungen in den USA werden den Zugang zu Millionen Online-Büchern gegen Gebühr abonnieren können. Im Gegenzug will Google sich an der Vergütung für Autoren und Verlage beteiligen. "Dieses historische Abkommen", sagte der Chef des US-Verlegerverbands AAP, Richard Arnoff, "ist ein Sieg für alle." Die neue Vereinbarung betrifft zunächst nur den amerikanischen Markt.

Doch die weltweite Sogwirkung wird gewaltig sein. Schon jetzt sind auch viele europäische Bücher in der US-Version der Google-Buchsuche enthalten - ganz abgesehen davon, dass einmal digitalisierte Inhalte auch Gefahr laufen, in illegalen Tauschbörsen weitergegeben zu werden.

(SZ vom 29.10.2008/heh/mri)

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Leserkommentare (3)



28.10.2008 18:35:51

FaithFux:

Stimmt MKA, es wäre viel besser, einen einzigen Staatsverlag zu haben, der alle Bücher veröffentlicht, ausgenommen natürlich die von Klassenfeinden nach Eigendefinition!


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet





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