Von Johan Schloemann

"Strategisches Investment" und "Win-win-Situation" - wie sich die weltgrößte Suchmaschine unaufhaltsam Bücher einverleibt.

Google, APGrossbild

Die Manager der Google-Buchsuche sprechen von einem "strategischen Investment". (Foto: AP)

Der Größte hat gut lachen. Die Suchmaschinenfirma Google hat gerade, am Mittwochabend, eine Telefonkonferenz mit einigen europäischen Journalisten veranstaltet. Aus der Zentrale in Kalifornien zugeschaltet waren unter anderen der Direktor der Online-Buchsuche, die seit dem Jahr 2004 Millionen von Büchern aus amerikanischen und europäischen Bibliotheken und Verlagen in das Google-Universum inkorporiert hat, sowie der Chefjurist des Unternehmens für Urheberrechtsfragen.

Als nun aus dem alten Europa gefragt wurde: "Werden Sie eigentlich mit der Buchsuche jemals Geld verdienen?", da knackte es kurz in den transatlantischen Leitungen, und dann schallte von den jungen Managern in Mountain View bei Santa Clara ein lautes, helles Gelächter herüber.

Dieses Lachen gilt der Tatsache, dass, wer so fragt, nach Auffassung der Macher das Google-Prinzip gar nicht verstanden hat. Denn gewiss versieht Google die Treffer aus neuen, also urheberrechtlich geschützten Büchern - die deswegen nur in Ausschnitten angezeigt werden - mit Werbe-Links, also Anzeigen, und profitiert auch von der Kooperation mit den Verlagen und den Online-Buchhändlern, zu denen die Nutzer zum Kauf des gesamten Buches weitergeleitet werden, ob nun der Print-Version oder bald auch des E-Books.

Das ist das sogenannte Partnerprogramm, an dem inzwischen über 20.000 Verlage aus aller Welt teilnehmen. Aber ist schon hier der Aufwand des Scannens und Durchsuchbarmachens nach Auskunft von Google größer als die Einnahmen, so gilt dies ganz sicher für die Millionen von urheberrechtsfreien, also komplett zugänglichen älteren Büchern, die aus den Beständen von Bibliotheken eingelesen werden: Bei Treffern aus diesen Büchern schaltet Google keine Werbung; die Kosten des Projekts müssen immens sein, auch wenn Google keine Zahlen nennt.

Alles ganz einfach

Die Buchsuche mag also für sich genommen derzeit nicht profitabel sein, aber nach dem Google-Prinzip muss sie es auch nicht sein: Google ist insgesamt einfach derart riesig, dass sich das Scannen von Büchern schon allein zu dem Zweck rechnet, dass sich die Qualität und Vielfalt der Suchergebnisse dadurch erhöht - und man deswegen bei Google sucht und nicht irgendwo anders, was wiederum das Inserieren bei Google attraktiver macht.

Daher sprechen die Manager der Buchsuche von einem "strategischen Investment", das "einfach" aus der Mission folge, "sämtliche Informationen der Welt online verfügbar zu machen". Google will sich schlicht auf allen Feldern des Wissens betätigen - jetzt auch verstärkt im Nachrichtengeschäft.

Solche Internet-Polymathie wäre für Google und die Buchbranche, die auf diese Weise neue Vertriebswege gewinnt, ein "Win-win" - wäre da nicht das Problem, dass die Inhaber der Urheberrechte nicht vor dem Einscannen der Bücher um Erlaubnis gefragt wurden, sondern nur nachträglich Einspruch erheben dürfen. Den Vergleich, den kürzlich US-Verleger und -Autoren mit Google geschlossen haben und über den ein New Yorker Gericht am 5. Mai befinden will, wollen die europäischen Rechteinhaber nicht unbesehen hinnehmen. Ein Hauptstreitpunkt sind die vergriffenen, also nicht mehr lieferbaren Bücher, die noch dem Urheberrecht unterliegen.

Google versicherte jetzt, man sei mit allen relevanten europäischen Organisationen von Rechte-Inhabern im Gespräch. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sagte jedoch der SZ, mit ihm, dem Verband der deutschen Verlage, habe Google noch keine Gespräche in dieser Sache aufgenommen. Vielleicht sieht man sich im Mai vor Gericht wieder.

(SZ vom 21.03.2009/mri)

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