Von Mirjam Hauck

StudiVZ-User müssen ab 2008 neuen Geschäftsbedingungen zustimmen: Das Internetportal will ihre persönlichen Daten gezielt für Werbung nutzen.

Marcus Riecke, CEO von StudiVZ, informierte die Nutzer per E-Mail über die neuen Geschäftsbedingungen. Foto: StudiVZ

Das Studentenportal StudiVZ kann sich über mangelnden Zulauf nicht beschweren. Als die Website im Juli zum ersten Mal von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erfasst wurde, kam das Portal auf über drei Milliarden Page-Impressions. Damit setzte sich StudiVZ an die Spitze der PI-Charts - noch vor T-Online. Dennoch machte die Studenten-Community im Juli noch Verluste. Das will das Unternehmen jetzt ändern. Zum einen verkauft es inzwischen Nacktkalender mit Bildern seiner schönsten Mitglieder, zum anderen sollen die über vier Millionen Nutzerdaten gewinnbringend eingesetzt werden.

Seit dem 13. Dezember erhalten die Nutzer eine E-Mail. In elf Seiten informiert das Portal, das Anfang 2007 für 50 Millionen Euro von Holtzbrinck gekauft wurde, die Mitglieder über die Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Zwischen dem 20. Dezember und dem 9. Januar sollen die Mitglieder nun die E-Mail gelesen haben und den neuen AGBs zustimmen. Wer das nicht tut, für den sperrt StudiVZ den Zugang zur Community.

Unter Punkt 5 der AGB willigt der Nutzer besipielsweise ein, dass StudiVZ die bei der "Registrierung mitgeteilten Daten (z.B. Geschlecht und besuchte Hochschule, Studiengang/-richtung, Interessen, Clubs/Vereine, Musikrichtung/Bands, Lieblingsbücher/-filme etc.) nutzt, um gezielt personalisierte Werbung und/oder besondere Angebote und Services über das StudiVZ-Netzwerk zu präsentieren bzw. präsentieren zu lassen".

Werbung auf die E-Mail-Adresse

In Punkt 6 müssen die Nutzer zustimmen, dass die Werbung auch auf anderen Wegen als über die Plattform zu ihnen gelangt. Die bei StudiVZ hinterlegten Informationen wie E-Mail-Adresse, Handy-Nummer und auch Instant-Messenger-Kennung können zum Werbeversand freigegeben werden. Dieser Regelung kann der Nutzer aber in den Datenschutz-Bestimmungen widersprechen.

Laut Marcus Riecke, CEO von StudiVZ, verkauft das Netzwerk aber keine Mitgliederdaten an andere Unternehmen. Vielmehr führe man auf der Website das sogenannte Targeting ein: "Werbungtreibende können in Zukunft Merkmale auswählen wie Alter, Geschlecht, Wohnort/Uni-Standort und Studienfachrichtung und ihre Werbung gemäß dieser Kriterien steuern." Für die Mitglieder bedeute dies, dass "weiblichen StudiVZ-Mitgliedern zukünftig keine Werbung für Männerrasierkosmetik präsentiert wird". Die neuen Werbeformen seien deshalb notwendig, um StudiVZ weiterhin als kostenloses Portal betreiben zu können.

"Der Schutz persönlicher Daten unserer Mitglieder ist das höchste Gut unserer Community", erklärt Unternehmenssprecherin Christiane Biederlack sueddeutsche.de. "Das bringen wir durch die neuen AGB und Datenschutzregelungen ganz klar zum Ausdruck."

Dass das Internet nichts vergisst, davor warnen Datenschützer und Wissenschaftler seit langem. StudiVZ lebt das in seinen neuen Geschäftsbedingungen konkret vor: Punkt 3.3 der neuen AGB erklärt, dass, wenn man aus dem Netzwerk aussteigt, zwar der Account mit den persönlichen Daten nicht mehr zugänglich sei, dafür aber alle Beiträge, die der "Nutzer öffentlich zugänglich gemacht hat".

Spätestens jetzt sollten sich Studenten zweimal überlegen, ob StudiVZ der richtige Ort ist, um sich über sexuelle Vorlieben oder Trinkgewohnheiten auszutauschen.

(sueddeutsche.de/bön)

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Leserkommentare (41)



14.12.2007 18:58:43

ebertus: Das sind die Bedingungen dieser Online-Communities

Wir haben es hier ja auch hingenommen, sind ja nicht blauäugig. Nun aber gar noch die Kommentierungszeiten einzuschränken, stark einzuschränken geht zu weit.

Für weitere Informationen bzw. Alternativen besuchen Sie bitte mein Gästebuch.

Hier ansonsten Tschüss bis Montag, 08:00 Uhr


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