Von Helmut Martin-Jung

Google will mit seinem Betriebssystem Android völlig neue onlinefähige Handys hervorbringen. Bereits nächsten Montag soll die erste Version zum Herunterladen bereit stehen.

Google arbeitet an einem neuen Betriebssystem für Handys. (Foto: AP)

Noch muss sich John Wang zur neuen Technik bedeckt halten. "Das Betriebssystem Android wird eine völlig neue Kategorie von onlinefähigen Geräten hervorbringen", schwärmt der Marketing-Mann des koreanischen Handyherstellers HTC daher etwas unpräzise. Das vom Internetgiganten Google vorgestellte Projekt einer universellen Betriebssoftware für Mobiltelefone aber hat tatsächlich Potential.

Die Multifunktionsgeräte, die viele Menschen in der Tasche tragen, sind zwar längst Computer. Die hochtechnisierten Telefone wissen wie ein Navigationsgerät, wo es langgeht, gehorchen der Stimme ihres Besitzers und machen auch den entferntesten Ort zum Büro.

Aber so fortgeschritten die Geräte technisch auch sein mögen, in einem Punkt lassen sie ihre Besitzer dort stehen, wo sich das Internet am Anfang der neunziger Jahre befand: in einem Labyrinth verschiedenster Standards. Was das eine Gerät aufnimmt, mit dem kann das andere nichts anfangen. Und so mancher Handynutzer verzweifelt, wenn er sich wieder einmal durch den Wust an Einstellungen für eine Internetverbindung quält.

So konnte das mobile Internet nicht auf die Beine kommen. Und einem Konzern wie Google konnte das nicht gefallen. Schon lange war man daher im kalifornischen Mountain View, dem Hauptsitz des Internet-Konzerns, sehr unzufrieden.

"Zweieinhalb Milliarden Handynutzer weltweit"

Vor allem darüber, wie schwer es für die Benutzer mobiler Geräte war, all die vielen Dienstleistungen im Internet zu nutzen, die Google nach immer dem gleichen Muster bereitstellt: Gib den Nutzern kostenlos, was sie wollen, und mache das Geld mit Werbung. Und was für ein Markt das ist, auf den Google da schielt! "Weltweit gibt es zweieinhalb Milliarden Handynutzer", sagt Ken Dulaney, bei der Beratungsfirma Gartner Group für die Mobilsparte zuständig, das sind doppelt so viele, wie das schnurgebundene Internet nutzen.

Schon aus diesem Grund ist Googles Initiative sinnvoll, mit Hilfe einer weltweiten Gemeinde von Programmierern aus der Welt der frei verfügbaren Software ein universelles Betriebssystem zu schaffen.

Das soll es erheblich leichter machen als bisher, all die Angebote einzubauen, mit denen sich Google heute schon bei vielen PC-Nutzern unverzichtbar gemacht hat - vom Mail-System über den Computer-Atlas Google Earth bis hin zum weltweit abrufbaren Terminkalender. Google-Chef Eric Schmidt spekulierte in der Vergangenheit sogar, Handywerbung könnte kostenloses Telefonieren ermöglichen.

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