Der Hype um virtuelle Welten wie Second Life hat sich längst gelegt. Doch jetzt warnt ein EU-Terrorexperte vor ganz realen Gefahren im Cyberspace.

Terroristen bei der Geldwäsche? Zwei Avatare in Second Life (Screenshot: Linden Labs)

Der EU-Koordinator für die Terrorismusbekämpfung warnt vor den Gefahren einer Geldwäsche in virtuellen Welten. In seinem jüngsten Vermerk zur Strategie gegen die Finanzierung von Terrortaten stellt der EU-Beauftragte Gilles de Kerchove fest, neue Zahlungsmethoden und alternative Überweisungssysteme seien anfällig für die Finanzierung terroristischer Aktivitäten.

"Außerdem wurden 2006 schätzungsweise über eine Milliarde US- Dollar für Waren und Dienstleistungen in digitalen beziehungsweise virtuellen Gemeinschaften (z.B. secondlife.com) ausgegeben", heißt es in de Kerchoves 19-seitigem Papier.

"Da diese Gemeinschaften eine noch größere Anonymität bieten können und Gewinne in die reale Welt zurückübertragen werden können, zum Beispiel durch elektronische Geldtransfers, könnten sich aus dem Missbrauch dieser Webseiten Gefahren der Terrorismusfinanzierung ergeben.“

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Bildstrecke Leben in "Second Life" Rahmen
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Der Anti-Terrorbeauftragte dringt in dem Dokument, das die EU- Innenminister bereits vor knapp zwei Wochen gebilligt haben, auf einen besseren Datenaustausch der Fahnder auf nationaler und europäischer Ebene sowie mit Drittstaaten. "Rechtliche Hindernisse sollten beseitigt werden, ohne die Grundsätze des Datenschutzes zu gefährden", empfiehlt de Kerchove.

Die Innenminister der 27 EU-Staaten hatten Anfang Juli bereits über ein Strategiepapier beraten, das unter anderem einen besseren Zugriff von Terrorfahndern auf Daten zu internationalen Banküberweisungen fordert. Der Bundesrat billigte kürzlich eine Gesetzesänderung, wonach außer Banken und Finanzdienstleistern auch Immobilienmakler und Steuerberater bei Bargeschäften von über 15.000 Euro grundsätzlich die Identität des Kunden überprüfen müssen.

Der EU-Experte betont die "rasanten technischen Entwicklungen“ bei neuen Zahlungsmethoden wie Guthabenkarten und Zahlungen per Internet und Mobiltelefon. De Kerchove schlägt deshalb vor zu überprüfen, ob die Analyse der Financial Action Task Force (FATF) vom Oktober 2006 "noch Bestand hat oder ob durch den Missbrauch neuer Zahlungsmethoden die Risiken der Terrorismusfinanzierung und der Geldwäsche zunehmen könnten“. Die FATF konzentriere sich derzeit auf das Reinwaschen illegal erworbenen Geldes im Handel.

"Für die Terrorismusbekämpfung ist es unerlässlich, die Netzwerke der Terrorismusfinanzierung aufzubrechen, abzuschrecken und zu zerschlagen“, schreibt der EU-Experte. In diesem Zusammenhang fordert de Kerchove Maßnahmen auf EU-Ebene gegen den Missbrauch gemeinnütziger Einrichtungen“ für diese Zwecke. Der Ministerrat habe dazu im Dezember 2005 zwar fünf Grundsätze beschlossen, doch davon abgesehen "wurden kaum Fortschritte erzielt“, mahnt de Kerchove.

(dpa/mri)

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Leserkommentare (3)



07.08.2008 15:44:14

Haerpfer: Ein Geldwäscher packt aus Teil 2

„Auch

Strafverfolger und Dienste brauchen schwarze Kassen und somit Bargeld“,

stellt er fest. Es sei weltweit bei allen Nachrichtendiensten üblich,

Mitarbeiter zu kriminellen Geschäften zu bringen, berichtet er auf

Anfrage. Der Fachmann erinnert sich, dass er in seiner ganzen Zeit als

Geldwäscher nie kontrolliert worden sei. So habe er buchstäblich

Kistenweise Bargeld verschoben. Der Zoll habe stets weggesehen.

Ernüchternd berichtet er von einem Einsatz gegen Geldwäscher, die gestoppt

wurde, weil die Geldwäscher für die CIA gearbeitet haben. „Was ich nicht

wusste, war, dass die größte, am längsten bestehende Geldwäsche einen

Schutzengel hatte: die CIA“, erinnert sich Rijock. „Acht der zwölf

Direktoren der Geldwäsche-Firma hatten Kontakte zur CIA, sei es als

frühere Mitarbeiter, Verbindungsleute oder Quellen, oder als direkte

Mitarbeiter. Es war die CIA, die unsere Ermittlungen stoppte – aus Gründen

der „nationalen Sicherheit“, wie es hieß.“

Wenn aber Geldwäsche im staatlichen Auftrag geschieht, gegen wen werden

dann Geldwäschegesetze wirklich angewendet?


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