Von Susanne Härpfer und Jörg Donner

In Zukunft kann man möglicherweise am Flughafen keinen Schritt mehr tun, ohne von Kameras verfolgt zu werden. Ein Funk-Chip im Ticket überwacht bald jede Bewegung.

Wird Optag eingesetzt, müssen Passagiere mit ständiger Überwachung rechnen. Foto: iStockPhoto

Jeder Schritt des Mannes ist auf dem Monitor zu sehen: der Weg vom Check-in Schalter durch die Sicherheitsschleuse, von der Toilette zum Duty-Free-Bereich. Keine Bewegung bleibt unbeobachtet. Kameras zeichnen auf, wo er stehen bleibt und was er tut. Sie filmen unbemerkt, ob er sich für Zeitschriften interessiert oder für Kosmetika, ob er nervös ist oder entspannt.

Was vor kurzem an einem kleinen Flughafen in Ungarn in einer Pilotphase getestet wurde, könnte schon bald Wirklichkeit an jedem Flughafen werden.

Dann nämlich, wenn „optag“ eingeführt werden sollte. „Optag“ – das steht für „optical tag“, was mit „optische Plaketten“ richtig und verkürzt zugleich übersetzt wäre.

Bei optag handelt es sich um ein System aus so genannten RFID-Chips (Radio Frequency Identification), die von Kameras geortet werden und den Träger verfolgen. RFID-Chips sind dünn wie ein Tesa-Film, können überall untergebracht werden und dienen vor allem der Warenverfolgung. Der Chip sendet eine eindeutige und weltweit einmalige Nummer, über die sich die Herkunft von Produkten leicht feststellen lässt.

Der gläserne Passagier

Durch die Möglichkeit der Ortung dieser Funksignale ist RFID aber auch in anderen Einsatzgebieten interessant. Weil die Chips neben ihrer Nummer andere Daten speichern und senden können, also beispielsweise Name und Alter eines Käufers oder eines Reisenden, bieten sie sich beispielsweise für die Ermittlung von Kundenprofilen oder eben für Sicherheitsbehörden am Flughafen an.

Kritiker befürchten durch die Chips den „gläsernden Kunden“, wenn die Daten unbemerkt von versteckten Lesegeräten ausgelesen werden - einschließlich Kaufkraft und sogar Passdaten, sobald erst einmal auch Personalpapiere mit RFID-Chips versehen sind.

In Ungarn lief bis vor kurzem auf dem Flughafen Debrecen ein Test, wie Flugpassagiere künftig vom Einchecken bis zum Betreten des Flugzeugs unter Beobachtung stehen könnten. Dazu werden Bordkarten mit optags versehen, die Funkchips senden auf der Frequenz von 5,8 Gigahertz zweimal in der Sekunde die Kennung jedes Passagiers an Antennen.

Computer ermitteln daraus die aktuelle Position, die an das Videosystem des Flughafens übermittelt wird. Mittels Kameras lassen sich die Passagiere dann erfassen und kontrollieren.

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