Von Mirjam Hauck und Christian Kortmann

Spätestens Ende März kommt Facebook nach Deutschland - um seinem Nachahmer StudiVZ zu zeigen, wie man mit der Community Geld verdient. Wir trafen Facebook-Vize Matt Cohler.

Matt Cohler, Facebooks Vize. (Foto: DLD)

Das Internet kann man zwar nicht in Regale stellen, aber man bräuchte ja auch keine Bücher, wenn man sich ohne Vorwand jedes Jahr in Frankfurt zu einer sexy Messe treffen könnte. Burdas Digital Lifestyle Day (DLD) in München ist Form und Inhalt zugleich: Movers und Shakers wuseln auf fünf Etagen durcheinander und denken über das Internet von morgen nach. In dieser Atmosphäre scheint zwischen visionärem Businessplan und gigantischem Geschäftserfolg tatsächlich nur ein Mausklick zu liegen.

Auch Matt Cohler, Vizepräsident der amerikanischen Studentencommunity Facebook, ist angereist und hat aus dem Silicon Valley einen ordentlichen Jetlag mitgebracht. In der Nacht zuvor hat er kein Auge zugetan. Jetzt sitzt der 30-Jährige im Séparée eines Münchner Nobelhotels und trinkt Cappuccino und Cola.

Deutschland ist für ihn ein potentieller Wachstumsmarkt und bislang eine einzige ungenutzte Chance. Denn StudiVZ, der mittlerweile im Besitz des Holtzbrinck-Verlagsgruppe befindliche deutsche Facebook-Nachahmer, ist erfolgreich. Zumindest was die Klickzahlen angeht. Millionen Nutzerzugriffe stehen aber bescheidene Einnahmen gegenüber. Nach eigenen Angaben ist StudiVZ noch nicht profitabel.

Oberflächliche Ähnlichkeiten

"Ich weiß auch nicht, was sie falsch machen", sagt Matt Cohler, nippt am Cappuccino und lehnt sich im Sessel zurück. "Vielleicht gibt StudiVZ zu viel Geld für anderes aus. Genug Werbung haben sie jedenfalls auf den Seiten." Damit kennt er sich aus. Denn die von Microsoft vermarktete Anzeigenwerbung ist Facebooks Haupteinnahmequelle. Sowieso lässt Cohler sich von Kopisten nicht verunsichern - die Ähnlichkeiten seien meist nur oberflächlich. Im Kern sei sein Produkt allen anderen überlegen.

Von amerikanischen Jungunternehmern kann man nicht nur etwas über den unerschütterlichen Glauben ans eigene Produkt lernen, sondern auch, wie man eine Interview-Situation in eine Werbeveranstaltung in eigener Sache verwandelt. Dafür ist Matt Cohler nach Deutschland gekommen: Was liegt bei einem gut laufenden Businessmodell näher als die Expansion?

Die im englischsprachigen Raum unangefochtene Community plant die Internationalisierung. Als wichtigster Markt wird Deutschland zuerst beglückt. "Spätestens bis Ende März sind wir am Start", sagt Cohler. Und schon hat seine Assistentin den Laptop angeworfen und präsentiert den Prototyp von facebook.de.

Bei der Übersetzung der Inhalte vertraut Facebook auf die User. Das heißt, so recht will man Cohler nicht glauben, dass er für Übersetzung von Begriffen wie "Fotoalbum" und "Telefonnummer" die Hilfe der Nutzer gebraucht hat. Dafür würde selbst sein eigenes Deutsch ausreichen. Die nicht honorierte Mitarbeit soll den Usern wohl einfach das Gefühl geben, gebraucht zu werden und sie damit stärker an das Produkt binden. Für den berühmten Poke-Begriff, für den StudiVZ den Neologismus "gruscheln" schuf, bietet es sich hingegen an, die Weisheit der Vielen zu bemühen.

Das Einfachste wäre es für ihn natürlich, den Begriff von StudiVZ zu übernehmen und die Firma gleich mit dazu. Das will Cohler für die Zukunft sogar nicht ausschließen. Ob er mit dem Eigentümer Stefan von Holtzbrinck schon darüber geredet hat? Beim DLD sind sie sich über den Weg gelaufen. Und das ein oder andere Web-2.0-Start-up stellt man sich dann doch ganz gerne als Trophäe ins Regal.

(sueddeutsche.de/bön)

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Leserkommentare (2)



23.01.2008 16:04:28

magnuson: @Donnrschlag Selten so gelacht...

bei einem Kommentar :o)

Ich warte dann auch bis zum Wochenende


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