Von Simon Feldmer

Von Politik 2.0 wenig Spur: Die politische Debattenkultur ist in Deutschland bisher nicht im Internet angekommen.

Der Blog von Robert Basic (Screenshot: Quelle Basicthinking)

Neulich kam Robert Basic ins Nachdenken. Deutschlands Spitzen-Blogger war auf einer Bloggerkonferenz in Berlin. Zwischen vielen Fragen über das Bloggen an sich berichtete der Amerikaner Brian Conley über sein Internet-Projekt "Alive in Baghdad". Conley gibt irakischen Bürgern eine Stimme, lässt sie im Netz erzählen vom Leben in täglicher Angst in einer zerstörten Stadt. Die Geschichten in dem Videoblog drehen sich um Öl, um das Aufbauen zerstörter Häuser oder die Rechte von Frauen im Irak. Basic schrieb dazu: "Was ich daraus mitnehme, ist die Frage, ob ich wirklich genug aus den Möglichkeiten mache, die das Netz heute bietet, sich einzusetzen. Menschen wie Brian beschämen einen."

Von seiner Heimatstadt Usingen in Hessen nach Bagdad aufgebrochen ist Basic seitdem nicht. Auf "Basicthinking" geht es weiter, oft prägnant, über das Internet, das Bloggen und andere Fragen. Mehr als 8000 Leser kommen am Tag vorbei, Basics Weblog ist einer der meist besuchten im Land. Außerhalb der Internetwelt bekannt ist er nicht. Blogger in anderen Ländern genießen mehr Prominenz.

Dabei ist der studierte Betriebswirt einer, der sich Gedanken macht. Fragt man den 41-Jährigen ein paar Tage nach seinem Berlin-Ausflug zum Stand der deutschen Blogkultur, zu deren politischer und gesellschaftlicher Relevanz, sagt er: "Wir spiegeln auf Blogs das, was die Kultur und Traditionen einer Gesellschaft ausmacht. Und indem wir untereinander agieren, entsteht ein ungemein sichtbares, nachvollziehbares und stetig in sich vernetzteres, gesellschaftliches Miteinander." In der sogenannten Blogosphäre gibt es Stimmen, die den Ball deutlich flacher halten.

"In der allgemeinen Wahrnehmung sind Blogs bisher nicht angekommen", sagt Mario Sixtus. Der Düsseldorfer Journalist zieht als Elektrischer Reporter durch die Welt des Internets, dreht kurze, sehenswerte Filme über die Veränderungsprozesse im Netz. Zwar gebe es durchaus eine politische Dimension von Blogs, die beziehe sich aber vorwiegend auf Fragen der Netzpolitik, auf Datenschutz oder die Diskussion um Vorratsdatenspeicherung.

"Unpolitische Grundhaltung"

Aber weshalb gibt es in Deutschland kaum eine Blogger-Stimme, die dezidiert Position bezieht? Ein Weblog, das soziale oder globale Themen so diskutiert, dass sie auch außerhalb des Bildschirmformates wahrgenommen werden? Von rechtslastigen Seiten wie dem Anti-Islam-Leitblog Politically Incorrect (PI) mal abgesehen. Sixtus sagt: "Das Bloggen ist ein Spiegel der allgemeinen gesellschaftlichen Entpolitisierung." Die unpolitische Grundhaltung liege auch daran, dass ein Großteil der Politiker keinen Bezug zum Internet habe. "Da gibt es eine Sprach- und Diskussionsbarriere", vermutet Sixtus und verweist auf Frankreich und Amerika, wo es eine ganz andere Debattenkultur gäbe.

Ist also wieder mal die Politik selber schuld, dass sich im Internet nur wenige mit ihr beschäftigen wollen? Der Videopodcast von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der wöchentlich im Stile einer gesprochenen Pressemitteilung ins Netz gestellt wird, kann diesen Eindruck jedenfalls nicht widerlegen. Die Versuche von SPD-Chef Kurt Beck, mit einem Kanal auf der Videoseite YouTube Jungwählernähe zu simulieren, ziehen in den dazugehörigen Kommentarforen mehr Häme als politisches Interesse auf sich. Ein bisschen Video hier, ein bisschen Community da - zumindest außerhalb von Wahlkampfzeiten ist das Internet für Parteistrategen ein wenig aus dem Fokus geraten. Sowohl Blogger wie Politiker scheint Politik im Netz nicht sonderlich zu interessieren.

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Leserkommentare (4)



21.04.2008 09:56:05

Jeeves:

Auch Gregor Keuschnigs Blog ist alles andere als unpolitisch:

http://begleitschreiben.twoday.net/

Und Stefan Niggemeier sowieso...


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