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Die Zukunft des Internet
23.01.2007, 12:10
Digital, Lifestyle, Design - unter diesem Motto steht der Burda-Kongress in München (Logo: DLD)
Man kann gar nicht schnell genug im Sprecher-Katalog blättern. Ständig laufen einem beim Kongress "Digital Lifestyle Design" wichtige oder interessante Menschen über den Weg. Der Mann gerade eben, das war doch Nicholas Negroponte?
Und hier, ganz ins Gespräch vertieft, Caterina Fake, Mitbegründerin von Flickr, und Craig Newmark, Gründer der Kleinanzeigen-Seite Craigslist.com. Aus den Augenwinkeln sieht man gerade noch Xing-Gründer Lars Hinrichs ums Eck verschwinden, StudiVZ-Vorstand Ehssan Dariani lehnt am Stehtisch nebenan.
Die Teilnehmerliste des Events in München ist lang und eindrucksvoll. Unter den Gästen sind einige, die den Begriff "Web 2.0" geprägt, kleine Revolutionen im Internet angezettelt oder die Entwicklung mobiler Kommunikaiton massgeblich beeinflusst haben. Dazwischen tummeln sich Blogger aus ganz Europa und den USA, mehr oder weniger erfolgreiche Start-Up-Unternehmer, Firmenvorstände auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen und Journalisten der meisten on- und offline-Medien.
Gastgeber Hubert Burda schlängelt sich durch die Massen, schüttelt Hände, nickt Leuten zu. Und hin und wieder schaltet er sich auch in die Dikussionsrunden auf der Bühne ein. So wie bei der Runde "Where are the editors?", als es darum geht, wer in Zukunft für die Inhalte im Netz sorgen wird und wie es mit den Tageszeitungen und Magazinen weitergeht. "Ich glaube daran, dass es auch in Zukunft Zeitungen und Magazine geben wird", sagt er, und verleiht damit der Hoffnung vieler Anwesender Ausdruck.
Das wichtigste aller Themen steht bereits am ersten Tag des Kongresses auf dem Programm: "The Future's Future", die Zukunft der Zukunft. Obwohl die anderen Diskussionsrunden andere Themen vorgeben, dreht es sich in allen Gesprächen hauptsächlich um diese zentrale Frage: "Wie sieht das Internet und die Kommunikation in Zukunft aus?" Wahrscheinlich gibt es niemanden unter den Anwesenden, der nicht gerne darauf die Antwort wüsste.
Niklas Zennström, Gründer von Skype und Kazaa, will sich da nicht so richtig festlegen. Natürlich, sagt er, werde es in den kommenden fünf bis zehn Jahren neue Firmen im Internet geben, die schnell wachsen. Noch schneller als YouTube sogar, vor allem die Kommunikation mit den Kunden werde durch das Internet wesentlich beeinflusst. Aber das ist ja nun kein Geheimnis. Die große Entwicklung der vergangenen Jahre sieht Zennström auch nicht im Web 2.0 ("Was ist das eigentlich, Web 2.0?"), sondern in der Infrastruktur, die nun endlich die Grundlage für ein zukünftiges Internet sei.
Für Caterina Fake ist das ominöse Web 2.0 ebenfalls keine wirkliche Neuentwicklung, eher eine "Rückkehr zu den Wurzeln des Webs", der Kommunikation mit Menschen. "Die Dotcom-Ära hat überschattet, worum es eigentlich immer ging: das Kommunizieren, Teilen, zur Verfügung stellen." Mit dem sogenannten Web 2.0 würde man sich auf diese Dinge besinnen.
Ganz ähnlich sieht das in einer anderen Runde Tariq Krim, Gründer von Netvibes, einem Angebot, das dem Nutzer die Möglichkeit gibt, seine eigene Startseite zu gestalten. Ganz nach Wunsch kann er hier beliebige Nachrichtenquellen einfügen und Inhalte anderer Seiten einbinden. Für Krim besteht die Geschichte des Internets aus drei Punkten. "Die erste Phase war die Freiheit der Daten", sagt er. Die grundsätzliche Verfügbarkeit sämtlicher Informationen, zu jeder Zeit, von überall sei der Grundgedanke des Internets gewesen.
"Phase zwei erleben wir gerade", sagt Krim, "das ist die Freiheit der Applikationen." Damit meint er die Möglichkeit zum Datenaustausch aufgrund von offenen Standards und Schnittstellen. Phase drei stehe uns demnach bevor: "Die Freiheit der Nutzer". In Zukunft hätte jeder die Freiheit, selbst zu bestimmen, wann, wo und wie er bestimmte Informationen empfangen könne. Die Zukunft des Internets bezeichnet er als "das Ende der Webseite". Inhalte, wie wir sie kennen, seien zu statisch, statt dessen wären dynamische Inhalte nach Vorliebe der Nutzer gefordert. Dazu müssten die Inhalte jedoch "sexier" werden, einzeilige Nachrichtenticker würden nicht mehr genügen.
Für mehr Vertrauen gegenüber der Netz-Gemeinschaft wirbt Craig Newmark, der "Zeitungs-Killer", wie ihn Moderator Jochen Wegner gerne nennt. Mit Kleinanzeigen im Internet hat Craigslist.com eine der wichtigsten Einnahmequellen von Zeitungen zum Versiegen gebracht. Einen wesentlichen Anteil daran hätten die Nutzer selbst: "Wenn man den Usern, der Gemeinschaft vertraut, sorgen sie eigenständig für Ordnung", sagt Newmark. So würden Störer schnell identifiziert, Einträge mit dubiosen Hintergründen gefunden und beseitigt. "Ich glaube daran, dass die Menschen grundsätzlich gut sind", sagt Newmark. Mit seiner Seite verdient er zwar sicher nicht schlecht, aber die Frage, ob er nicht verkaufen will, ruft bei ihm nur Unverständnis hervor.
Bei vielen anderen stellt sich das Problem der Finanzierbarkeit indes sehr wohl. Besonders professionelle Blogs sehen sich dem Dilemma ausgesetzt, Werbung schalten zu müssen und möglicherweise gleichzeitig ihre Auftraggeber an den Pranger zu stellen. Letztendlich wissen die Profis auf dem Podium auch keine Antwort auf die Frage, welche Möglichkeiten außer Werbung für den Profit zur Verfügung steht. Werbebanner wird es demnach noch lange geben. Wie schon zu Beginn des Internets.
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