Von Helmut Martin-Jung

Wer mit seinem Rechner Strom sparen will, muss nicht gleich den Netzstecker ziehen: Virtualisierung macht Computer effektiver und senkt die Energiekosten.

Rechenzentren sind wahre Stromfresser, allein in den USA laufen fünf Kraftwerke der 1000-Megawatt-Klasse nur, um die Energie für Computerfarmen zu liefern. Nicht zuletzt deshalb tritt eine Technik mehr und mehr in den Vordergrund, die verspricht, die teure Hardware erheblich besser auszunutzen - Virtualisierung.

Dabei wird Anwendungen wie etwa einer Datenbank vorgegaukelt, sie hätte direkten Zugriff auf die Ressourcen eines Computers, auf dessen Hauptprozessor etwa oder den Speicher. In Wirklichkeit aber legt die Virtualisierungssoftware lauter kleine Computer im Computer an. Die Programme greifen nicht über ihr Betriebssystem direkt auf die Hardware des Computers zu, sondern haben es mit einer Art Verwalter zu tun.

Dieser sogenannte Hypervisor ist der eigentliche Herrscher über die Rechenkraft des Computers, und er kann vielen Herren dienen. Die Folge: Auf einem einzigen Gerät in einem Rechenzentrum kann nicht nur ein einziges Programm laufen, etwa eine Datenbank, sondern eine ganze Menge anderer Anwendungen, von denen jede sich so verhält, als hätte sie den Computer alleine für sich. Tatsächlich aber bekommt sie vom Hypervisor nur so viel Rechenkraft und Speicher zugewiesen, wie sie gerade braucht.

Container für Altlasten

Und das ist meist erstaunlich wenig. ,,Rechner sind heute so leistungsstark, dass sie mit normalen Anwendungen oft gar nicht ausgelastet sind‘‘, sagt Thomas Kühlewein. Er ist beim Marktführer für Virtualisierungssoftware, VMWare, für das Geschäft in Mitteleuropa zuständig. Weil Rechenzentren auf Spitzenlasten ausgerichtet seien, würden viele Ressourcen die meiste Zeit über brach liegen und unnötig Energie verbrauchen. ,,Mit Virtualisierung können die vorhandenen Ressourcen so verteilt werden, wie sie gebraucht werden.‘‘

Aber das ist nicht der einzige Vorteil, den Virtualisierung bietet. Obwohl mehrere der kleinen Computer in einem physischen Gerät stecken, verhalten sie sich dennoch so, als stünden sie nebeneinander. Das heißt, wenn der eine abstürzt, berührt das den anderen überhaupt nicht. Und es ist auch egal, welches Betriebssystem der Computer im Computer verwendet.

Er muss sich ja nicht um die Anbindung an die Hardware kümmern, das erledigt der Hypervisor. Das macht es beispielsweise möglich, dass Unternehmen zwar die neuesten Schreib- und Mailprogramme benutzen, eine Altlast aber, eine nicht ersetzbare firmenspezifische Anwendung samt deren veraltetem Betriebssystem in eine sogenannte virtuelle Maschine packen.

Diese ist computertechnisch gesehen nichts als eine einzige Datei. In diesem Container, Fachleute sprechen von einer Appliance, steckt die Anwendung mitsamt der übrigen Umgebung, die sie braucht, um zu laufen. Programmierer schwören schon länger auf Virtualisierung, erlaubt sie es ihnen doch, ihre Software in vielen Umgebungen auszuprobieren, etwa unter verschiedenen Windows-Versionen.

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