Bei dem öffentlich geförderten Projekt Smart Web entwickelten insgesamt 16 Partner aus Industrie und Forschung im Hinblick auf die Fußball-WM in Deutschland Anwendungsbeispiele für eine solche intelligente Suchmaschine, die sich auch über Sprache steuern lässt. Das System fand immerhin auf Anhieb die Antwort auf die Frage, wer 2006 bei den Salzburger Festspielen die Titelrolle in Verdis "Traviata" gesungen hatte: Anna Netrebko. Dabei war es eigentlich speziell auf Sport und die Fußball-WM getrimmt worden.

Mit dem Theseus-Projekt wird diese Arbeit nun fortgeführt. Ziel ist das sogenannte semantische Web. Dieses funktioniert aber - vereinfacht dargestellt - nur dann richtig, wenn Menschen die Texte, Bilder, Ton- und Videodateien zuvor klassifiziert haben. Unter anderem ruhen die Hoffnungen der Forscher darauf, dass die Nutzer des Internets selbst dafür eingespannt werden könnten, ihre Bilder und Filme zu beschreiben, ihre Texte bestimmten Kategorien zuzuordnen.

Zwar versprechen das auch automatische Verfahren, die Ergebnisse aber reichen an eine menschliche Einordnung bei weitem nicht heran. Zu den besseren Systemen auf dem Markt gehört die "Sense Engine" des bekannten britischen Linguisten David Crystal, die für die Werbebranche dafür sorgt, dass die passende Werbung zu Textinhalten auf einer Seite angezeigt wird. Auf die Mitarbeit der Nutzer setzt auch das bis dato wenig erfolgreiche Projekt Wikia Search des Wikipedia-Mitbegründers Jimmy Wales.

Dass die Dominanz der US-Firmen durch einen neuen Player auf dem Markt gebrochen werden könnte, erscheint nicht besonders realistisch. Die Amerikaner stecken nicht nur Hunderte Millionen Dollar in Forschung und Entwicklung, auch das Betreiben ihrer gigantischen Rechnerfarmen verschlingt Unsummen. Für eine einzige Google-Anfrage werden oft Tausende Rechner zugleich angefragt und die Einzelergebnisse dann gewichtet, dazu prüfen noch weitere Rechner, ob sich der Internetnutzer nicht vielleicht verschrieben hat und ganz etwas anderes meinte. Damit können Neulinge kaum konkurrieren.

(SZ vom 25.4.2008/mri)

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