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Digitaler Wahlstift fällt durch
Online-Wahlen
14.11.2007, 14:37
Der digitale Wahlstift, der jetzt doch nicht zum Einsatz kommt. (Foto: dpa)
Der digitale Wahlstift, den der Hamburger CDU-Senat als technische Revolution zur Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 präsentieren wollte, wird nun höchstens als Hilfsmittel eingesetzt. Zu groß waren die Bedenken von Experten und Politikern, dass bei der bundesweiten Premiere mögliche Sicherheitslücken im System das Vertrauen der Wähler in die Abstimmung erschüttern könnten.
"Definitiv kann man davon ausgehen, dass der Wahlstift als Regelinstrument vom Tisch ist“, sagt der Verfassungsexperte der CDU-Fraktion, Kai Voet van Vormizeele. Dabei hatte der Senat voll auf die elektronische Zählung gesetzt, denn das neue Hamburger Wahlrecht ist kompliziert.
Bei einer Wahlbeteiligung von 70 Prozent, wie zuletzt, kämen 9,6 Millionen
Stimmen zusammen. Der Wahlstift, der einem Kugelschreiber gleicht und per eingebauter Infrarotkamera die Kreuzchen auf den Stimmzetteln registriert, sollte laut Innenbehörde dennoch schon am Wahlabend ein Endergebnis liefern.
"Fahrlässig niedriges Sicherheitsniveau“
Aber Experten vom Chaos Computer Club demonstrierten öffentlichkeitswirksam wie Wahlfälscher den Wahlvorgang manipulieren könnten. Bei einer Anhörung von Fachleuten im Verfassungsausschuss legten die Kritiker nach. Von einem "fahrlässig niedrigen Sicherheitsniveau“ sprach etwa Klaus Brunnstein, Professor der Hamburger Uni.
Die GAL-Fraktion sah sich bestätigt. Auch die SPD rückte von dem Wahlstift ab. Er sei "noch kein vollwertiges Wahlgerät" für den Einsatz schon im Februar 2008. Die CDU, die das neue System nur im Konsens wollte, musste ihr ursprüngliches Vorhaben aufgeben. Doch noch hat der Wahlstift die Chance auf einen kleinen Einsatz.
"Als Hilfe würden wir ihn gerne haben“, sagt Ralf Kunz, Sprecher des Landeswahlamtes. Auch dann aber wäre die Auszählung ein großes logistisches Problem. Rund 11.000 Wahlhelfer stehen zur Verfügung. Das Amt jedoch braucht jetzt 15.000, um in drei bis vier Tagen durchzukommen. Schulen oder Kindergärten sind aber nur am Sonntag als Wahllokal zu haben, also müssten danach Hallen gemietet und bewacht werden.
Am Wahlabend wären zumindest die Mehrheitsverhältnisse im Rathaus klar, verspricht Kunz. Wann ein amtliches Endergebnis vorliegen wird, kann er nicht sagen. "Wie wir das bewältigen, können wir uns im Moment noch nicht vorstellen.“
Parallel zur Handzählung
Die Sorgen des Wahlamts mindern könnte der Verfassungsausschuss. Der will am Freitag entscheiden, ob der schon jetzt 4,5 Millionen Euro teure Wahlstift parallel zur Handzählung zumindest als zusätzliche Hilfe eingesetzt wird. Farid Müller von der GAL fordert auf jeden Fall "eine gewisse Grundsicherheit für das Ding“, auch wegen denkbarer Wahlanfechtungen.
Die SPD könnte sich einen Einsatz in einigen Wahllokalen vorstellen, gedacht als Test für die Zukunft. "Ich will den digitalen Wahlstift nicht in die Ecke stellen und sagen, das geht nie", meint SPD-Verfassungsexpertin Barbara Duden.
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![]() 14.11.2007 17:19:38 Jörg Dotter: Wahlstift Noch größer erscheint mir die Gefahr der Manipulation der Wahlen durch Ersetzung der abgegebenen Stimme durch eine "genehmere" , so wie unlängst im Florida des Gouverneurs Bush ( Bruder des Präsidenten ). Außerdem wird man beim Gebrauch des elektronischen Stifts bei gleichzeitiger Registrierung des Namens des Wählers erkennen können, wer wie gewählt hat. Cui bono? Die CDU wird's schon wissen. Und die SPD wird dazu wieder eine staatstragende Miene machen. ![]()
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