Bedingt abhörbereit

    Razzia wegen Bundestrojaner

    17.09.2008, 10:04

    Von Mirjam Hauck

    Hat Bayern den Bundestrojaner bereits illegal eingesetzt? Die Piratenpartei hatte einen Brief veröffentlicht, der das nahelegt. Jetzt durchsuchte die Polizei die Wohnung des Pressesprechers.

    Mittels Hausdurchsuchung will die Staatsanwaltschaft München den Informanten der Piratenpartei ermitteln. (Foto: dpa)

    Was kostet es, einen Bundestrojaner in den Computer eines Verdächtigen einzuschleusen? Zumindest die Preise der bayerischen Variante sind bekannt. Im Januar 2008 veröffentlichte die Piratenpartei auf ihrer Website ein Schreiben des bayerischen Justizministeriums.

    Darin teilen die Beamten den Generalstaatsanwälten in München, Nürnberg und Bamberg unter anderem mit, dass die umstrittene Schnüffelsoftware bereits für 3500 Euro im Monat einsatzbereit sei. Der Brief ist der Piratenpartei nach deren Angaben von einem Informanten zugespielt worden.

    Die Veröffentlichung des Schreibens hatte für die kleine Partei, die sich für einen freien Wissensaustausch, für besseren Datenschutz und ein neues Urheberrecht einsetzt, schwerwiegende Folgen. Vergangene Woche durchsuchten bayerische Beamte die Münchner Wohnung des Pressesprechers Ralph Hunderlach und beschlagnahmten dessen Computer, um die Identität des Informanten zu ermitteln.

    Die Münchner Staatsanwaltschaft begründet den Durchsuchungsbeschluss damit, dass mit der Veröffentlichung des vertraulichen Schreibens das Dienstgeheimnis verletzt und die Arbeit der Ermittlungsbehörden behindert worden sei.

    Umstrittene Spionagesoftware

    Das Schriftstück des Justizministeriums, das die Piratenpartei ins Netz gestellt hatte, ist auf den Dezember 2007 datiert. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt der Einsatz eines Trojaners illegal. Erst im Juli 2008 hat der CSU-geführte bayerische Landtag ein Polizeigesetz beschlossen, das das Ausspähen von Computern erlaubt.

    Der Bund ist bislang noch nicht so weit. Nachdem im Februar das Bundesverfassungsgericht das nordrhein-westfälische Gesetz zum Trojanereinsatz für verfassungswidrig erklärt hatte, berät der Innenausschuss derzeit noch das neue BKA-Gesetz, das Regelungen zur umstrittenen Verwendung der staatlichen Spionagesoftware enthalten soll.

    Auf der nächsten Seite lesen Sie, warum sich die Münchner Staatsanwaltschaft nicht zur Hausdurchsuchung äußert.

    vorherige Seite  vorherige Seite     1 | 2     nächste Seite   nächste Seite

    ANZEIGE

    Weitere Artikel in Digital

    Leserkommentare (54)



    28.04.2009 14:26:04

    Jens66:

    Hallo, das war übrigens kein Aprilscherz…

    Die sicherste Methode, um sich davor zuschützen, ist seinen Arbeitsspeicher „Einzubetonieren“! Mehr will ich da jetzt nicht sagen…


    Bewerten Sie diesen Kommentar




    vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 11 ältere Kommentare nächste Kommentare

    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    maps.sueddeutsche.de
    Kaffee? Internet? Oder beides! Kostenlose Hotspots finden auf maps.sueddeutsche.de
    Spiele
    Es muss nicht immer die Maus sein: Mit Shortcuts geht es oft schneller. Kennen Sie die wichtigsten Tastenkombinationen für Windows?
    Im Netz lauern Gefahren: Viren und Würmer bedrohen Ihren Rechner. Dagegen sollten Sie gewappnet sein. Testen Sie Ihr Sicherheits-Wissen.
    Was den Deutschen die Klimakatastrophe, ist den Amerikanern "w00t". Das US-Lexikon "Merriam-Webster" hat den Cyberslang-Begriff zum Wort des Jahres gekürt. Was heißt das?
    Jeden Tag stolpert der Leser über Zitate von Menschen, die sich zwar berufsbedingt mit dem Internet beschäftigen - dies aber oft mit bemerkenswerter Ahnungslosigkeit. Wir haben die besten Sprüche gesammelt und wollen nun von Ihnen wissen: Wer hat's gesagt?
    Bildstrecken
    Ein Klick, und die E-Mail ist verschickt. Dumm, wenn der Fehler des Chefs per CC nicht nur an die Kollegen geht. Die zehn peinlichsten Mail-Pannen.
    Sie geben Rätsel auf, machen Angst oder sind einfach nur hässlich: Wir zeigen die zehn größten Design-Unfälle der Technik-Geschichte.

    Das Ende des Internet steht kurz bevor: zu viel Betrieb, zu wenig Speicher, falsche Leitungen. Bis es aber tatsächlich soweit ist, erwärmen Fehlermeldungen die Herzen der Nutzer. Wir zeigen die schönsten Exemplare.
    Jung, sexy und erfolgreich: Die Internetunternehmer im Web-2.0-Zeitalter sind maximal um die 30. Und sie haben schon Millionen verdient.
    Zwischen "Pong" und "Doom" liegen zwanzig Jahre Computerspielentwicklung. Dazwischen gibt unzählige Klassiker, die auch heute noch Spaß machen.
    Seit vielen Jahren beherrscht Microsft mit Windows den Markt für Betriebssysteme. Wir zeigen die Evolution.
    Trends für den Orkus: Höchste Ansprüche und spektakuläres Scheitern liegen oft eng beieinander.
    FarCry
    Von Super Mario mit Dennis Hopper bis Far Cry mit Til Schweiger: Bei Games-Verfilmungen gehen krude Drehbücher und große Stars oft eine unheilvolle Allianz ein. Die schönsten Flops.
    Linux taugt nichts und WLan und Handys verursachen Krebs: Zehn Sätze, mit denen Sie jeden richtigen Nerd zur Weißglut treiben.
    Suche
    Geben Sie hier einen Suchbegriff ein:
     

    ANZEIGE

    Innovate!