Von Tilmann P. Gangloff

Clipfish und MyVideo haben ihren festen Platz bei RTL und Sat1. Doch auf den Videoplattformen selbst gibt es nicht nur lustige Filmchen.

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So artig kann es zugehen bei der MyVideo Show. Die Webseite dagegen bietet auch Scheußlichkeiten. Foto: Sat.1

Auch Kinder lieben Missgeschicke, immer vorausgesetzt, sie sind nicht selbst das Opfer. Deshalb lieben sie auch Upps! Die Pannenshow (Super RTL): Die Sendung, eine Art Pleiten, Pech und Pannen, zeigt Amateurfilmchen, originelle Fundstücke aus dem Internet, ganz ähnlich wie die MyVideo Show (Sat1) oder Clipfish TV (RTL, beide samstags).

Im Gegensatz zur liebevoll betexteten Pannenshow bräuchte man kein weiteres Wort über die beiden anderen Formate verlieren, wenn ihr Sinn und Zweck nicht so offensichtlich wäre: Die Pro Sieben Sat1 Media AG ist mit 30 Prozent an der Internet-Videoplattform MyVideo.de beteiligt und vermarktet außerdem die Werbebanner. Clipfish gehört RTL; und selbstverständlich haben die in den TV-Sendungen gezeigten Clips ihren Ursprung auf den entsprechenden Websites.

Das wäre nicht weiter erwähnenswert, könnte man sich nicht lebhaft das Folgende vorstellen: Erst schauen sich Kinder die witzigen Videos im Fernsehen an, dann wollen sie mehr davon - es sei doch alles ganz harmlos, wie sich die Eltern gerade selbst überzeugen konnten. Auf den Internetseiten landen die jungen Nutzer zwar nicht gerade in Sodom oder Gomorrha, aber zumindest auf einem Zubringer nach Sodom.

Voyeuren bleiben keine Wünsche offen

Klickt man sich ein bisschen in die Untiefen der Website, stößt man auf allerlei Schund. Unter den Mitgliederporträts von MyVideo fand sich bis zu seiner Löschung zum Beispiel der Steckbrief einer Userin namens "Versaute Anna"; die rückwärtigen Einsichten, die die junge Frau der Kamera bot, ließ bei Voyeuren vermutlich keine Wünsche offen, desgleichen das Eigenlob ("Ich bin das sexgeilste Wesen auf diesem Planeten"). Andere, ungleich drastischere Selbstbeschreibungen sind hier schlicht nicht zitabel.

Natürlich ist das kein neues Phänomen. Wann immer Internet-Nutzer die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen, kommt es zu Rechtsverstößen. Eine hundertprozentige Kontrolle, sagt Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net, "ist in solchen Fällen praktisch unmöglich". Viel Arbeit also für die Mainzer Einrichtung, die im Auftrag der Obersten Landesjugendbehörden im Herbst 1997 ihre Arbeit aufgenommen hat. Sie hat die Aufgabe, jugendgefährdende oder -beeinträchtigende Inhalte im Internet ausfindig zu machen.

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