Nach dem Studentenportal StudiVZ ist nun auch das Schülernetzwerk SchülerVZ online. Inhaltlich unterscheidet sich die Seite kaum vom Vorbild und auch die Nutzer sind ähnlich.

(Grafik: SchülerVZ)

Der Betreiber des Studentennetzwerkes studiVZ hat einen eigenen Ableger für Schüler gestartet. Seit gestern können sich die Teenies im SchülerVZ online untereinander austauschen. Wer mindestens zwölf Jahre alt ist, kann sich kostenlos registrieren und ein persönliches Profil anlegen.

Eingerichtet wurde der kleine Bruder von studiVZ den Angaben der Gründer zufolge aufgrund des großen Interesses von Schülern an einer solchen Plattform. Künftig will SchülerVZ demnach aber mehr sein als eine Mini-Version des Studentenportals. "Wir planen stets neue Funktionen und ermöglichen den Mitgliedern, gemeinsam mit ihren bestehenden Freunden ihr eigenes Netzwerk aufzubauen", sagt studiVZ-Gründer Dennis Bemmann.

Die Wahrung der angesprochenen Zielgruppe sei für die Plattform-Betreiber eines der obersten Ziele. "Es war für uns generell die größte Fragestellung, wie wir sicherstellen können, dass sich bei SchülerVZ tatsächlich auch nur Schüler registrieren", sagt Julian Artopé, Pressesprecher von studiVZ. Voraussetzung für die Anmeldung ist die Einladung durch ein bereits aktives Mitglied der Schüler-Community oder der Studentenplattform StudiVZ.

Bewusst wenig Anmeldungen


Laut Artopé achte man sehr genau darauf, welche User sich registrieren. Zu Beginn habe man aus Kontrollgründen bewusst darauf geachtet, die Anmeldezahlen niedrig zu halten. Eine genaue Zahl, wie viele Schüler sich in den ersten beiden Tagen angemeldet haben, wollte Projektleiter Oliver Skopec im Interview mit sueddeutsche.de nicht nennen. "Wir können aber sagen, dass wir bereits die meisten unserer Konkurrenten überflügelt haben", sagt Skopec.

Allerdings schloss er die Gemeinschaft des Münchner Häfft-Verlages aus, einem populärern Jugendmagazin. Die rund 100.000 Mitglieder starke Community sei statischer als SchülerVZ und wäre deshalb für den Vergleich nicht geeignet.

Besonders streng sind die Kontrolle für die Mitgliedschaft aber offensichtlich nicht. Viele Mitglieder im SchülerVZ geben auf ihrer Profilseite an, bereits Studenten oder arbeitstätig zu sein. Allein in der Gruppe "Eigentlich studiere ich ja, aber das rosa ist geil hier" sind 119 Mitglieder angemeldet. Im Gegensatz zu der beherrschenden Farbe rot im StudiVZ ist im SchülerVZ das Layout vor allem rosa.

Laut Skopec sei man gerade dabei einen Weg zu finden, die Mitglieder von SchülerVZ tatsächlich auf Schüler zu beschränken. Dies geschähe vor allem durch die Selbstkontrolle der Mitglieder, Hinweisen von Nutzern würde umgehend nachgegangen. Allerdings wäre es schwierig, eine eindeutige Trennung vorzunehmen. Viele Schüler hätten Freunde an den Unis und umgekehrt. Auch ließe das deutsche Schulsystem ein sehr breites Altersspektrum zu: "Auch Berufsschüler sollen hier ihre Gemeinschaft haben", sagt Skopec. Eine Altersgrenze wird es daher nicht geben.

Jugendschutz wichtiger Aspekt


Jeder Nutzer im SchülerVZ kann selbst entscheiden, welche und wie viele Informationen er über sich Preis geben will. Ein Verhaltenskodex und ein Support-Team sollen dabei helfen, die Regeln der Plattform zu wahren. Mitglieder, die anonym bleiben wollen, können ihre Nachnamen ausblenden. Echte Anonymität gibt es aber den Regeln von SchülerVZ nach nicht. So heißt es dort unter anderem: "Wenn Du auf der Profilseite ein Profilbild hochlädst, musst Du darauf erkennbar sein."

Skopec sieht darin einen Vorteil gegenüber der völligen Anonymität in Chat-Räumen, bei denen man nicht wisse, mit wem man sich unterhält. Die Community wolle einen Beitrag zum Jugendschutz im Internet leisten, so Skopec. Dazu würde man eng man mit Lehrer- und Elternverbänden kooperieren, um Schüler aufzuklären, wo sie sich kritisch verhalten sollten. Wie sich diese Zusammenarbeit in Form von Inhalten auf der Webseite von SchülerVZ niederschlagen soll, ließ Skopec offen. "Die Ideen müssen noch reifen", sagte er, "in diesem Bereich will man keine Schnellschüsse".

 
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Banale Diskussionen


Momentan besteht der Mehrwert der SchülerVZ-Community noch vorwiegend aus Diskussionsforen. Die Schüler tauschen sich in über tausend verschiedenen Gruppen aus, die über meist banale Themen wie "Ich habe keine Mikrowelle" (neun Mitglieder) oder "Wir trinken Bier nur an Tagen die mit 'g' enden. Und Mittwochs." (320 Mitglieder) nicht hinauskommen.

Mittelfristig wollen die Netzwerk-Betreiber auch in Ländern außerhalb Deutschlands aktiv werden. Der Start der Schüler-Plattform sei der erste Schritt zu einem integrierten europäischen Netzwerk für Schüler und Studenten. Laut Gründungsmitglied Ehssan Dariani sollen noch in diesem Jahr Ableger in anderen EU-Staaten eingeführt werden. Skopec bezeichnet die Expansion ins Ausland noch als "Zukunftsmusik".

Stefan Klingenberg vom Häfft-Verlag räumt dem SchülerVZ keine großen Erfolgschancen ein: "Als Vermarkter von Schülermedien mit über 15 Jahren Erfahrung glaube ich weder an den durchschlagenden kommerziellen Erfolg von Jugendcommunities, noch daran, dass dieser Ansatz eines Kunden-Pools für studivz.de von Erfolg geprägt werden würde", schreibt er in einem Blog.

Zunächst ist das Schülerportal in einer Alpha-Version online, ab 21. Juni soll es dann eine Beta-Version geben. Das Vorbild StudiVZ war in der Vergangenheit öfter in die Kritik geraten. Unter anderem hatte Gründungsmitglied Ehssan Dariani eine angeblich satirische Geburtstagseinladungen im Stil der Nazi-Postille "Völkischer Beobachter" verschickt. Dazu kamen schlampige Programmierungen, Gruppen mit rechtsradikalen Inhalten und Stalking-Vorwürfe von weiblichen Mitgliedern der Gemeinschaft. Anfang des Jahres kaufte der Holtzbrinck-Verlag das Portal.

(sueddeutsche.de/pte)

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Leserkommentare (1)



24.02.2007 10:56:12

Yslsl:

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