Von Jean-Michel Berg

Neben der obligatorischen Internetpräsenz haben Unternehmen das Bloggen entdeckt. Zählt also die Meinung des Verbrauchers doch?

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Im Daimler-Blog schreiben die Mitarbeiter. (Screenshot: Daimler-Blog )

Die Geschichte des öffentlichen Raumes erinnert an eine lange Reise. Seit er die Grenzen des antiken Stadtstaat überschritten hat, fand er keinen festen Ort mehr. Zuletzt galt sogar das Internet als seine neue Adresse. Erst in den Chaträumen, dann in den Foren - wo immer Menschen miteinander sprechen.

Das Internet-Forum trägt den Marktplatz sogar im Namen, auf dem die Römer ihre öffentlichen Angelegenheiten austrugen. Doch dann verwischt die Spur wieder: Der Weblog nämlich verdankt seine Bezeichnung der Seefahrt, dem Logbuch, denn er ist nur das Journal einer individuellen Anstrengung. Immerhin hat das Zusammenspiel der Millionen Blogs, die Kommentierung und Zitierung einen erkennbaren gemeinschaftlichen Raum erzeugt.

"Einblick in einen Konzern"

Auf diese sogenannte Blogosphäre haben die Netz-Utopisten zuletzt ihre Hoffnungen gesetzt. Wer einen Internetzugang hat, kann zu jedem Thema seine Meinung äußern; staatliche Zensur ist kaum möglich, und jede Stimme hat potentiell das gleiche Gewicht. Das mag noch kein idealer herrschaftsfreier Diskurs sein, aber das alte Konzept vom Bürgerjournalismus konnte sich nie stärker verwirklichen als hier. Blogs bilden eine Gegenöffentlichkeit - in manchen Ländern gar die einzig relevante - , und sie haben eine große Leserschaft.

In der westlichen Welt haben bislang vor allem Großkonzerne ihre Macht zu spüren bekommen; nun versuchen sie, die Deutungshoheit über ihre Unternehmungen zurückzugewinnen. Zur obligatorischen Internetpräsenz ist der "Corporate Blog" hinzugekommen. Bei General Motors etwa bloggt der Vize-Chairman Bob Lutz, bei Daimler schreiben seit einigen Tagen die Mitarbeiter.

Dass die Unternehmen sich in Webtagebüchern an die Verbraucher wenden, sich auf eine gemeinsame Ebene begeben, das klingt nach einer frohen Botschaft. Der Daimler-Blog verspricht sogar den "Einblick in einen Konzern". Zählt also die Meinung des Verbrauchers doch? Kann er hier auf die Politik des Unternehmens einwirken, wenn es um Umweltschutz oder Kinderarbeit geht?

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