Kampf der Ideologien
Soziale Netzwerke
18.06.2007, 16:08
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(Foto: Matt Krueger)
Es klingt wie eine neue Zeitrechnung: T-Online ist nicht mehr der Spitzenreiter im deutschen Internet. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) nahm das Portal studiVZ in seine Wertung auf und stellte fest, dass die Netzwerkseite für Studenten im Mai 2,6 Milliarden Seitenaufrufe verzeichnete - 400 Millionen mehr als der bisherige Primus.
In den Vereinigten Staaten gab es diesen Einschnitt im November vergangenen Jahres: Das Portal MySpace erreichte 38,1 Milliarden Seitenaufrufe und überflügelte erstmals Yahoo. Die Zeitschrift Business Week nannte die 105 Millionen registrierten Nutzer die "MySpace-Generation" - junge Menschen, die viel Zeit haben und sich online selbst darstellen.
Als der australische Medienmogul Rupert Murdoch im Juli 2005 MySpace für 580 Millionen Dollar übernahm, wurde er der Alterssenilität bezichtigt. Inzwischen wird er für seine Spürnase bewundert, denn MySpace ist nach Seitenaufrufen die sechstbeliebteste Internetseite weltweit. Lange glaubte man, MySpace habe das Monopol für soziale Netzwerke im Internet.
Doch längst gibt es Konkurrenz: Das Portal Facebook - das amerikanische Vorbild von studiVZ - bereitet Murdoch Kopfschmerzen. In einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte er auf die Frage, ob Zeitungsleser zu MySpace abwandern würden: "Ich wünschte, sie täten es. Sie gehen im Moment allesamt zu Facebook." Mehr als 25 Millionen Nutzer sind dort registriert, mit neun Millionen eingestellten Fotos pro Tag liegt die Webseite vor dem Foto-Portal Flickr.
Der Kampf zwischen MySpace und Facebook ist eine Frage der Ideologie: Auf der einen Seite MySpace mit einer scheinbar anarchischen Struktur. Nutzer mit Phantasienamen basteln blinkende Seiten und vermarkten sich und ihre Idole. Die Rockband Arctic Monkeys etwa verdankt ihren Erfolg einer MySpace-Seite, die Fans für sie anlegten.
Facebook dagegen wirkt strukturierter: Die Nutzer agieren unter eigenem Namen, laden Fotos hoch und treffen sich in Gruppen wie "Tigers-Fans". Es ist ein Netzwerk für Freunde und Gleichgesinnte. Facebook ist die Kneipe von nebenan, MySpace die Großraumdiskothek.
Wer den Kampf der sozialen Netzwerkseiten gewinnt, ist offen. Noch. Die Frage lautet: Wie lässt sich mit den Millionen Nutzern langfristig Geld verdienen? Immer wieder gibt es einen Hype um Webseiten, die Monate später bedeutungslos werden.
Das Flirtportal binichsexy etwa gehörte bis 2004 zu den angesagtesten Homepages und findet nun kaum noch Beachtung. Das Problem der Portale ist, dass einzelne Seiten kurz angesehen werden, ein Großteil der Aufrufe wird durch das Lesen und Verschicken von Nachrichten generiert. Für Werbekunden ist dieses Nutzerverhalten unattraktiv.
Die kurze Verweildauer sorgt dafür, dass mit Werbung kaum Umsatz erzielt wird. Während Facebook sich auf sozialen Nutzen konzentriert, gilt MySpace als reine Spielwiese für Selbstdarsteller und gelangweilte Teenager. MySpace könnte - trotz vierfacher Nutzerzahl derzeit - als Verlierer aus diesem Kampf hervorgehen, weil es nicht nutzerfreundlich genug ist.
Wie Spezialisierung zum Erfolg führen kann, zeigt eine deutsche Netzwerkseite. Xing verzichtet komplett auf Werbung und den Handel mit Aufrufen, sondern verlangt von seinen Nutzern eine Gebühr von 5,95 Euro pro Monat. Seit mehr als einem Jahr ist Xing mit dieser Strategie profitabel.
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