Von H. Martin-Jung

Längst turnen Computerspieler vor dem Bildschirm herum und üben Wellenreiten. Microsoft hat jetzt ein Gerät entwickelt, das sich nur mit Gesten und Worten steuern lässt.

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Project Natal von Microsoft - eine Spielsteuerung, die völlig ohne Steuerungsgeräte auskommt Foto: AFP

"Spiel ab, Mann!" - bisher war das allenfalls der Stoßseufzer eines E-Sportlers. Schon bald aber könnte der tatsächlich Wirkung zeigen bei Sport- und anderen Spielen am Computer.

Der Software-Konzern Microsoft überraschte bei der Spielemesse E3 in Los Angeles Konkurrenz und Publikum mit seinem Project Natal - einer Spielsteuerung, die völlig ohne Steuerungsgeräte auskommt und allein auf Bewegungen und Stimme basiert.

Kaufen kann man das Zusatzgerät für Microsofts Spielekonsole Xbox noch nicht - Spielehersteller sollen zunächst einmal Gelegenheit erhalten, Konzepte und Spiele für Natal zu entwickeln.

Mit dem Klischee vom Computerspieler, der bis auf Bewegungen aus dem Handgelenk still vor dem Monitor sitzt, haben bereits erfolgreiche Spielekonsolen wie Nintendos Wii und Sonys Eyetoy aufgeräumt.

Längst turnen Kinder und zunehmend auch Erwachsene vor dem Bildschirm herum, üben Wellenreiten oder balancieren auf Eisschollen. Microsoft setzt mit seiner Neuentwicklung nun noch eins drauf und verzichtet völlig auf ein Gerät, das man in die Hand nehmen muss. Natal besteht aus einer Kameraeinheit, die auf dem Fernsehgerät befestigt wird.

Sie enthält nicht bloß eine 2-D-Kamera wie etwa die Wii, sondern auch einen Infrarotprojektor nebst Sensor, der die dritte Dimension erschließt, also Bewegungen im Raum erkennen kann. Zudem enthält das Gerät einen eigenen Prozessor und spezielle Software. Zusammen sollen sie in der Lage sein, Gesichter und Stimmen zu erkennen.

Das soll dann genutzt werden, um Spieler gleich bei Microsofts Live-Plattform anzumelden, wenn das System sie erkannt hat. Über Live können Xbox-Spieler weltweit kommunzieren und Daten austauschen oder - obwohl räumlich getrennt - dieselbe DVD ansehen.

An Prototypen mit ähnlicher Technik haben auch Forscher beispielsweise vom Fraunhofer Institut schon länger gearbeitet, die ersten davon werden bereits verwendet. Der Einsatz solcher Technologie in Spielekonsolen wäre jedoch ein gewaltiger Schritt nach vorne. Zunächst aber muss Microsoft erst einmal beweisen, dass Natal auch wirklich das hält, was es verspricht.

(SZ vom 04.06.2009/mri)