Von Gregor Fuchs

Corporate Blogs erleben ein Jahr der Ernüchterung: Die hoffnungsvoll gestarteten Online-Tagebücher haben für die Unternehmenskommunikation einen Großteil ihrer Faszination eingebüßt. Jetzt werden neue Ansätze getestet.

Der Urlaubs-Blog des Billigfliegers HLX begrüßt die Besucher euphorisch: „Vorsicht: Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern wirkt auch inspirierend!“ Nutzer sollen hier ihre persönlichen Reiseerlebnisse und Tipps festhalten. Die Wirklichkeit sieht anders aus: ganze drei Einträge in den vergangenen drei Monaten. Noch niederschmetternder ist der Blick in den Experten-Teil: Zwar werden die Autoren vorgestellt, zu Wort hat sich im Forum jedoch keiner gemeldet.

Der Weblog steht auf dem virtuellen Abstellgleis. Ein Grund: Vor Monaten hat der Billigflieger im Zuge der Umstrukturierung zur TUIfly die direkte Verlinkung gekappt. Man sei wohl gerade bei der Überarbeitung des Blogs, Priorität habe das aber nicht, sagt Lars Diederich, Geschäftsführer beim Dienstleister Boogie Medien, der das Projekt im November 2005 ins Netz gebracht hatte.

Allgemeine Ernüchterung


Bis zu seiner Fast-Einstellung lief der Service „mittelprächtig“. Allgemein herrscht Ernüchterung: Obwohl Corporate Blogs von Marketers als ein wichtiges kommunikatives Instrument angesehen werden, stößt das Thema bei vielen Fachleuten auf große Skepsis: „Die Unternehmen haben Angst vor der Öffnung ihrer Sites, vor Missbrauch und nicht zuletzt vor möglicher Kritik“, sagt Diederich.


» Die Unternehmen haben Angst vor möglicher Kritik «

Lars Diederich, Geschäftsführer Boogie Medien

Die Befürchtungen kommen nicht von ungefähr. Vereinzelte Anbieter mussten sich mit Abmahnungen herumschlagen, etwa die Kelterei Walther, die hinter dem vergleichsweise erfolgreichen Saftblog steht, wegen einer ungefragten Nutzung der Olympischen Ringe.

Und noch schlimmer: Immer wieder kommen Firmen in die Negativschlagzeilen, die Blogger für ihre Dienste einspannen, ohne dies kenntlich zu machen. Sowohl Sony wie auch Wal-Mart mussten zuletzt einräumen, Nutzer getäuscht zu haben.

Als neues Zaubermittel der Unternehmenskommunikation machten die Blogs noch im Sommer 2005 die Runde. Das verheißungsvolle Versprechen lautete: Mit kaum einem anderen Tool lässt sich so vorzüglich mit Kunden in Kontakt treten. Laut einer Umfrage zählten damals Vorzeige-Unternehmen wie die Allianz, BMW, DaimlerChrysler, SAP und Siemens zu den Pionieren.

Andere Top-Firmen wie Adidas, BASF, Deutsche Post, Telekom, e.on Energie und VW würden den Einsatz prüfen, hieß es damals. Ein Jahr später hat sich kaum etwas getan. Gerade mal fünf dieser Unternehmen, e.on, SAP, Siemens, VW und Mercedes-Benz, unterhalten noch so etwas wie einen Blog. Bei allen anderen: Fehlanzeige!

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Leserkommentare (2)



07.03.2007 18:43:00

Lars Diederich:

Das die typisch deutsche Angewohnheit, erstmal alles schlecht zu reden, auch bei Süddeutsche.de nicht halt macht finde ich bedauerlich. ärgerlich finde ich, dass der Autor es dabei mit den korrekten Zitieren nicht so genau nimmt.

Mehr dazu auf unserem Blog: http://www.boogie-medien.com/archive/2007/03/07/sueddeutschede---das-ende-des-blogging-wahns-.htm


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